Millennium: Kunst
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Millennium: Kunst
21. Architektur nach 1945

In der Architektur konnte man nach dem 2. Weltkrieg den Siegeszug der Moderne verfolgen. Die Lehren der zwanziger Jahre wurden mit größter Breitenwirkung aufgegriffen. Das Bauhaus und Le Corbusier wurden die wichtigsten Vorbilder der jungen Architektengeneration. Die Kriegszerstörungen gaben breiten Raum für neue Planungen. Zwar wurde dort, wo historische Baudenkmäler den städtebaulichen Kontext prägten, bevorzugt restauriert, und wo dies nicht möglich war, in angepasster, gemäßigter Moderne gebaut, doch wo freie Entscheidung möglich war, wurden Beton und Glas die wichtigsten Baumaterialien. Leichtigkeit der Bauglieder und das den Raum erfüllende Licht spiegeln den Fortschrittsoptimismus der Aufbauzeit. Die Ideen des Funktionalismus wurden konsequent weitergeführt. Der Verzicht auf alles, was als überflüssig erachtet wurde, wurde als Programm am konsequentesten im Brutalismus umgesetzt, dessen wichtigstes Gestaltungsmittel die wuchtigen Formen des Betons war.

Auch hier gab es seit den siebziger Jahren eine Gegenbewegung, die die einseitige Betonung der Funktion kritisierte und zu einem freien, spielerischen Umgang mit den Formen zurückkehrte. Das Zitieren historischer Formen wurde zu einem Kennzeichen der Architektur der achtziger Jahre, die als Architektur der Postmoderne etikettiert wurde. Gegen die Forderung nach klaren, einfachen Formen und nach Materialgerechtigkeit, wie sie im Bauhaus erhoben worden war, wurde jetzt ein Spiel mit möglichst unterschiedlichen Formen und zur Verkleidung verwendeten Materialien gesetzt. Das Bauwerk sollte als „Individuum” erscheinen. Man kam zu der Aufassung, der Pluralismus der Gesellschaft dürfe sich auch im Pluralismus der Stile spiegeln. Zu den Sozialutopien der „Väter der modernen Architektur” ging man auf Distanz.

Im Rückblick auf die „runden” Daten der Vergangenheit spricht man gerne von Zeitenwenden und sucht in der Zeit um das Jahr 1000 oder 1500 nach Ereignissen, an denen Umbrüche abzulesen sind. Das Jahr 2000 hingegen markiert in der Kunstgeschichte keinen Wendepunkt. Das 20. Jahrhundert als Ganzes war jedoch ein kontinuierlicher, vielfältig differenzierter Prozess des Umbruchs, in dem tradierte Grundlagen der Kunst aufgegeben und neue Bereiche erobert wurden. Auch wenn der Begriff der Kunst dabei seine festen Konturen verloren hat, bleibt doch die Kunst ein wesentliches Medium, in dem die Gesellschaft über sich und ihre Wirklichkeit reflektiert, ein Medium, das entscheidend zur Selbstgestaltung dieser Gesellschaft beiträgt.