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| 7. | Geschichte |
Vermutlich bereits seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. war Island den großen seefahrenden Völkern bekannt. Seit dem 6. Jahrhundert lebten irische Einsiedler und Mönche zeitweise auf Island; im 8. Jahrhundert wurde die Insel zum ersten Mal in irischen Urkunden erwähnt. Island blieb aber im Wesentlichen bis ins späte 9. Jahrhundert unbewohnt. Die erste dauerhafte Besiedlung der Insel erfolgte um 874 durch den norwegischen Wikinger Ingólf Arnarson und seine Begleiter.
| 1. | Staat ohne Oberhaupt |
Im Jahr 930 wurde erstmals das Althing, das isländische Parlament, einberufen, das damit das weltweit älteste Parlament ist. Aufgabe des Althing war im Wesentlichen die Gesetzgebung und die Rechtsprechung, und es war das einzige für die ganze Insel zuständige Staatsorgan. Eine einheitliche Exekutivgewalt gab es nicht, die politische Macht lag in den Händen der großbäuerlichen Häuptlinge, der Goden; Island war also ein von der bäuerlichen Oberschicht oligarchisch regiertes Staatswesen. Das Fehlen einer übergeordneten Staatsgewalt führte jedoch zu zahllosen Konflikten innerhalb der großbäuerlichen Oberschicht, die im 13. Jahrhundert in bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen ausartete.
Die Gewässer um die Insel verfügten über großen Fischreichtum, es gab viele Seehunde, und an Land gab es Geflügel sowie ausgedehntes Weideland. Isländische Kaufleute trieben Handel in Skandinavien, auf dem europäischen Festland und den Britischen Inseln. Kulturell erlebte Island im Mittelalter ein goldenes Zeitalter, in dem einige der bedeutendsten Werke der isländischen Literatur entstanden, darunter die Edda.
Im Jahr 1000 wurde auf einen Beschluss des Althing das Christentum eingeführt. 1056 bzw. 1106 wurden die Bistümer Skálholt und Hólar gegründet, die dem norwegischen Erzbistum Nidaros (heute Trondheim) unterstanden. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts kolonisierten die Isländer Grönland, und Anfang des 11. Jahrhunderts erreichte der isländische Seefahrer Leif Eriksson das nordamerikanische Festland (Vinland).
Mitte des 13. Jahrhunderts nutzte König Håkon IV. von Norwegen die inneren Machtkämpfe in Island zu seinen Gunsten, und am Ende erkannten die Isländer 1262 in einem Vertrag die Oberhoheit des norwegischen Königs an. Håkon führte in Island das norwegische Recht ein, übernahm damit selbst die Exekutive und die richterliche Gewalt, das Althing und die Goden wurden weitgehend entmachtet, dennoch behielt Island eine ganze Reihe von Privilegien.
| 2. | Unter dänischer Krone |
Durch die Kalmarer Union von 1397 fiel Island zusammen mit Norwegen an die dänische Krone. Wirtschaftlich prosperierte Island, nicht zuletzt durch den direkten Handel mit England und Deutschland. Dänemark suchte jedoch diesen lukrativen Direkthandel unter seine Kontrolle zu bringen, beschränkte den Handel zunehmend und übernahm 1602 schließlich das Monopol auf den Handel mit Island. Ein wirtschaftlicher und kultureller Niedergang war die Folge. Auch in anderen Bereichen griff die dänische Krone immer stärker in die Belange Islands ein; so wurde 1537 gewaltsam die Reformation eingeführt und der Kirchenbesitz konfisziert.
Unter König Friedrich III. wandelten sich Mitte des 17. Jahrhunderts Dänemark und Norwegen zu einem absolutistischen Staatswesen, was sich auch auf Island auswirkte: Die isländischen Großen wurden gewaltsam zur bedingungslosen Unterwerfung gezwungen, das Althing als gesetzgebende Gewalt wurde außer Kraft gesetzt, Island verlor alle autonomen Rechte und Privilegien, Dänen traten an die Stelle der isländischen Amtsträger.
Im 18. Jahrhundert kam es auf der Insel zu erheblichen Klimaveränderungen und Vulkanausbrüchen. Anfang des Jahrhunderts lebten 50 000 Menschen auf der Insel. Durch eine Pockenepidemie (1707-1709), Hungersnöte in der Mitte des Jahrhunderts und den Vulkanausbruch im Bereich der Laki-Spalte (1783) wurde die Bevölkerung auf etwa 35 000 dezimiert; der Großteil der Bevölkerung war verarmt. Die dänische Regierung zog u. a. die Evakuierung der überlebenden Isländer in die Heidegebiete der Halbinsel Jütland in Betracht.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbesserten sich die Lebensbedingungen in Island u. a. durch infrastrukturelle und verwaltungstechnische Maßnahmen sowie durch die Lockerung des Handelsmonopols (1787). Als 1814 die Union zwischen Dänemark und Norwegen endete, verblieb Island bei Dänemark. 1843 wurde das Althing als beratende Versammlung wieder eingesetzt und 1854 das Handelsmonopol vollständig aufgehoben und der Handel mit allen Ländern wieder zugelassen. Vor dem Hintergrund der Revolutionen von 1848 verschärfte sich auch in Island die Forderung nach Unabhängigkeit oder zumindest Autonomie; Vorkämpfer dabei war Jón Sigurðsson. 1874 erhielt Island eine Verfassung und mit ihr die Autonomie in Verwaltung und Finanzwesen, und das Althing bekam nun wieder – vorerst noch eingeschränkte – legislative Kompetenzen.
