Millennium: 15. Jahrhundert
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Millennium: 15. Jahrhundert
1. Einleitung

Zum Thema Millennium sind die folgenden weiteren Texte verfügbar: Millennium: 11. Jahrhundert; Millennium: 12. Jahrhundert; Millennium: 13. Jahrhundert; Millennium: 14. Jahrhundert; Millennium: 16. Jahrhundert; Millennium: 17. Jahrhundert; Millennium: 18. Jahrhundert; Millennium: 19. Jahrhundert; Millennium: 20. Jahrhundert; Millennium: Weltgeschichte im Überblick; Millennium: Geographie; Millennium: Kunst; Millennium: Literatur; Millennium: Technik und Mobilität.

Es war in diesem Jahrhundert nicht anders als im vorhergehenden: Reiche, von denen man dachte, dass sie die Zeiten überdauern würden, erlagen äußeren Feinden oder verloren durch ihre innere Zerrissenheit an Bedeutung, während in Gebieten, in denen man es nicht erwartet hatte, mächtige Staaten entstanden.

So ging im Nordwesten Afrikas das einst so mächtige Mariniden-Reich an einem inneren Machtkampf zugrunde. Dabei waren die Ermordung und Absetzung herrschender Sultane keine Seltenheit. Das östlich dieses Gebiets gelegene Hafsiden-Reich erwies sich als deutlich stabiler, aber da dieser Staat lange Zeit muslimischen Seeräubern als Unterschlupf und Operationsbasis diente, genoss er vor allem aus christlicher Sicht kein gutes Ansehen. Der politische Schwerpunkt Afrikas schien sich zur Mitte des Kontinents hin zu verschieben, denn im Lauf des 15. Jahrhunderts zeichneten sich immer deutlicher zwei neue Machtblöcke ab. Am Oberlauf des Niger gelang es Sonni Ali dem Großen, einen stabilen Staat zu gründen, während etwa zur gleichen Zeit das weiter östlich gelegene Kano als ein nicht zu vernachlässigendes Haussa-Reich in Erscheinung trat.

In Mexiko durchbrachen die Azteken das Gleichgewicht zwischen den dort lebenden Völkern. Die Notwendigkeit, den Göttern immer mehr Menschenopfer darbringen zu müssen, veranlassten Montezuma I. und seine Nachfolger dazu, die Völker, mit denen sie erst ein Bündnis geschlossen hatten, mit brutaler Gewalt ihrer Herrschaft zu unterwerfen. Selbst den äußerst kriegerischen und in dieser Region so gefürchteten Huaxteken gelang es nicht, ihre Selbständigkeit gegenüber den Azteken zu wahren. In den Anden zeigte das Reich der Inka dagegen ein stabiles Bild, aber die Ruhe war mit Sicherheit nicht als ein Ausdruck von Gemächlichkeit zu verstehen. Dazu waren die Fürsten viel zu sehr mit Reformen beschäftigt, die allesamt zum Ziel hatten, die Organisation des gesellschaftlichen Lebens auf einen höheren Grad der Vollkommenheit anzuheben.

Am Anfang des 15. Jahrhunderts standen die Mongolen, das Steppenvolk aus Asien, unter der Herrschaft des rastlosen Timur. Nach seinem Tod drohten die Mongolen in kleinere Stämme zu zerfallen. Diese Gefahr wurde erst durch den westmongolischen Großkhan Esen abgewendet, der die Stämme in einem Stammesbund vereinigte. Nach dessen Tod sorgte einer der ostmongolischen Führer, Dayan Chan, für die Einheit. Es gelang ihm, einen mongolischen Einheitsstaat zu gründen. Eines der Reiche, für die die Mongolen beinahe während des gesamten Jahrhunderts eine Bedrohung darstellten, war China, wo die Kaiser der Ming-Dynastie die Regierungsgewalt formell ausübten. Wirkliche Macht hatten aber nur wenige, weil sie machtbesessenen Eunuchen zu viel Einfluss ließen. Eine Ausnahme hiervon bildete Jung-lo, der 1402 selbst durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war. Unter seiner Herrschaft wurden die Mongolen auch außerhalb der Grenzen Chinas angegriffen, und chinesische Schiffe nahmen Kurs auf ferne Länder (u. a. Indien).

