| Suchansicht | Protestant Episcopal Church | Artikelansicht |
| 1. | Einleitung |
Protestant Episcopal Church, seit 1967 Episcopal Church (Episkopalkirche), christliche Glaubensgemeinschaft, die 1789 in Philadelphia (USA) gegründet wurde und der anglikanischen Kirche angehört. Die Denomination hat etwa zwei Millionen Mitglieder und ist in mehr als 7 000 Pfarreien in den Vereinigten Staaten organisiert. Darüber hinaus gibt es auch Gemeinden in anderen Ländern.
| 2. | Lehre und Gottesdienst |
Die Episcopal Church vereint sowohl katholische als auch evangelische Traditionen. Bezüglich der Lehre vertritt sie, mit einigen Abänderungen, denselben Standpunkt wie die anglikanische Kirche, wobei die auf moderne biblische Erkenntnisse gestützten Bibelinterpretationen die einzige dogmatische Autorität darstellen. Die Episcopal Church erkennt sowohl das Apostolische als auch das Nizänische Glaubensbekenntnis an. In ähnlicher Weise wird auch den anglikanischen Neununddreißig Artikeln Bedeutung beigemessen, sie besitzen jedoch nicht den gleichen autoritativen Charakter wie die Glaubensbekenntnisse. Im Gegensatz zur Kirche von England wurde das Athanasianische Glaubensbekenntnis von der Episcopal Church nicht in die Lehre aufgenommen. Allerdings vertreten beide Kirchen den Glauben, dass bloß zwei Sakramente, die Taufe und die Eucharistie, von Christus eingesetzt wurden, wobei die anderen fünf Sakramente als göttliche, heilsnotwendige Gnadenmittel des Neuen Testaments zwar respektiert, jedoch nicht allgemein anerkannt werden. Die Kirche als Ganzes erkennt die Normen des Gottesdienstes, wie sie in der zweiten Ausgabe des amtlichen liturgischen Buches, des Common Prayer Book, zusammengefasst sind, zwar an, den einzelnen Kirchengemeinden werden jedoch in der Befolgung der Liturgie weitgehende Freiheiten eingeräumt. Auch unterstützt die Kirche viele religiöse Orden.
| 3. | Organisation und Tätigkeitsbereiche |
Die Protestant Episcopal Church ist demokratisch aufgebaut. Gruppen von Pfarrbezirken bilden Diözesen, die entweder Stadt-, Landes- oder auch Bezirksnamen tragen. Das höchste leitende Organ ist eine für drei Jahre gewählte allgemeine Versammlung, die sich aus einer Bischofs- und einer Abgeordnetenkammer zusammensetzt. Die Bischöfe und die Abgeordneten, wobei letztere sowohl Laien wie auch Geistliche umfassen, werden von Laienvertretern und Repräsentanten der Geistlichkeit aus den entsprechenden Pfarrbezirken in den Diözeseversammlungen gewählt.
Die Weihestufen der Geistlichkeit der Protestant Episcopal Church umfassen Diakone, Priester und Bischöfe. Der apostolische Ursprung des Episkopats wird zwar von allen Mitgliedern der Kirche anerkannt, jedoch nicht notwendigerweise auch der Anspruch, dass das Episkopat in seiner heutigen Form die gleiche Funktion innehat wie jenes des Neuen Testaments.
Als Mitglied der anglikanischen Kirchengemeinschaft ist die Protestant Episcopal Church über ihre Bischöfe auch auf den alle zehn Jahre in London stattfindenden Lambethkonferenzen vertreten. Ferner ist sie Mitglied des National Council of Churches of Christ in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie des Ökumenischen Rates der Kirchen.
Die Tätigkeiten der Protestant Episcopal Church, die Bildung, Mission und soziale Fürsorge umfassen, werden von einem vorsitzenden Bischof geleitet. Die Ernennung dieses Bischofs erfolgt durch die Bischofskammer und einen Exekutivrat, dessen Mitglieder von der allgemeinen Versammlung und untergeordneten Einheiten des Rates gewählt werden. Der Hauptsitz des vorsitzenden Bischofs und des Exekutivrats befindet sich in New York.
Neben der Förderung der einheimischen Missionstätigkeit unterhält die Kirche Missionen in den Vereinigten Staaten sowie in vielen Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas. Das soziale Engagement der Religionsgemeinschaft umfasst die Betreibung und Unterstützung zahlreicher Waisenhäuser, Heime, Krankenhäuser und anderer Wohlfahrtseinrichtungen, wie auch Hilfeleistungen und Wiedereingliederungsmaßnahmen für Kriegsopfer und Betroffene von Naturkatastrophen. Unter der Schirmherrschaft der Protestant Episcopal Church entstanden auch viele Bildungsanstalten, zu denen auch höhere Schulen gehören.
| 4. | Geschichte |
Die anglikanische Tradition wurde 1607 durch die Siedler von Jamestown (Virginia) in Amerika eingeführt. Während der Kolonialzeit war die Anhängerschaft in der anglikanischen Kirche in Neuengland eher gering, während sie in den Bundesstaaten New York und Pennsylvania schnell zunahm. Im Süden, wo ein großer Teil ihrer Mitglieder der herrschenden Schicht angehörten, war sie zahlenmäßig nur schwach vertreten. Unter den Mitgliedern befanden sich viele, die die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hatten. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg stand die Mehrheit ihrer in New York ansässigen Geistlichkeit auf der Seite Großbritanniens. Männern wie Samuel Provoost, dem Bischof von New York, gelang es jedoch aufgrund ihrer Treue zu den Kolonien, der Kirche den umfassenden, von Queen Anne überlassenen Besitz zu sichern. (Die Reichtümer der Trinity Church in New York City wurden für die Gründung, den Bau bzw. die Stiftung von über 1 500 Einrichtungen verwendet.)
