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| 3. | Orientierung |
Oft ist eine Grundrichtung für den Zug genetisch vorgegeben, die mit wachsender Zugerfahrung durch Lernen präzisiert wird. Vögeln stehen mehrere Hilfsmittel für die Orientierung zur Verfügung. Sie besitzen eine biologische Uhr für die Tageszeit, mit deren Hilfe sie den Sonnenstand als Sonnenkompass verwenden können. Sicher ist auch, dass Vögel einen magnetischen Sinn besitzen, mit dem sie das Magnetfeld der Erde wahrnehmen können. So nutzen Tauben Magnetitpartikel in der Innenhaut ihres Oberschnabels zur Orientierung: Sie registrieren damit lokale Unterschiede in der Magnetfeldstärke und erstellen eine kognitive Landkarte ihrer Umgebung. Diese Landkarte benutzen sie zusammen mit einer Kompassorientierung (etwa anhand des Sonnenstandes) zur Navigation. Rotkehlchen und einige andere Zugvögel nehmen das Erdmagnetfeld – offenbar optisch – mit den Augen wahr: In der Netzhaut des Rotkehlchens befindet sich ein besonderes Sehpigment (Cryptochrom), dessen Moleküle sich wie Magnete verhalten können. Diese Moleküle richten sich je nach der relativen Position des Vogelkopfes zum Erdmagnetfeld anders aus und dienen so als Inklinationskompass: Sie erlauben eine Richtungsorientierung anhand der Neigung (der Inklination) der magnetischen Feldlinien; die Vögel können damit unterscheiden, ob sie in Richtung Norden oder Süden unterwegs sind. Cryptochrommoleküle wurden auch in der Netzhaut von Gartengrasmücken gefunden; im Labor führten diese Vögel regelmäßige Kopfbewegungen durch, offensichtlich um Magnetfelder abzutasten. Rotkehlchen haben darüber hinaus (wie Tauben) im Schnabel Rezeptoren, die Magnetit enthalten und auch in völliger Dunkelheit eine (allerdings eingeschränkte) Richtungsorientierung ermöglichen: Im Labor orientierten sich Rotkehlchen bei völliger Dunkelheit unabhängig von der Jahreszeit stets nach Nordwesten; diese Art der Orientierung ist damit als alleinige Orientierung für saisonale Wanderungen nicht geeignet.
Nachtziehende Arten verwenden Sternenmuster oder das Band der Milchstraße in Verbindung mit einer inneren Uhr als Sternenkompass. Während der Mond bei Vögeln offenbar kaum eine Rolle für die Orientierung spielt, könnte das Polarisationsmuster beim Sonnenuntergang wichtig sein. Zumindest in Ausnahmen kommen auch noch die Windrichtung und Infraschallquellen als Richtungs- und Lageinformation in Frage. Neben natürlichen Landmarken wie Küstenlinien, Flüssen und Gebirgen nutzen zumindest Brieftauben auch vom Menschen geschaffene Strukturen wie Straßen und Bahnlinien.