Millennium: 12. Jahrhundert
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Millennium: 12. Jahrhundert
1. Einleitung

Zum Thema Millennium sind außerdem folgende Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 14. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: Weltgeschichte im Überblick.

In diesem Jahrhundert änderten sich in Europa die Machtverhältnisse. Das Heilige Römische Reich, zu dem außer den sich noch immer ostwärts ausdehnenden deutschen Gebieten auch Norditalien, Burgund, die Provence und die Niederlande gehörten, war noch immer das große Zentralreich in Europa. Aber im Westen traten Frankreich und England mehr in den Vordergrund, und im Südwesten sank der Stern von Byzanz. Das Byzantinische Reich erholte sich zwar noch teilweise vom Einfall der Türken (1071) im vorigen Jahrhundert und dem Einfall der Normannen in Süditalien, geriet aber im auslaufenden 12. Jahrhundert erneut in große Schwierigkeiten. Auffallend ist das schnelle Wachstum der Städte in Nord- und Mittelitalien. Dieser Teil der Welt war, als Ganzes gesehen, auf ökonomischem und geistlichem Gebiet sehr aktiv, was im Übrigen auch für Byzanz galt. Die Kreuzzüge waren sowohl Ausdruck religiöser Begeisterung als auch eine Methode, die Spannungen zwischen dem europäischen Adel zu lösen und den Expansionsdrang in gezielte Bahnen zu lenken.

In der islamischen Welt gingen die großen Reiche der Almoraviden, Fatimiden und Seldschuken unter. In Spanien übernahmen die Almohaden in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Macht, im Mittleren Osten war der Aijubidenfürst Saladin derjenige, der den Bollwerken der Christen im Heiligen Land Schlag um Schlag zuzufügen wusste. In Afrika wurde die Dynastie der Almoraviden durch die Almohaden vertrieben, die 1146 Marrakesch einnahmen. Auch das Reich von Ghana begann, nun zu verfallen. Im Tschad erfuhr die Stadt Kanem unter der Regierung von Mai Dunama (1097-1150) einen Aufschwung. Auch die Ostküste begann sich aufgrund der Niederlassung zahlreicher Emigranten aus den Gebieten am Persischen Golf zu entwickeln.

Das Cola-Reich im Süden Indiens verlor an Bedeutung. Neue Dynastien, wie die Hojasala-Dynastie, entstanden. Das Gebiet spielte auf kultureller Ebene eine wichtige Rolle. Vor allem die Bedeutung, die der Erotik zugeschrieben wurde, fand in verschiedenen Kunstformen ihren Ausdruck. Nordindien war noch immer vom Untergang gezeichnet. Nach 1170 gewannen hier die afghanischen Ghuriden, die den Rajputenkönig Prithviraja Chauhan vertrieben hatten, die Oberhand. China erlebte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts das Ende der Liao-Dynastie, gefolgt von der Chin- und der nördlichen Song-Dynastie. Im Süden wählten die Song eine neue Hauptstadt: Hangtschou. Sie schlossen einen Friedensvertrag mit den Chin, aufgrund dessen sich die Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden ein wenig zu stabilisieren begannen.

In Südostasien blühte auf Java das Kediri-Reich, über das nur wenig an die Außenwelt drang. Im Pagan-Reich in Birma wurde im letzten Viertel des Jahrhunderts die Gesellschaft „birmanisiert”, was den Mons zum Nachteil gereichte. Der dort verbreitete Buddhismus ließ eine Tendenz zur Spaltung erkennen. Dem Reich der Khmer, welches gute Beziehungen zu seinen chinesischen Nachbarn entwickelte, wurden unter Jayavarman VII. umfangreiche Gebiete angegliedert. Auch ein Teil des Champa-Reiches geriet zeitweise unter die Herrschaft der Khmer. In Japan ruhte die Macht nicht länger in den Händen des Kaisers, sondern wurde von militärischen Elitegruppen ausgeübt. Es entstand eine neue Verwaltungsstruktur unter der Leitung von General Seiitaischogun, der „Barbarenunterdrücker”.

In Amerika ging im Andengebiet die Tiahuanaco-Kultur, von der sich im vorigen Jahrhundert die Nazca- und die Mochica-Kultur abgespaltet haben, unter. Die Chimú-Indianer übernahmen die Mochica-Kultur und gründeten ein wirtschaftlich florierendes, transnationales Reich mit Chanchán als Hauptstadt. Daneben existierte das stark zentralisierte Reich der Inka. In Mexiko zerfiel das Tula-Reich. Die Chichimeken ließen sich erneut im Toltekengebiet nieder.