| Millennium: 14. Jahrhundert | Artikelansicht | ||||
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| 1. | Einleitung |
Zum Thema Millennium sind außerdem folgende Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 12. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 15. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität; Millennium: Weltgeschichte im Überblick.
Im 14. Jahrhundert vollzogen sich in vielen Teilen der Erde einschneidende Veränderungen. Bezogen auf Europa kann man sagen, dass das 13. Jahrhundert, ohne dieses idealisieren zu wollen, ein Jahrhundert kultureller Höhepunkte und wirtschaftlichen Wohlstands war. Die gesellschaftliche Situation war relativ ruhig. Zwar wurden häufig kleinere und größere Kriege geführt, es kam aber nicht zu den damit verbundenen verheerenden Folgen für die Bevölkerung. Das 14. Jahrhundert dagegen muss für Europa in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht eindeutig als ein Jahrhundert von Elend und Unglück beschrieben werden. Ein großer Krieg zwischen England und Frankreich, interne Kriege im Deutschen Reich und in Italien, eine beträchtliche Verschlechterung des Ansehens von Papst und Kirche, wirtschaftliche Rezession, Aufstände der unteren Klassen in den Städten und der Bauern auf dem Land, Missernten, Hungersnot und zu alledem noch die ab 1348 herrschende Pest: der schwarze Tod, dem ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel. All dies machte das 14. Jahrhundert zu einer düsteren Zeit.
In der ersten Hälfte des Jahrhunderts dominierten in China weiterhin die Mongolen. Schließlich gelang es Zhu Yuanzhang, den Widerstand gegen sie zu koordinieren und die Mongolen allmählich aus den verschiedenen Landesteilen zu vertreiben. 1368 eroberte er Peking und machte sich zum ersten Kaiser der Ming-Dynastie. Verschiedene alte chinesische Traditionen wurden nun wieder eingeführt. Ein weiteres Mal versuchte ein mongolischer Eroberer, ganz Asien an sich zu reißen: Timur-i Läng, der ab 1360 von Samarkand aus gewaltige Feldzüge unternahm, die ihn bis nach Moskau (1395) und Vorderindien führten. Er starb jedoch, bevor er seine grausam blutige Karriere mit der von ihm geplanten Wiedereroberung Chinas krönen konnte.
In Japan herrschte das Chaos. Verschiedene Adelsgeschlechter und Zweige des Kaiserhauses kämpften in offenen Kriegen um Macht und Besitz, wechselten häufig die Seiten, so dass mitunter von wahrer Anarchie gesprochen werden konnte. Zwar herrschte von 1336 an eine neue Schogun-Dynastie, das Ashikaga-Geschlecht, häufig gelang den Schogunen jedoch nicht mehr, als die äußeren Formen ihrer Funktion als militärische Oberbefehlshaber zu wahren.
In Indien erreichte etwa Mitte des Jahrhunderts das aggressive muslimische Sultanat von Delhi seine größte Ausdehnung. Nun gehörten auch relativ unabhängige, aber tributpflichtige Hindu-Fürstentümer dazu. Die Tyrannei der Sultane führte jedoch überall zu Abtrünnigkeit und Aufständen, so dass das Reich rasch an Macht verlor. 1398 verkleinerte Timur-i Läng schließlich das Sultanat auf ein kleines Gebiet rund um Delhi. Daneben entstanden im Lauf des Jahrhunderts in Nord- und Mittelindien (Dekkan) weitere Muslim-Sultanate und Konföderationen. In Nordwestindien nahm die Macht des alten Hindu-Bundes der Raipur-Fürsten wieder zu. In Südindien wurde etwa 1340 das mächtige Hindu-Reich Vijayanagar gegründet, das sowohl in militärischer als auch in kultureller Hinsicht ein Bollwerk gegen die verabscheuten Muslime im Norden bildete. Hier konnten sich die alte hindu-brahmanische Kunst und Literatur wieder entfalten.
