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| 2. | Land |
Die 4 988 Kilometer lange Küste ist überaus zerklüftet und durch zahlreiche, zum Teil tief eingeschnittene Buchten stark gegliedert. Dies ist insbesondere im Westen und Norden der Fall. An der westlichen Küste stellen die Faxabucht (Faxaflói) und der Breidafjord (Breidhafjördhur) die wichtigsten Küsteneinschnitte dar. Im Nordwesten befindet sich zwischen dem Breidafjord und der Húnabucht (Húnaflói), einem der größten Einschnitte der Nordküste, eine von Steilküsten gesäumte Halbinsel. Die Küstenlänge dieser Halbinsel bildet etwa 30 Prozent der gesamten Küste Islands. Die geologisch junge Insel ist vulkanischen Ursprungs und besteht zum Großteil aus unbewohnten Hochflächen, die von Stein- und Kieswüsten beherrscht werden. Aus diesem Hochland erheben sich einige Gebirgsketten sowie einzelne Tafelberge. Die meist entlang der Küste, insbesondere im Süden und Südwesten gelegenen Tiefländer stellen etwa 25 Prozent der Gesamtfläche Islands dar.
| 1. | Physische Geographie |
Die unbewohnte Hochfläche hat den Charakter einer polaren Kältewüste. Sie ist in Stufen gegliedert und erhebt sich zwischen 300 und 800 Meter über den Meeresspiegel. Die höchste Erhebung Islands ist der Hvannadalshnúkur (2 119 Meter) im Südosten des Landes. Fast 15 Prozent der Landesfläche Islands sind mit Schneefeldern und Gletschereis bedeckt. Der Vatnajökull im Südosten ist der größte von Islands über 120 Gletschern. Er hat stellenweise eine Dicke von bis zu 1 000 Metern und bedeckt etwa 8 456 Quadratkilometer, so dass er damit in etwa der Gesamtfläche aller festländischen europäischen Gletscher entspricht. Auch Langjökull (953 Quadratkilometer) und Hofsjökull (925 Quadratkilometer) zählen zu den größten Gletschern Europas. Ferner weist Island zahlreiche kleine Seen und Flüsse auf, die meist von den Schmelzwässern der Gletscher gespeist werden. Die ausgedehnten Schotter- und Sanderebenen im Süden und Südosten von Island wurden von diesen Schmelzwässern aufgeschüttet. Aufgrund der topographischen Gestaltung gibt es zahlreiche Steilstufen; die Flüsse sind reich an Wasserfällen. Die ausgeprägtesten erreichen Fallhöhen von etwa 40 Metern. In weniger steilen Abschnitten der Flüsse sind häufig Stromschnellen entwickelt.
Island liegt dem untermeerischen Mittelatlantischen Rücken auf (siehe Plattentektonik). Daher befinden sich auf der Insel rund 200 Vulkane, von denen etwa 30 von Zeit zu Zeit aktiv sind, heiße Quellen, Geysire und Solfataren. Häufig treten als Begleiterscheinungen der vulkanischen Tätigkeit Erdbeben auf. Zu den bekanntesten Vulkanen gehören der Hekla (1 491 Meter), der 1766, 1947, 1980 und 2000 ausbrach, sowie der in seiner Nähe gelegne Laki, der etwa 100 verschiedene Krater aufweist. Die ausgedehnten, nacheiszeitlichen Lavafelder nehmen etwa 10 Prozent der Landesfläche ein. Viele Ausbrüche hinterließen große Verwüstungen. Bei dem einzigen bekannten Ausbruch des Laki (1783) kamen durch Lavaströme, Vulkanasche, austretende Gase und reißende Schmelzwasserfluten über 9 000 Menschen ums Leben. Ferner wurden große Teile des Ackerlandes zerstört und etwa 80 Prozent des Viehbestands der Insel getötet. 1963 brach vor der Südwestküste Islands ein untermeerischer Vulkan aus. Durch diese Eruption entstand die Insel Surtsey. 1973 wurde der Vulkan auf der Insel Heimaey wieder aktiv, so dass die Inselhauptstadt Vestmannaeyjar evakuiert werden musste. Am 1. Oktober 1996 brach der Vulkan Loki unter dem Gletscher Vatnajökull aus. Durch das folgende Schmelzen mächtiger Eismassen kam es im Südwesten von Island zur Überflutung ausgedehnter Gebiete. Das nach dem Vulkanausbruch oberflächlich angefallene Schmelzwasser floss etwa 230 Kilometer östlich von Reykjavík über eine unbewohnte Gegend ins Meer. Am 18. Dezember 1998 kam es unter diesem Gletscher erneut zu einem Vulkanausbruch, wobei eine Asche- und Rauchsäule von sechs Kilometer Höhe entstand.
