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| 3. | Geschichte der Wirtschaftswissenschaften |
Die Wirtschaftswissenschaften als geschlossenes System entwickelten sich im Zug der bürgerlichen Revolution und wurden genährt vom wirtschaftlichen Fortschritt der Neuzeit auf dem Weg zum Industriestaat, dessen Entwicklung und Ausprägung sie wesentlich mitbeeinflussten.
In Gegnerschaft zur merkantilistischen Politik der Wirtschaftslenkung entwarfen die Physiokraten um François Quesnay Mitte des 18. Jahrhunderts erstmals eine in sich schlüssige Wirtschaftstheorie, die von einem geschlossenen, quasi naturgesetzlichen Wirtschaftskreislauf ausging. Mit ihrem Postulat eines ungezügelten Freihandels als notwendige Voraussetzung für gesellschaftliche Wohlfahrt inspirierten sie u. a. die klassische Nationalökonomie, deren Begründer Adam Smith im menschlichen Eigennutz die Triebkraft für wirtschaftlichen Erfolg sah und dementsprechend für ein Laissez-faire des Staates plädierte. Sein Werk Wealth of Nations (1776) lieferte erstmals einen Überblick über den Gesamtbereich der Wirtschaftswissenschaften. Seine Analysen zu den Problemen des Marktes, zur Interdependenz von Angebot und Nachfrage waren richtungweisend für die Arbeiten so bekannter Nationalökonomen wie Jean Baptiste Say, Thomas Robert Malthus und David Ricardo.
Die klassische Wertlehre wurde zum Impulsgeber auch der Wirtschaftstheorie des wissenschaftlichen Sozialismus. Die Lehre vom Mehrwert und seiner Akkumulation nimmt beispielsweise bei Karl Marx eine zentrale Stellung bei der Beschreibung der wirtschaftlichen Dynamik ein. Ihm gelang es zudem als Erstem, ein Kreislaufschema für eine fortschreitende Wirtschaft zu entwerfen.
Einen wichtigen Beitrag zur Klärung der Grundlagen der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland leistete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die historische Schule der Nationalökonomie. Sie bemühte sich um die Ausarbeitung von Stufentheorien zur Erklärung der wirtschaftlichen Entwicklung und trieb die wirtschaftshistorische Forschung voran (Gustav von Schmoller).
Die eigentlichen Fundamente der modernen Wirtschaftswissenschaften wurden von John Maynard Keynes und dem Keynesianismus, dem Neoliberalismus sowie von Milton Friedman und dem Monetarismus gelegt. Die Wirtschaftswissenschaften öffneten sich während der vergangenen Jahrzehnte zunehmend mathematisch-statistischen Ansätzen und Darstellungsweisen und gingen eine engere Verbindung zwischen Theorie und Empirie ein.