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Genua
1. Einleitung

Genua (italienisch Genova), Hafenstadt im Nordwesten Italiens, Hauptstadt der Provinz Genua und der Region Ligurien, am Golf von Genua (einer lang gestreckten Bucht des Ligurischen Meeres) gelegen. Mit ihren Vororten erstreckt sich die Stadt über rund 35 Kilometer an der Küste entlang. Ausläufer der Apenninen reichen bis nahe an den nördlichen Stadtrand heran.

2. Wirtschaft

Genua ist das wirtschaftliche Zentrum Liguriens; der Hafen zählt zu den bedeutendsten am Mittelmeer. Er wurde in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausgebaut, um die Versorgung der Bevölkerung in den norditalienischen Ballungsräumen sicher zu stellen. Die Stadt ist Ausgangspunkt von Erdölpipelines nach Deutschland und in die Schweiz. Der Flughafen Cristoforo Colombo befindet sich auf einer künstlich aufgeschütteten Landzunge.

Zu den wichtigsten Produktionszweigen gehören Bau und Instandsetzung von Schiffen, petrochemische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, Herstellung von Fahrzeugteilen, Nahrungs- und Genussmitteln (vor allem Spirituosen), chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie das Druckgewerbe. Seit einigen Jahren entwickelt sich Genua außerdem zu einem Zentrum für Hightechunternehmen. Von großer Bedeutung ist auch der Fremdenverkehr; das mehrere Großbecken umfassende Aquarium zählt zu den bedeutendsten touristischen Attraktionen an der italienischen Riviera.

3. Stadtbild

Die Altstadt erstreckt sich über einen schmalen Streifen der Küstenebene nördlich des alten Hafens. Im Osten und Westen wurden entlang der Küste und auf den Hügeln hinter dem alten Hafen Industrie- und Wohngebiete angelegt. Im Herzen der Altstadt befindet sich die romanisch-gotische Kirche San Donato aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Dem Hafen zugewandt ist der Palazzo San Giorgio, der im 14. Jahrhundert von dem ersten Dogen Genuas, Simone Boccanegra, erbaut wurde und später zum Sitz der mächtigen San-Giorgio-Bank wurde. 2006 wurden mit den Strade Nuove und den Palazzi dei Rolli einige prachtvolle Anlagen aus dem 16./17. Jahrhundert, der künstlerischen Blütezeit der Stadt, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Überlieferungen zufolge begannen die Arbeiten an der Kathedrale San Lorenzo mit der ersten Beute aus den Kreuzzügen. Die 1118 geweihte Kirche beherbergt eine Fülle von Kunstschätzen. Im massiven Palazzo Ducale aus dem 16. Jahrhundert, der früher die Residenz der Dogen war, befinden sich heute die Gerichtshöfe. Auf der Piazza San Matteo stehen die Häuser der Familie Doria und die Kirche San Matteo, die 1125 von der Familie gestiftet wurde. In ihr befindet sich das Grab des genuesischen Admirals und Staatsmannes Andrea Doria. Weiter nordwestlich, nahe der Stazione Marittima, einem Anleger für Ozeanriesen, steht die im 16. Jahrhundert erbaute Kirche Sant’Annunziata. Zu den historischen Stätten Genuas gehört auch das Geburtshaus von Christoph Kolumbus. Die Stadt ist Standort der Universität Genua (1471).

4. Geschichte

Genuas Geschichte reicht bis in die Antike zurück. Ein aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammender Stadtfriedhof belegt die Anwesenheit der Griechen an diesem Ort, aber der hervorragende Hafen wurde wahrscheinlich schon früher benutzt. 205 v. Chr. wurde die Ansiedlung von den Karthagern zerstört, anschließend von den Römern wieder aufgebaut. Diese benutzten sie während ihrer Kriege gegen Ligurien als Flottenstützpunkt. Unter den Römern exportierte die Stadt Felle, Holz und Honig.

