| Millennium: 19. Jahrhundert | Artikelansicht | ||||
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| 2. | Die Welt im Überblick |
In Europa wuchs die Bevölkerung von 188 Millionen im Jahr 1800 auf 401 Millionen gegen Ende des 19. Jahrhunderts an. Die Expansion des napoleonischen Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte erhebliche Auswirkungen auf weite Teile Europas. Nach 1815, nach dem Sturz Napoleons, entstanden in Europa allmählich die Nationalstaaten in ihren heutigen Formen. Zwischen 1815 und 1848 fanden in den meisten Staaten Europas Auseinandersetzungen statt zwischen den konservativen bis reaktionären Machthabern und den zumeist vom Bürgertum getragenen liberalen, republikanischen, demokratischen Ideen, die ihren Ursprung in der Französischen Revolution hatten. Es entstanden zahlreiche politische Richtungen und Lehren, wie etwa Radikalismus, Sozialismus, Konservativismus, Nationalismus und Kommunismus. Der Strom neuer Ideen bahnte sich im Revolutionsjahr 1848 seinen Weg. Die meisten der revolutionären Ziele wurden nicht verwirklicht, aber es wurde deutlich, dass Nationalismus und soziale Auseinandersetzungen die folgenden Jahrzehnte beherrschen würden.
In der ersten Jahrhunderthälfte fanden wichtige nationale Einigungsprozesse statt. Die Demokratie gewann an Boden, und in den meisten Ländern organisierten sich die Arbeiter in Gewerkschaften, die immer mehr an Einfluss gewannen. In den Industrieländern wurde das Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeiterschaft zunehmend gespannt, was nicht selten zur Zerrüttung des wirtschaftlichen Lebens und zur gewaltsamen Unterdrückung von Arbeiterunruhen, Streiks etc. durch den Staat führte. Der liberale Staat sah es zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht als seine Aufgabe an, in das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit einzugreifen, wurde nun aber u. a. durch die ersten Sozialgesetze dazu verpflichtet.
Vor allem nach 1870 expandierten europäische Mächte wieder verstärkt in außereuropäische Gebiete, und Hand in Hand mit diesem Imperialismus wurden auch westliches Wissen, Kapital und industrielle Technik exportiert. Die Beziehungen zwischen den europäischen Mächten gestalteten sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zunehmend kompliziert. Es entstand ein System von Bündnissen, das sich häufig änderte, und gegen eine mögliche internationale Auseinandersetzung wappneten sich die europäischen Staaten mit dem Aufbau großer, stehender Heere. Großbritannien entwickelte sich im Lauf des 19. Jahrhunderts zum mächtigsten Staat der Welt. Die Industrielle Revolution nahm hier ihren Anfang. Das Britische Empire ist in der Geschichte ohnegleichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war noch Frankreich die wichtigste Macht in Europa. Nach dem Sturz Napoleons war Frankreich innenpolitisch von Unruhen und Konflikten geprägt; außenpolitisch verfolgte es einen deutlich imperialistischen Kurs. Die deutschen Staaten wurden 1871 zum Deutschen Kaiserreich vereinigt, das sich sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht zu einer der bedeutendsten Mächte entwickelte. Russland war noch immer ein autokratisch beherrschtes Zarenreich, das aber durch die großen sozialen Spannungen, die dort herrschten, von innen heraus zunehmend ausgehöhlt wurde. Die Expansion Russlands nach Osten setzte sich im 19. Jahrhundert fort. Im Westen dagegen war der russische Imperialismus nicht so erfolgreich. Polen blieb weiterhin geteilt: in Russisch-Polen (Kongresspolen), Deutsch-Polen und Österreichisch-Polen (Galizien). Österreich-Ungarn, seit 1867 eine Doppelmonarchie, war ein instabiles Staatsgebilde mit ungelösten Nationalitätenproblemen. Der Balkan mit seinen ebenfalls virulenten Nationalitätenproblemen war ein politisches Pulverfass. Die Verwicklung der europäischen Großmächte in die Balkanprobleme stellte eine Bedrohung für den europäischen Frieden dar. Die Geschichte Italiens war im 19. Jahrhundert vom Streben nach nationaler Einigung geprägt. 1861 wurde das unabhängige Königreich Italien ausgerufen und 1870 mit der Annexion des Kirchenstaates die nationale Einigung vollendet. Spanien und Portugal waren wirtschaftlich hinter den meisten europäischen Ländern zurückgeblieben. Der Kolonialbesitz beider Staaten war nur noch ein Schatten früherer Größe. In Skandinavien war Norwegen seit 1814 in Personalunion mit Schweden verbunden. 1830 löste sich Belgien vom Königreich der Niederlande los, dem es seit 1815 angehört hatte.
In Nordamerika waren die Vereinigten Staaten eine Großmacht geworden, und was Industrie und Landwirtschaft anbelangte, gehörten sie zu den führenden Ländern in der Welt. Kanada wurde Dominion, ein selbständiger Staat innerhalb des Britischen Empire. Die Länder Mittel- und Südamerikas waren fast alle unabhängig geworden. Afrika war mehr oder weniger zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt. In Asien war inzwischen ganz Indien unter britischer Herrschaft, allerdings nahm die antibritische Stimmung in der indischen Bevölkerung zu. Japan trat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus seiner Isolation heraus und entwickelte sich zu einer wichtigen Macht. In Südostasien schließlich rief Frankreich eine „Union von Indochina” ins Leben.