Auf dem indischen Subkontinent war von dem einst so mächtigen Sultanat Delhi zu dieser Zeit nicht viel mehr als nur der Name übrig. Nach den verheerenden Angriffen von Timur-i Läng gegen Ende des 14. Jahrhunderts fehlte dem Fürstentum nun die Kraft, einheimische und fremde islamische Dynastien davon abzuhalten, in den ehemaligen Provinzen des Sultanats eine unabhängige Regierungsgewalt aufzubauen. So entstanden Fürstentümer, die nicht nur Delhi, sondern auch Vijayanagar gegenüber eine aggressive Haltung einnahmen. Dieses Reich, das sich außerdem als letztes Bollwerk des Hinduismus in dieser Region betrachtete, fühlte sich dann auch genötigt, eine große Armee zu unterhalten, die überwiegend aus Geldern finanziert wurde, die von arabischen und ägyptischen Handelshäusern als Gegenleistung für das Monopol im Gewürzhandel zur Verfügung gestellt wurden.

Auch die muslimischen Staaten des Mittelmeerraumes hatten unter Timur-i Läng zu leiden. 1401 wurden die Armeen des Mamelucken-Reichs (Mittelpunkt: Ägypten) in Syrien vernichtend geschlagen. Dadurch, dass sich die Mongolen dann gegen den osmanischen Staat wandten, blieben den Mamelucken weitere Katastrophen erspart. Doch sollte ihr Reich in diesem Jahrhundert an Kraft einbüßen, was teilweise auch auf seine schwache innere Struktur zurückzuführen war.

In einem Bericht für den französischen und englischen König schrieb Guillebert von Lannoy hierzu im Jahr 1421: „Man muss wissen, dass es in dem ganzen Land von Ägypten, Syrien und Sayette nur einen gemeinsamen Herrscher gibt, den Sultan von Babylon, der über alles herrscht. Dieser Sultan gehört seiner Abstammung nach niemals zu einem der Völker aus diesen Gebieten, weil diese Menschen, wie es heißt, über zu wenig Fähigkeiten verfügen und eine zu schwache körperliche Verfassung besitzen, um ihre Gebiete gut zu regieren … Trotzdem lebt er immer in Angst und läuft immer Gefahr, von einem anderen Emir, der mächtiger ist als er, abgesetzt zu werden, sei es durch Verrat oder durch Verschwörungen … Selbst wenn der Sultan Kinder hat und im Einvernehmen mit den Emiren bestimmt hat, dass eines dieser Kinder sein Nachfolger werden soll, geschieht es nicht oft, dass nach der langen Regierungszeit des Sultans tatsächlich einer seiner Söhne an die Macht kommt. Denn meistens wird dieser Sohn dann von einem der Emire gefangen genommen oder gar erdrosselt oder vergiftet.” (Guillebert de Lannoy: Voyages et ambassades)

Ein anderer Staat, der von Angriffen der Mongolen heimgesucht wurde, war das Osmanische Reich, das sich über weite Gebiete Kleinasiens und des Balkans erstreckte. Es wurde von Timur-i Läng im Jahr 1402 vernichtend geschlagen, aber, anders als das Mamelucken-Reich, erholte es sich im Lauf der Zeit und konnte seinerseits den Angriff auf Europa wieder aufnehmen. In der Mitte des Jahrhunderts fiel Konstantinopel in die Hände der Osmanen. Dies bedeutete das Ende des Byzantinischen Reichs. Der Kaisertitel wurde von den Großfürsten von Mos übernommen, denen es im Lauf des Jahrhunderts gelungen war, sich der mongolischen Oberhoheit zu entziehen und die auseinanderstrebenden Fürstentümer ihrer Autorität zu unterwerfen.

Der Bildung einer Großmacht in Osteuropa stand die Aufsplitterung Westeuropas in verschiedene Nationalstaaten gegenüber. Zwar wurde auf dem Konstanzer Konzil die Einheit der Kirche wiederhergestellt, aber das Entscheidungsrecht in weltlichen Angelegenheiten mussten die Päpste in zunehmendem Maß den aufkommenden Staaten überlassen. Von Einigkeit unter diesen neuen Reichen konnte keine Rede sein. Bedingt durch die vielen Streitigkeiten untereinander, die oft mit Waffengewalt ausgetragen wurden, waren die Völker Westeuropas nicht imstande, sich dem Vorrücken der islamischen Kräfte in Südosteuropa entgegenzustellen. In gewisser Weise bilden die Königreiche auf der Iberischen Halbinsel diesbezüglich eine Ausnahme. Denn es gelang ihnen nicht nur, den Islam aus ihren Territorien zu vertreiben, sondern sie waren auch bereit, Reisen in bis dahin noch unbekannte Gegenden der Welt zu finanzieren.