Millennium: 16. Jahrhundert
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Millennium: 16. Jahrhundert
2. Die Welt im Überblick

Im 16. Jahrhundert wurden die europäischen Entdeckungsreisen intensiv fortgesetzt. Wenn auch große Teile Afrikas, Amerikas (und vor allem Australiens und Ozeaniens) weiterhin unerforschte Gebiete blieben, so gewann man doch ein neues und immer genaueres Bild der Welt. In Europa lebten etwa 100 Millionen Menschen, in Asien 300 Millionen, ein Drittel davon in China, in Afrika 100 Millionen, in Amerika etwa zehn Millionen und in Australien zwei Millionen. Über Jahrhunderte hinweg war die Weltbevölkerung konstant geblieben, aber in dieser Zeit begann ein stetiges Bevölkerungswachstum. Die Ursache hierfür lag vor allem in den wirtschaftlichen Entwicklungsprozessen. Mit den Entdeckern kamen auch die technischen Errungenschaften der Europäer in die neu entdeckten Welten. Sie zerstörten dort viele einheimische Werte und Kulturen.

In Europa war zu Anfang des Jahrhunderts das Reich Karls V. der stärkste Machtfaktor, später waren dies Spanien und Frankreich, während Italien als Schlachtfeld Europas galt. Im Lauf des Jahrhunderts entwickelte sich England zur stärksten Seemacht der Welt.

Iwan III. vereinigte die russischen Teilstaaten zu einem Reich und nannte sich Zar aller Russen. Während im Lauf des Jahrhunderts die Macht des Russischen Reiches im Westen zu bröckeln begann, wurde dies durch einen verstärkten Drang nach Osten ausgeglichen.

Auch begriff man in Westeuropa, dass es in anderen Erdteilen entwickelte Staaten und kulturelle Errungenschaften gab. Allerdings war die Überlegenheit der Europäer so groß, dass sie auf allen Kontinenten mit der Gründung von Kolonien begannen. Mittelamerika erlebte den Untergang des Aztekenreiches, nachdem es unter König Moctezuma II. eine letzte Blüteperiode erlebt hatte. Auch das Reich der Maya, die Kultur der Muisca und andere kleinere Kulturen wurden von höchstens 100 000 Spaniern und anderen europäischen Abenteurern zerstört.

Franzosen und Engländer erforschten unterdessen Nordamerika; Erstere erschlossen vor allem das Land entlang des Mississippi, während die Engländer auf der Suche nach einer Nordpassage nach Asien Labrador entdeckten und sich in North Carolina und Virginia niederließen. John Cabot, Sir Walter Raleigh und später Henry Hudson waren die bekanntesten englischen Entdecker. Die Kolonien wurden durch neu errichtete Kompanien gegründet, die mit der Zustimmung des Staates auf privatrechtlicher Basis operierten.

Die Nordküste Afrikas wurde von muslimischen Staaten beherrscht; südlich davon umsegelten Portugiesen und Spanier ganz Afrika und errichteten Handelsposten und Stützpunkte an der Küste. Das Leben im Inneren Afrikas blieb davon weitgehend unberührt. Von den Staaten Schwarzafrikas stand nur Äthiopien auf einer nennenswerten ökonomischen und organisatorischen Höhe. Dieses Reich wurde in der ersten Hälfte des Jahrhunderts von islamischen Einfällen bedroht, aber zur Mitte des Jahrhunderts sicherte der starke und weltoffene Negus Claudius dessen Fortbestand.

In Vorderasien übte das Osmanische Reich die Vorherrschaft aus, dessen Sultane zu Anfang des Jahrhunderts große Gebietsgewinne in Europa errangen – unter Süleiman II. erlebte das Reich den Höhepunkt seiner Macht. Östlich davon legten die Safawiden-Sultane, Schah Ismail und Abbas I., den Grundstein eines persischen Staates. In Tibet ernannte der mongolische Fürst Altan Khan den ersten Dalai-Lama. Während die Küste Indiens durch die Portugiesen unter ihrem ersten Vizekönig, Francisco de Almeida, kolonisiert wurde, gründete Babur, ein Nachkomme Timur-i Längs und Dschingis Khans, 1525 das Reich der Großmoguln mit der Hauptstadt Delhi. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts galt sein Sohn, der Großmogul Akbar, als herausragender und hochgebildeter Herrscher.

Birma erlangte unter den letzten Herrschern der Toungoo-Dynastie den Höhepunkt seiner Macht. Auch in China errichteten die Portugiesen ihre Stützpunkte. Mit der Hafenstadt Macao gründeten sie die erste europäische Kolonie in China. 1581 errichteten dort die Jesuiten eine erste Missionsstation. Gleichzeitig drangen das Christentum und westliche Einflüsse auch in Japan ein. Hierbei taten sich anfangs vor allem die Portugiesen hervor (der bekannte spanische Missionar Franz Xaver trat im Namen des portugiesischen Königs auf). An Australien allerdings fuhren die portugiesischen, spanischen und niederländischen Seeleute vorbei, ohne zu ahnen, dass sie sich in der Nähe dieses, aus Büchern bereits bekannten, südlichen Erdteils befanden.