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| 1. | Einleitung |
Laurence Sterne (1713-1768), englischer Schriftsteller. Mit dem als fiktive Autobiographie ausgewiesenen Roman The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman (1759-1767; Tristram Schandis Leben und Meynungen) schuf er eines der größten Meisterwerke der englischen Literatur des 18. Jahrhunderts.
Sterne wurde am 24. November 1713 als Sohn eines englischen Militäroffiziers aus verarmtem angloirischen Adel im irischen Clonmel geboren und studierte Theologie an der Universität Cambridge. 1738 wurde er zum Pfarrer der anglikanischen Kirche geweiht. Die darauf folgenden 21 Jahre verbrachte Sterne als Pfarrer und Domherr in Yorkshire, wobei er tiefe Religiosität mit sinnenfrohem Lebenswandel zu verbinden verstand. Zu Sternes bevorzugter Lektüre gehörten die Werke von Miguel de Cervantes (vor allem dessen Parodie auf den Ritterroman Don Quijote) und François Rabelais (Pantagruel und Gargantua) sowie alte Romanzen. 1759 erschien seine Kirchensatire A political Romance sowie der erste Band des Meistwerks The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman (1759-1767; Tristram Schandis Leben und Meynungen, auch: Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman). 1760 ließ sich Sterne in London nieder, wo er trotz seiner Erkrankung an Tuberkulose ein geselliges Leben führte. Seine Sermons of Mr. Yorick (7 Bde., 1760-1769; Yoricks Predigten), eine Sammlung seiner Predigten, wurden von Kritik und Leserschaft gut aufgenommen. Darüber hinaus veröffentlichte Sterne das an Mrs. Eliza Draper gerichtete Journal to Eliza (1767).
Aus gesundheitlichen Gründen lebte Sterne von 1762 bis 1764 mit seiner Frau und ihrer Tochter in Toulouse. 1765 unternahm er eine längere Reise durch Frankreich und Italien. Das in Berichtform verfasste Werk A Sentimental Journey Through France and Italy (1768; Yoricks empfindsame Reise durch Frankreich und Italien) legt Zeugnis von seiner Wertschätzung der gesellschaftlichen Bräuche ab, denen er in Frankreich begegnete. Unter der Vorgabe, zu lehren, „die Welt und unsere Mitmenschen mehr zu lieben, als wir es tun”, will das Buch „jene sanfteren Leidenschaften und Neigungen” wecken, „die dies so sehr befördern”: Die Reise wird zu einer „Reise des Herzens”. Heute gilt das Buch als Meisterwerk der Reiseliteratur. Darüber hinaus prägte es die Epoche der Empfindsamkeit nachhaltig. Sterne starb am 18. März 1768 in London. Seine Briefe wurden posthum 1775 in mehreren Bänden veröffentlicht.
Als einer der bedeutendsten Erzähler in der englischen Literatur zwischen Aufklärung und Empfindsamkeit hatte Sterne enorme Wirkung. Sein Einfluss ist u. a. in den Werken Diderots (Jacques le fataliste, 1796), Jean Pauls, Georg Christoph Lichtenbergs und Johann Wolfgang von Goethes spürbar; letzterer bemerkte bewundernd, dass sich Sterne selbst bei seinen zahlreichen Anspielungen sexueller Art (etwa im zentralen Nasenmotiv) noch „zierlich und sinnig” zu geben wüßte.