Millennium: Geographie
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Millennium: Geographie
1. Einleitung

In einem weit gefassten Verständnis von Geographie lassen sich die ersten Ansätze geographischen Denkens und Arbeitens bis in die frühesten Hochkulturen zurückverfolgen. In diesem Sinne ist die Geographie so alt wie die Menschheit.

Der hier vorliegende Beitrag will in einem kursorischen Abriss den Bogen geographischer Leistungen von diesen Anfängen bis in die Gegenwart spannen. Um keinerlei Vorwissen voraussetzen zu müssen, ist die Darstellung chronologisch aufgebaut.

Geographie heißt in wörtlicher Übersetzung „Erdbeschreibung” und „Zeichnung der Erde”. Wer diesen Begriff geschaffen hat, ist nicht bekannt. Er findet sich erstmals in einer pseudo-aristotelischen Schrift.

Die lange geographische Entwicklungsgeschichte zerfällt in zwei sehr ungleiche Teile:

Zunächst bestand die Hauptaufgabe der Geographie darin, die Welt zu erkunden, sie aufzunehmen und die gesammelten Informationen für andere „sichtbar”, verständlich und nutzbar zu machen. Diese sehr praktisch ausgerichtete Erdbeschreibung und -darstellung wurde bis in das 19. Jahrhundert betrieben.

Mit dem Übergang von der so genannten deskriptiven Erdkunde zur Geographie als anerkannte wissenschaftliche Disziplin begann eine starke Spezialisierung in sehr unterschiedliche Forschungsrichtungen. Dies führte dazu, dass es heute kaum noch ein einheitliches Verständnis von dem gibt, was Geographinnen und Geographen leisten.

Nahezu alle Forschungsarbeiten aus dem Altertum sind von einzelnen herausragenden Persönlichkeiten geleistet worden, die sich ihrerseits selten in eine Disziplin einreihen lassen, wie wir sie heute aus unseren universitären Strukturen heraus ableiten. Es waren stets „Universalforscher”, wodurch sich automatisch umfangreiche Überschneidungen mit den Anfängen anderer wissenschaftlicher Disziplinen ergeben. Aus geographischer Sicht bestehen diese Querverbindungen insbesondere zur Geschichte. Die Geographie befasste sich allerdings – bis fast in die heutige Zeit – vorwiegend mit Problemen der jeweiligen Gegenwart; historische Einblendungen zur Vertiefung bildeten die Ausnahme.

Die Erweiterung des geographischen Weltbildes setzt Reisen voraus. Diese aber haben stets einen Ausgangspunkt: den eigenen Ort, die bekannte Umgebung, die eigene Kultur. Auf diese Weise schafft sich jeder Kulturkreis sein eigenes Weltbild. Damit aber fließt in jede Darstellung der Geschichte des Reisens und somit auch in die Entwicklungsgeschichte der Geographie unausweichlich der Aspekt der Kulturkreise mit ein.

Dem vorliegenden Beitrag liegt ein eurozentrisches Denken zugrunde. Die Entwicklungen in anderen Hochkulturen bleiben hier unberücksichtigt.