Pilze
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Pilze
1. Einleitung

Pilze, chlorophyllfreie Organismen mit heterotropher Ernährung, die sich durch Sporen verbreiten und vermehren.

Alle Pilze weisen einen echten Zellkern auf und zählen daher zu den Eukaryonten. Die Ernährung geschieht meist durch Ausscheidung von Enzymen, die organische Substanzen in der Umgebung der Pilzfäden zersetzen, so dass die Nahrung in flüssiger Form durch die dünnen Zellwände aufgenommen werden kann. Innerhalb des Pilzkörpers wird die Nahrung durch einfache Zirkulation oder Zytoplasmabewegung (Bewegung des wasserhaltigen Zellinneren) verteilt, ohne dass eigene Leitungsbahnen wie bei den Pflanzen existieren. Gemeinsam mit Bakterien sind Pilze grundsätzlich für den Zerfall, die Zersetzung und letztlich das Recycling abgestorbener organischer Materie verantwortlich. Ihre Rolle ist aber bedeutender als die der Bakterien, da sie in der Lage sind, den wichtigsten Pflanzenstoff abzubauen, nämlich Lignin, und damit Holz – eine Aufgabe, an der Bakterien scheitern.

Die unverdaulichen Reste dieser Abbauprozesse bilden zusammen mit den anorganischen Substanzen im Boden den wertvollen Humus. Zwar sind Pilze in ihren Stoffwechselaktivitäten langsamer als Bakterien, doch setzen sich beispielsweise die Mikroorganismen im Ackerboden zu 75 Prozent aus Pilzen und nur zu 25 Prozent aus Bakterien zusammen. Da Pilze in der Ernährung auf organische Substanzen angewiesen sind, kommen sie überall dort vor, wo auch andere Lebewesen existieren. Zahlreiche Arten leben in Symbiose mit höheren Pflanzen oder Algen, andere als Parasiten auf Insekten oder anderen Tieren. Verschiedene Pilze sind einerseits gefürchtete Erreger von Krankheiten, den so genannten Mykosen (Pilzinfektionen), bei Menschen, Tieren und Pflanzen; andererseits produzieren Pilze auch Antibiotika, die der Mensch zur Bekämpfung bakterieller Krankheiten nutzt. Die Erforschung der Pilze ist die Aufgabe der Mykologie.

Pilze wurden lange Zeit üblicherweise den Pflanzen zugeordnet, denen sie in vieler Hinsicht ähneln, so etwa durch den Besitz von mehrlagigen Zellwänden (die Tieren fehlen) sowie den Besitz von Zellsaftvakuolen und die Bevorzugung von Kalium als osmoaktives Nährelement. Man nahm früher an, Pilze hätten im Lauf der Entwicklungsgeschichte das Pigment Chlorophyll verloren, das Pflanzen normalerweise für die Photosynthese benötigen, und wären daher zur direkten Nahrungsaufnahme durch Verdauung anderer Organismen oder Verwertung abgestorbener organischer Reste übergegangen. Allerdings unterscheiden sich Pilze deutlich von Pflanzen durch den Besitz von Chitin (eine Skelettsubstanz der Insekten und Spinnentiere) in den Zellwänden und das fast völlige Fehlen von Cellulose.

Heute betrachten die meisten Wissenschaftler Pilze daher als eine völlig eigenständige Gruppe, die das Reich der Fungi (lateinisch: Pilze) bildet. Zumindest gilt dies für die Höheren Pilze (siehe unten: Systematik), von denen Fossilien bereits für das Erdaltertum nachgewiesen sind und die eine stammesgeschichtlich geschlossene Gruppe bilden. Im Gegensatz zu den Höheren Pilzen handelt es sich bei den Niederen Pilzen um eine vielfältige Gruppe, deren Mitglieder wahrscheinlich unabhängig voneinander während der Evolution entstanden sind und die daher sehr heterogen ist. Zu ihnen zählen etwa die Schleimpilze und einige andere kleinere Gruppen. Sie ähneln den Höheren Pilzen, zeigen jedoch zumindest in bestimmten Lebensabschnitten entweder begeißelte oder amöboid bewegliche (siehe Amöben) Formen, die den Höheren Pilzen gänzlich fehlen. Man vermutet daher, dass sich die Niederen Pilze aus begeißelten Algen (siehe Geißeltierchen) entwickelten. Gewöhnlich ordnet man alle Niederen Pilze dem Reich der Protisten zu.

Etwa 100 000 Pilzarten sind derzeit bekannt, von denen die Höheren Pilze über 90 Prozent ausmachen. Insbesondere die Regenwälder, in deren ökologischem Kreislauf die Pilze durch ihre Abbautätigkeit eine entscheidende Rolle spielen, sind hinsichtlich ihres Pilzreichtums noch wenig erforscht. Vermutlich existieren dort tatsächlich noch viele unbekannte Pilzarten. Man nimmt an, dass die Artenzahl der Pilze insgesamt mindestens ebenso hoch ist wie die der Blütenpflanzen, also etwa bei 250 000 liegt.