Seit Island über Finanzautonomie verfügte, kam es zu einem raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Gleichzeitig ging aber der Kampf um die Unabhängigkeit weiter: 1904 wurde Island Autonomie gewährt, und am 1. Dezember 1918 erhielt die Insel die volle Souveränität, blieb aber in Personalunion mit der dänischen Krone verbunden. Der Unionsvertrag räumte beiden Parteien das Recht ein, die Union nach 25 Jahren aufzulösen. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bildete sich eine moderne Parteipolitik heraus, und trotz der Weltwirtschaftskrise wurden große Fortschritte erzielt.
Nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen im April 1940 wurde Island im darauf folgenden Monat von britischen Truppen besetzt, die 1941 von US-Truppen abgelöst wurden. 1941 wurde Svein Björnsson zum Regenten in Island gewählt.
| 3. | Unabhängigkeit |
1943 lief der Unionsvertrag mit Dänemark aus, und am 24. Mai 1944 sprachen sich in einer Volksabstimmung 97,3 Prozent der Wähler (bei einer Wahlbeteiligung von 98,6 Prozent) für die Auflösung der Union mit Dänemark aus. Am 17. Juni 1944 wurde die Republik Island gegründet; zu ihrem ersten Präsidenten wurde Svein Björnsson gewählt.
Seit 1941 hatten die USA die Einrichtung ständiger Militärstützpunkte in Island gefordert, was von der isländischen Regierung jedoch abgelehnt wurde. Stattdessen einigten sich Island und die USA 1946 auf die weitere Nutzung des Luftwaffenstützpunktes Keflavík. 1949 trat Island als Gründungsmitglied der NATO bei, und 1951 übertrug das Land, das über keine eigenen Truppen verfügt, den USA in einem bilateralen Vertrag die Landesverteidigung. Die seit 1941 ununterbrochene US-Truppenpräsenz stieß in der Bevölkerung jedoch auf breite Ablehnung. 1985 verabschiedete das Althing einstimmig eine Resolution, die Island zu einer atomwaffenfreien Zone erklärte. Die US-Militärpräsenz endete 2006, als die USA wegen der nur noch geringen strategischen Bedeutung Islands ihre Truppen von der Insel abzogen. Den militärischen Schutz Islands übernahmen nun Norwegen, dessen Luftwaffe Sicherheits- und Überwachungsaufgaben übernahm, und Dänemark, dessen Marine die isländische Küstenwache verstärkte.
1970 war Island Mitglied der EFTA geworden. Zum Schutz der Fischbestände und Arbeitsplätze hatte Island bereits 1964 seine Hoheitsgewässer von vier auf zwölf Seemeilen und 1972 auf 50 Seemeilen erweitert. Dadurch kam es zu diplomatischen Auseinandersetzungen mit Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, den „Kabeljaukriegen”. Diese Konflikte dauerten bis 1973 an, als beide Seiten eine auf zwei Jahre begrenzte Vereinbarung über die Fischereigrenzen trafen. Einen Monat vor Ablauf dieser Vereinbarung weitete Island im Oktober 1975 seine Fischereigrenzen einseitig auf 200 Seemeilen aus. Nachdem Verhandlungen über ein neues Abkommen gescheitert waren, begann im November 1975 ein weiterer „Kabeljaukrieg”. 1976 brach Island vorübergehend die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien ab. Weitere Verhandlungen führten zur Anerkennung der 200-Meilen-Zone und zum Abzug der britischen Fischereiflotten im Dezember 1976.
Das größte Problem der isländischen Wirtschaft war die hohe Inflationsrate, die durch die großen Lohnsteigerungen und die schwankenden Fischpreise am Weltmarkt verursacht wurde. Anfang der achtziger Jahre lag die jährliche Inflationsrate bei 38 Prozent, so dass die Isländische Krone abgewertet wurde und einige Sparmaßnahmen eingeführt werden mussten. Zwischen 1985 und 1989 ging die Inflationsrate auf durchschnittlich 20 Prozent zurück, und in der Folgezeit konnte sie auf unter 3 Prozent gesenkt werden. Der Lebensstandard der Isländer gehört zu den höchsten der Welt.
1980 wurde mit der parteilosen Vigdis Finnbogadóttir die weltweit erste Frau in das Amt des Staatspräsidenten gewählt; in der Folgezeit wurde sie dreimal im Amt bestätigt, bis sie 1996 auf die Kandidatur für eine fünfte Amtszeit verzichtete. Ihr Nachfolger wurde der Sozialist Olafur Ragnar Grimsson. Ministerpräsident wurde 1991 Davíð Oddsson von der konservativen Unabhängigkeitspartei (SSF); er regierte das Land zunächst in einer Koalition mit den Sozialdemokraten (SF) und nach den Wahlen von 1995, bei denen die Sozialdemokraten schwere Verluste hatten hinnehmen müssen, zusammen mit der Fortschrittspartei (FSF). Die Wahlen von 1999 bestätigten diese Mitte-rechts-Koalition unter Oddsson, ebenso die Wahlen von 2003, bei denen sich die SSF allerdings nur noch knapp als stärkste Partei behaupten konnte. 2004 trat Oddsson – wie bereits nach den Wahlen im Jahr zuvor vereinbart – zugunsten des bisherigen Außenministers Halldór Ásgrímsson (FSF) als Ministerpräsident zurück und übernahm seinerseits das Außenministerium. 2006 trat Ásgrímsson seinerseits zurück, nachdem seine Partei bei den Kommunalwahlen äußerst schlecht abgeschnitten hatte; neuer Ministerpräsident wurde Geir Haarde (SSF), der 2005 Oddsson als Außenminister abgelöst hatte. Nach den Wahlen von 2007 bildete Haarde mit den Sozialdemokraten eine neue, eine große Koalition, nachdem der bisherige Koalitionspartner FSF erheblich an Stimmen verloren hatte und freiwillig in die Opposition gegangen war.