Heiße Quellen sind auf Island weit verbreitet. Sie treten vor allem in der Umgebung der Vulkane häufig als Geysire auf. Der bekannteste Geysir Islands bricht in unregelmäßigen Abständen (meist alle fünf bis 36 Stunden) aus und stößt dabei eine bis zu 60 Meter hohe Wasserfontäne aus. Die geothermische Energie wird vor allem im Großraum Reykjavík zur Beheizung von Wohnanlagen und Treibhäusern verwendet.
| 2. | Klima |
Das Klima Islands steht unter dem Einfluss des Irmingerstromes, eines Ausläufers des Golfstromes, und ist durch kühle Sommer und milde Winter geprägt. Insgesamt sind die klimatischen Bedingungen wesentlich gemäßigter als in anderen Gebieten ähnlich hoher geographischer Breite. Die mittlere Jahrestemperatur Reykjavíks liegt bei 5 °C. Die mittleren Monatstemperaturen schwanken dort zwischen -0,6 °C im Januar und 11,1 °C im Juli. In den Küstenregionen im Nordwesten, Norden und Osten der Insel sind die Temperaturen aufgrund der Auswirkungen der Meeresströmungen aus Polargebieten und des Treibeises im Allgemeinen etwas niedriger. Insbesondere im Winter treten häufig Stürme und dichte Nebelbildung auf. Die mittleren Jahresniederschläge liegen an der Südküste bei 800 bis 2 000 Millimetern und an der Nordküste bei 400 bis 700 Millimetern. An den Südhängen einiger Berge im Landesinneren fallen bis zu 4 000 Millimeter Niederschlag pro Jahr.
| 3. | Flora und Fauna |
In prähistorischer Zeit war die Insel weitgehend bewaldet. Durch Einflüsse des Menschen ist Island heute nahezu waldlos, die noch verbliebenen kleinen Waldbestände bestehen aus Birken und Weiden und erstrecken sich überwiegend in den tiefer gelegenen Regionen. Unbewaldete Tieflandregionen werden häufig von Niedermoorwiesen eingenommen. Die Baumgrenze liegt bei etwa 300 Metern. Selbst nach den in den sechziger Jahren angelaufenen Programmen zur Wiederaufforstung sind weniger als 2 Prozent der Insel bewaldet. Insgesamt ist nur etwa ein Viertel des Landes von Vegetation bedeckt. Die Flora Islands mit ihren 450 Gefäßpflanzenarten hat nordeuropäischen Charakter, aufgrund der niedrigen Temperaturen ist die Vegetationsperiode sehr kurz. Das Gebiet bietet nur Lebensraum für Pflanzen, die an die kalten Bedingungen angepasst sind. An der Südküste wachsen Gräser und Heidekraut, die von Schafen und anderen Haustieren abgeweidet werden. Im Landesinneren gedeihen Zwergstrauchheiden sowie Moos- und Flechtentundra.
Eine für die Tierwelt charakteristische Art ist der Eisfuchs, das einzige, ursprünglich auf der Insel lebende Säugetier. Eingeführt wurden Rentiere, Nagetiere (Waldmaus, Hausmaus und Wanderratte) und der nordamerikanische Mink (ein naher Verwandter des Nerzes), der sich auf Island stark vermehrt hat. An den Küsten leben Seehunde, Kegelrobben und Klappmützen, die letztere Robbenart hat nördlich von Island wichtige Fortpflanzungsgebiete; in den Gewässern um Island leben Wale. Das Islandpony wird auf der gesamten Insel gezüchtet. Etwa 100 Vogelarten sind hier heimisch, dazu gehören das Alpenschneehuhn und viele Wasservögel wie Papageitaucher, Tordalken, Trottellummen, Odinshühnchen und Eissturmvögel. Am Mývatn-See im Norden Islands gibt es arten- und individuenreiche Entenvorkommen. Auf Island leben weder Reptilien noch Amphibien. Zu den Fischarten der Küstengewässer zählen Kabeljau, Schellfisch, Heilbutt und Hering. Islands Binnengewässer sind Lebensraum für Lachse und Forellen.