Nach der Erringung der politischen Unabhängigkeit trennten sich die anglikanischen Tochterkirchen von der Kirche von England. Um überleben zu können, benötigte die Kirche jedoch eine nationale Organisationsform sowie ein eigenständiges Episkopat. Diese Ziele ließen sich allerdings nicht so leicht umsetzen, da die auseinandergehenden Meinungen bezüglich der Laienvertretung in der Kirchenregierung zur Uneinigkeit der Kirchengemeinden führten. Ferner verpflichtete das englische Gesetz die von den Prälaten der Kirche von England geweihten Bischöfe, der britischen Krone den Untertaneneid zu leisten. Eine Versammlung von Abgeordneten der unterschiedlichen anglikanischen Gemeinschaften, die zu jenem Zeitpunkt fast alle die Bezeichnung Protestant Episcopal annahmen (in Anlehnung an die aus dem 17. Jahrhundert aus Maryland stammende Bezeichnung Protestant Catholic), ersuchte im September 1785 den Erzbischof von Canterbury um die parlamentarische Genehmigung, amerikanische Bischöfe zu weihen. Die Genehmigung wurde schließlich erteilt, und am 4. Februar 1787 weihten Bischöfe der Kirche von England Provoost und William White zu den ersten episkopalen Bischöfen von New York bzw. von Pennsylvania. 1784 hatte ein bedeutender Geistlicher aus Connecticut, Samuel Seabury, von eidesverweigernden Bischöfen aus Schottland bereits die Weihe empfangen und wurde somit zum ersten Bischof von Connecticut ernannt. Obwohl die Art und Weise seiner Bischofsweihe zunächst den Unmut der Geistlichkeit außerhalb Connecticuts erregte, wurde Seabury schließlich als erster episkopaler Bischof der Vereinigten Staaten anerkannt.
1789 entsandten alle Kirchengemeinden Abgeordnete zu der in Philadelphia stattfindenden ersten allgemeinen Versammlung. Hier wurde die Protestant Episcopal Church formal als unabhängige Religionsgemeinschaft gegründet, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die neue Kirche „in keinem der wesentlichen Punkte bezüglich Lehre und Gottesdienst” von der Kirche von England abweichen werde. Gleichzeitig ratifizierte die Versammlung eine Verfassung und übernahm, mit geringfügigen Abänderungen, das anglikanische Common Prayer Book. 1801 wurde eine den politischen Veränderungen der neuen Nation angepasste Version der Neununddreißig Artikel angenommen.
Während der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die Protestant Episcopal Church stark durch die Oxfordbewegung beeinflusst, die 1833 in Großbritannien entstand. Die Bewegung führte, wie auch innerhalb der Kirche von England, zur Herausbildung einer konservativ-hochkirchlichen Partei, der High Church, die sich für einen verstärkten Rückgriff auf katholische Traditionen und Zeremonien einsetzte und gegen die Low Church gerichtet war, die eher zu evangelischen Traditionen neigte. In der Frage der Sklaverei, dem umstrittensten Thema des Jahrhunderts, nahm die Kirche eine eher neutrale Haltung ein und verhinderte somit eine Kirchenspaltung. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die als Ritualismus bekannte Bewegung, die sich aus der früheren Oxfordbewegung entwickelte, zum Anlass erbitterter Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen episkopalen Gemeinden. Aus dieser Bewegung ging 1873 die unabhängige Gemeinschaft der Reformed Episcopal Church hervor. Eine spätere Bewegung, der so genannte Modernismus, vertrat im Gegensatz zu der wortgetreuen Bibelauslegung der Fundamentalisten eine freiere Bibelinterpretation (siehe Fundamentalismus).
| 5. | Die Kirche und aktuelle Probleme |
Die Protestant Episcopal Church setzt sich für die Ökumene ein und ist bestrebt, durch die Vereinigung mit anderen protestantischen Gemeinschaften zu einer weiteren Vereinheitlichung der christlichen Kirche beizutragen. Sie schlug vor, eine wiedervereinigte Kirche auf folgenden Grundpfeilern aufzubauen: (1) der Heiligen Schrift, (2) dem Apostolischen und dem Nizänischen Glaubensbekenntnis, (3) den Sakramenten der Taufe und der Eucharistie, (4) dem historischen Episkopat. Ihre Forderungen wurden zur Grundlage der Debatten über eine Kirchenvereinigung (siehe Ökumenische Bewegung). In jüngster Zeit ist auch ein verstärktes Interesse an intensiveren Beziehungen zu nicht christlichen Organisationen zu verzeichnen. Zu einer bedeutenden Spaltung innerhalb der Kirche führte die in den siebziger Jahren einsetzende Zulassung von Frauen zu geistigen Ämtern sowie die Annahme einer Neubearbeitung des Common Prayer Book (1979). Die erste Frau, die in der Protestant Episcopal Church in den Bischofsstand erhoben wurde, war die 1989 geweihte Geistliche Barbara C. Harris.