Wenig ist bekannt aus der genuesischen Geschichte seit dem Fall des Römischen Reiches (476) bis zum 11. Jahrhundert, als die Stadt eine von Konsuln regierte Republik war. Damals beteiligte sich Genua mit Schiffen am Feldzug gegen sarazenische Korsaren in italienischen Gewässern. Im Bündnis mit Pisa vertrieben die Genueser 1016 die Sarazenen aus Siedlungen auf den Inseln Korsika und Sardinien, die danach Streitobjekt für einen langen Seekrieg zwischen den beiden Stadtstaaten wurden. Im 12. Jahrhundert dehnten die Genueser ihre Herrschaft über die angrenzende Küste und die nahe gelegenen Gebirgstäler aus und legten den Grundstein für zukünftige Macht. Genuesische Schiffe beförderten Kreuzritter in den Nahen Osten und kehrten beutebeladen zurück.

In allen wichtigen Handelszentren waren genuesische Händler anzutreffen, die von der neu erwachten Nachfrage in Europa nach Waren aus dem Nahen Osten profitierten. Genuesische Handelsposten überzogen den östlichen Mittelmeerraum und die Ägäis und reichten schließlich bis zum Schwarzen Meer. Dieser Handel, gefördert durch die freundschaftlichen Beziehungen zum Byzantinischen Reich, führte zu einer zunehmenden Rivalität zwischen Genua und Venedig, die Mitte des 13. Jahrhunderts in einen Krieg mündete, gerade als die genuesische Macht ihren Höhepunkt erreichte. Bei der Schlacht von Meloria (1284) bezwang Genua Pisa, dessen Macht danach zurückging. In Curzola wurden 1299 die Venezianer geschlagen. Die Oligarchie der wohlhabenden Händler und Bankiers, die nach 1257 die genuesische Republik regiert hatte, machte später zu gleichen Bedingungen Geschäfte mit den Höfen von Päpsten und Königen.

Tatsächlich war die Ausbreitung Genuas größtenteils das Werk von Bürgern, deren Hauptanliegen im Voranbringen ihrer privaten Interessen bestand. Deshalb war die Stadt hin- und hergerissen zwischen rivalisierenden Familien, die um die Regierungsmacht kämpften. Sie zögerten nicht, Hilfe von außen zu holen, wenn sie diese benötigten. Selbst das Dogenamt, die 1339 eingerichtete Institution des obersten Magistrats, konnte den inneren Unruhen kein Ende setzen. Obwohl die Auseinandersetzungen die Macht Genuas verringerten, und trotz fortgesetzter erbitterter Rivalität mit Venedig, behielten die Genueser mehrere Jahrzehnte lang die Vorherrschaft. 1380 jedoch fiel ihre Flotte in Chioggia in venezianische Hände, ein Schlag, von dem sich ihre Seemacht nicht mehr erholte. Venedig nutzte seinen Machtzuwachs, und die genuesischen Besitztümer gingen nacheinander verloren. Das letzte allerdings, Korsika, wurde bis 1768 gehalten, bis es schließlich an Frankreich abgetreten wurde.

Schließlich endete der interne Streit unter der strengen Herrschaft, die der Doge Andrea Doria 1528 mit Hilfe von Kaiser Karl V. errichtete, und Genua erblühte als Schiffbauhafen und Bankenzentrum. Zwar beherrschten mächtige Nachbarn, Frankreich und Piemont, die Stadt, ihre Unabhängigkeit aber wurde bis 1797 gewahrt, als Napoléon Bonaparte das Dogenamt abschaffte, und Genua in die neu gebildete Ligurische Republik eingliederte. Diese wiederum wurde 1805 von Frankreich einverleibt. 1815 wurde die Stadt mit dem Königreich Sardinien vereinigt, mit dem sie 1860 im Königreich Italien aufging. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde der Hafen Genuas erweitert und modernisiert, und die Stadt zog eine Vielzahl von Industriezweigen an, die importierte Rohstoffe und Güter für den Export verarbeiteten. Während des 2. Weltkrieges wurden die Industriegebiete und der Hafen der Stadt durch wiederholte Bombenangriffe schwer beschädigt. Nach Kriegsende entwickelte sich der wieder aufgebaute Hafen hinsichtlich Passagierzahlen und Güterumschlag zu einem der bedeutendsten am Mittelmeer. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde das Hafengelände nach Plänen des Genueser Architekten Renzo Piano umfassend umgestaltet. 2004 war Genua Kulturhauptstadt Europas.

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 616 000 (2007).