| Populäre Musik | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Ursprünge |
Bis zum 18. Jahrhundert war populäre Musik im Wesentlichen Volksmusik, d. h. eine in bestimmte rituelle Ordnungen und traditionelle Überlieferungen eingebettete Ansammlung mündlich tradierter, sich häufig innerhalb eines kulturellen formalen Rahmens verändernder Melodien und Texte. Denn die ständische Gliederung der vorbürgerlichen europäischen Gesellschaft wies ihr spezielle Funktionen im Lebensablauf der Menschen zu. Waren im aristokratischen und kirchlichen Umkreis die Gestaltungskriterien von Kompositionen streng geregelt und hatten den gehobenen, gebildeten Ansprüchen des höfischen und geistlichen Kanons zu genügen, waren die Lieder der übrigen Gesellschaft vor allem durch ihre Aufführungssituation festgelegt. Man sang und musizierte bei der Arbeit oder nach Feierabend, spielte auf zum Tanz bei Volks- und Saisonfesten, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. In den Städten gab es neben den zunfteigenen Ensembles u. a. Stadtpfeifer und Ratsmusiker, Turmbläser und Nachtwächter, Bierfiedler und Tanzpfeifen, Spielleute, Jahrmarkts- und Bettelmusikanten, die ihre Trink- und Venuslieder, Moritaten und Geschichten vortrugen.
Mit der Aufklärung veränderte sich die Gesellschaft. Der Gedanke des „Ausgangs des Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit” (Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1784) entließ den Einzelnen aus den bisherigen Sinnzusammenhängen des Glaubens und der Feudalherrschaft. Der im Kampfspruch der Französischen Revolution („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”, 1789) beispielhaft formulierte neue Zeitgeist des Zusammenlebens veränderte auch die Musikkultur. Kunst sollte für jeden zugänglich sein. Einfachheit, Verständlichkeit und Eingängigkeit, mit einem Wort Popularität wurden zu wichtigen Gestaltungskriterien von Kompositionen. Johann Abraham Peter Schulz oder Johann Friedrich Reichardt schrieben Lieder „im Volkston”, Sammlungen von Johann Gottfried Herders Stimmen der Völker in Liedern (1778/79) bis zu Des Knaben Wunderhorn (1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano prägten den frühen Trend zur kunstvollen Popularität. Selbst Komponisten wie Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart widmeten sich volksmusikalisch empfundenen, einfachen Melodieführungen.
Die politischen Umwälzungen nach 1789 und die Veränderungen der gesellschaftlichen Schichtung im Gefolge der industriellen Revolution führten dazu, dass das ehemalige adelige Privileg der Unterhaltung zunächst dem erstarkenden Bürgertum und schließlich auch Handwerkern, Arbeitern und Bauern zugänglich wurde. Alois Senefelders Erfindung der Lithographie, die durch Ätzung von Kalkschieferplatten im Unterschied zum bisherigen Kupferstich nahezu grenzenlose Verbreitung von Druckerzeugnissen ermöglichte, sorgte von 1796 an dafür, dass Musik über Notenblätter erstmals als Massenmedium flächendeckend verbreitet werden konnte.