Ebenfalls etwa in der Mitte dieses Jahrhunderts wurde in Südostasien der Malaiische Archipel nahezu vollständig – direkt oder indirekt – von den Fürsten des mächtigen ostjavanischen Hindu-Reichs Majapahit beherrscht. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts, als Majapahit durch Bürgerkriege geschwächt wurde und die eigentliche Macht wieder überall von den Fürsten vor Ort ausgeübt wurde, hatten islamische Prediger von Malakka und Sumatra aus immer größeren Erfolg. Ein Bollwerk gegen den Islam blieb jedoch das westjavanische Hindu-Reich Pajajaran, das sich immer gegenüber Majapahit seine Unabhängigkeit bewahrt und sich zu einem gut organisierten und dank des Pfefferhandels blühenden Staat entwickelt hatte. Die jahrhundertealte Großmacht der Khmer ging zu Ende. Weite Gebiete wurden von anderen geschluckt, im Westen von Siam, im Osten von Laos. Die Khmer sahen ihr Kambodscha zu einem Pufferstaat reduziert.
Annam (Vietnam) bot ein Bild endlosen Streits zwischen dem Norden (Tonkin) und dem Süden. Der Süden war stark von der indischen Kultur beeinflusst, während der Norden von einer mehr als tausendjährigen chinesisch orientierten Kultur geprägt war.
Unter den islamischen Fürsten aus den Mamelucken-Dynastien und ihren Beamten erfuhr Ägypten eine mächtige Führung. Am Ende des vorigen Jahrhunderts hatten die Mamelucken die westlichen Kreuzfahrer aus Akko, ihrem letzten Stützpunkt, vertrieben und konnten das ganze Jahrhundert hindurch ihre Macht im Mittleren Osten behaupten. So gehörte Syrien in dieser Zeit wieder zu Ägypten. Baukunst und Literatur blühten. Neben Ägypten nahm Marokko, unter der Berber-Dynastie der Mariniden, eine bedeutende Stellung ein. Südlich der Sahara, im Westen Afrikas, erreichte das islamisierte Reich von Mali den Höhepunkt seiner Macht. Ihre Eroberungen, insbesondere Gold-, Kupfer- und Salzminen, ließen die Städte hier zu lebhaften Handelszentren anwachsen. Die Hauptstadt Timbuktu gewann als Zentrum islamischer Kultur immer mehr an Bedeutung.
In Amerika setzten sich die dort bestehenden Indianerkulturen fort. Politisch gesehen, herrschte in der mexikanischen Hochebene bereits ab etwa 1100 nach dem Zusammenbruch des Reichs der Tolteken große Verwirrung durch Invasionen von Fremden aus dem Norden. Die verschiedenen Stämme, die unabhängige Siedlungen bewohnten, strebten alle danach, die alte Machtposition des toltekischen Reichs zu übernehmen. Die letzte Gruppe, die in die Hochebene eingefallen war, waren die Tenochas bzw. Azteken, die dort 1325 ihre Stadt Tenochtitlán auf einer Insel in einem der vielen Seen errichteten. Die relativ friedfertige Maya-Kultur in Mittelamerika veränderte sich allmählich und wies mehr Ähnlichkeit mit der Mexikos auf, da die Mayastädte in Yucatán in früheren Jahrhunderten nacheinander von emigrierenden Tolteken von Mexiko aus erobert worden waren. Sie bildeten nun eine Art Städtebund (u. a. Chichén Itzá, Mayapán, Uxmal) und eine gefürchtete Militärmacht. In Südamerika, wo im 12. und 13. Jahrhundert unter den alten Völkern im Küstengebiet von Peru ein neues Zeitalter kultureller und politischer Aktivität angebrochen war, setzte nun auch im Hochland die Bildung größerer politischer Einheiten ein. Gegen Ende dieses Jahrhunderts waren die als Götter verehrten Inkafürsten in diesem Gebiet bedeutende Machthaber.