Millennium: 17. Jahrhundert
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Millennium: 17. Jahrhundert
2. Die Welt im Überblick

In Europa lebten Mitte des 17. Jahrhunderts etwa 100 Millionen Einwohner. Während einige europäische Länder eine bisher unbekannte wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit erreichten, waren andere vom Niedergang gezeichnet oder vollkommen zerrüttet. Dies traf auch auf die meisten der deutschen Länder zu, die die Folgen des Dreißigjährigen Krieges noch lange nicht überwunden hatten. Von den ehemals 20 Millionen Einwohnern erlebten nur 14 Millionen den Abschluss des Westfälischen Friedens. Von der zu Beginn des Krieges bedeutenden Militärmacht Spaniens waren nur noch Reste übrig. Die Osmanen, die kurz zuvor ganz Südosteuropa beherrscht hatten, wurden immer weiter zurückgedrängt (siehe Türkenkriege).

Aber diese Bilder waren nicht für das gesamte Europa charakteristisch. In Westeuropa gaben zu dieser Zeit vor allem Frankreich, die Niederländische Republik und England den Ton an. Frankreich erlebte unter Ludwig XIV., der 1643 König wurde, einen Aufschwung, den man im vorigen Jahrhundert nicht für möglich gehalten hätte. Minister Colbert, ein Vertreter des Merkantilismus, schuf die finanziellen Bedingungen, die das Wachstum des Absolutismus in diesem Staat förderten. England und die Niederländische Republik, seit 1689 durch Wilhelm III. in einer Personalunion miteinander verbunden, erwarben die Vormachtstellung unter den Handelsnationen, wobei England hier in den letzten Jahrzehnten weiter in den Vordergrund trat. In Mitteleuropa entwickelte sich Brandenburg-Preußen dank seines ständigen Wechsels zwischen den Großmächten zu einem neuen Machtfaktor (siehe Friedrich Wilhelm von Brandenburg). Wie in Frankreich brachte auch hier der Merkantilismus mehr Wohlstand und höhere Steuereinnahmen. Österreich – ebenfalls ein Land, das wie Brandenburg-Preußen weniger unter der deutschen Depression zu leiden hatte – ging nach 1683, als ganz Europa während der Belagerung Wiens durch die Türken die Vernichtung der Habsburger befürchtete, in die Offensive und gab damit auch den inneren Staatsangelegenheiten eine positive Wendung. Schweden, das bis 1660 kontinuierlich expandierte, verlor nach und nach Gebiete an Russland, das gerade im Begriff war, sich zu einem riesigen Reich zu entwickeln. Gegen Ende dieses Jahrhunderts erstreckte sich das Zarenreich von Ostsibirien bis an die Mongolei im Süden und fast bis an die Ostsee im Westen. Trotz heftigen Widerstands schuf der neue Zar, Peter der Große, die Basis für eine zunehmende Verwestlichung des Landes.

Die Europäer schienen allmählich mehr Vertrauen in den Staat als institutionelle Steuerkraft der Wirtschaft zu setzen. Die Ansprüche auf wissenschaftlichem Gebiet förderten zusätzlich den Glauben an den Fortschritt, wenn auch noch nicht in der breiten Masse der Bevölkerung. Gestärkt durch das Vertrauen in die menschliche Vernunft, zeigte sich dieser Fortschritt vor allem in den naturwissenschaftlichen Leistungen Galileo Galileis und Isaac Newtons sowie in dem befreienden Denken von Francis Bacon, René Descartes, Thomas Hobbes und John Locke. Viele Theoretiker dieser Zeit, darunter auch Baruch Spinoza, predigten das friedliche Zusammenleben, was sie nicht nur als ratsam, sondern als gerecht empfanden. Allerdings fanden diese Denkmodelle in der Praxis kaum ein Echo.

Englische und französische Kolonialisten eigneten sich in Nordamerika immer mehr Gebiete an. Auch auf den Westindischen Inseln lag die Macht in den Händen europäischer Nationen. Mittel- und Südamerika waren zum überwiegenden Teil in zwei spanische Vizekönigreiche aufgeteilt. Brasilien war eine portugiesische Kolonie.

In Afrika verlor das Handelsimperium der Portugiesen an Bedeutung. Die Beziehungen zu den Staaten auf diesem Kontinent verschlechterten sich oder wurden ganz abgebrochen. Vor allem die Konkurrenz der Niederländer, die mit der Kapkolonie (siehe Kapprovinz) über ein starkes Bollwerk verfügten, nahm zu. Siehe auch Kolonialismus

Auch in Asien waren seit dem vorigen Jahrhundert vielfältige Veränderungen zu beobachten. Das Mongolenreich beherrschte in Indien mittlerweile fast den gesamten Subkontinent. In China endete 1644 die Periode der Ming-Dynastie. Die Macht übernahm die von den Mandschu gegründete Qing-Dynastie, die bei den Chinesen allerdings auf heftigen Widerstand stieß. Nach dem großen Krieg (1620-1674) zwischen den Trinh (Tonking) und den Nguyen (Annam) in Südostasien, aus dem die Nguyen mit portugiesischer Hilfe als Sieger hervorgingen, herrschte in diesem Gebiet nun Frieden. Im ostindischen Archipel gelang es den Niederländern, mit der Vereinigten Ostindischen Kompanie Fuß zu fassen. In Japan errichtete das Tokugawa-Schogunat ein solides Steuersystem und riegelte den Staat nach außen hin nahezu vollkommen ab.