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| 4. | Geschichte |
Die anglikanische Tradition wurde 1607 durch die Siedler von Jamestown (Virginia) in Amerika eingeführt. Während der Kolonialzeit war die Anhängerschaft in der anglikanischen Kirche in Neuengland eher gering, während sie in den Bundesstaaten New York und Pennsylvania schnell zunahm. Im Süden, wo ein großer Teil ihrer Mitglieder der herrschenden Schicht angehörten, war sie zahlenmäßig nur schwach vertreten. Unter den Mitgliedern befanden sich viele, die die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet hatten. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg stand die Mehrheit ihrer in New York ansässigen Geistlichkeit auf der Seite Großbritanniens. Männern wie Samuel Provoost, dem Bischof von New York, gelang es jedoch aufgrund ihrer Treue zu den Kolonien, der Kirche den umfassenden, von Queen Anne überlassenen Besitz zu sichern. (Die Reichtümer der Trinity Church in New York City wurden für die Gründung, den Bau bzw. die Stiftung von über 1 500 Einrichtungen verwendet.)
Nach der Erringung der politischen Unabhängigkeit trennten sich die anglikanischen Tochterkirchen von der Kirche von England. Um überleben zu können, benötigte die Kirche jedoch eine nationale Organisationsform sowie ein eigenständiges Episkopat. Diese Ziele ließen sich allerdings nicht so leicht umsetzen, da die auseinandergehenden Meinungen bezüglich der Laienvertretung in der Kirchenregierung zur Uneinigkeit der Kirchengemeinden führten. Ferner verpflichtete das englische Gesetz die von den Prälaten der Kirche von England geweihten Bischöfe, der britischen Krone den Untertaneneid zu leisten. Eine Versammlung von Abgeordneten der unterschiedlichen anglikanischen Gemeinschaften, die zu jenem Zeitpunkt fast alle die Bezeichnung Protestant Episcopal annahmen (in Anlehnung an die aus dem 17. Jahrhundert aus Maryland stammende Bezeichnung Protestant Catholic), ersuchte im September 1785 den Erzbischof von Canterbury um die parlamentarische Genehmigung, amerikanische Bischöfe zu weihen. Die Genehmigung wurde schließlich erteilt, und am 4. Februar 1787 weihten Bischöfe der Kirche von England Provoost und William White zu den ersten episkopalen Bischöfen von New York bzw. von Pennsylvania. 1784 hatte ein bedeutender Geistlicher aus Connecticut, Samuel Seabury, von eidesverweigernden Bischöfen aus Schottland bereits die Weihe empfangen und wurde somit zum ersten Bischof von Connecticut ernannt. Obwohl die Art und Weise seiner Bischofsweihe zunächst den Unmut der Geistlichkeit außerhalb Connecticuts erregte, wurde Seabury schließlich als erster episkopaler Bischof der Vereinigten Staaten anerkannt.
1789 entsandten alle Kirchengemeinden Abgeordnete zu der in Philadelphia stattfindenden ersten allgemeinen Versammlung. Hier wurde die Protestant Episcopal Church formal als unabhängige Religionsgemeinschaft gegründet, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die neue Kirche „in keinem der wesentlichen Punkte bezüglich Lehre und Gottesdienst” von der Kirche von England abweichen werde. Gleichzeitig ratifizierte die Versammlung eine Verfassung und übernahm, mit geringfügigen Abänderungen, das anglikanische Common Prayer Book. 1801 wurde eine den politischen Veränderungen der neuen Nation angepasste Version der Neununddreißig Artikel angenommen.
Während der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die Protestant Episcopal Church stark durch die Oxfordbewegung beeinflusst, die 1833 in Großbritannien entstand. Die Bewegung führte, wie auch innerhalb der Kirche von England, zur Herausbildung einer konservativ-hochkirchlichen Partei, der High Church, die sich für einen verstärkten Rückgriff auf katholische Traditionen und Zeremonien einsetzte und gegen die Low Church gerichtet war, die eher zu evangelischen Traditionen neigte. In der Frage der Sklaverei, dem umstrittensten Thema des Jahrhunderts, nahm die Kirche eine eher neutrale Haltung ein und verhinderte somit eine Kirchenspaltung. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die als Ritualismus bekannte Bewegung, die sich aus der früheren Oxfordbewegung entwickelte, zum Anlass erbitterter Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen episkopalen Gemeinden. Aus dieser Bewegung ging 1873 die unabhängige Gemeinschaft der Reformed Episcopal Church hervor. Eine spätere Bewegung, der so genannte Modernismus, vertrat im Gegensatz zu der wortgetreuen Bibelauslegung der Fundamentalisten eine freiere Bibelinterpretation (siehe Fundamentalismus).