Sozialpsychologie
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Sozialpsychologie
3. Erste Experimente

In den dreißiger Jahren wurden erste empirische Untersuchungen zum Sozialverhalten bei Tieren (Vergleichende Verhaltensforschung), zum Problemlösen in Gruppen, zu Einstellungen und zur gegenseitigen Beeinflussung (Persuasion), zu nationalen und ethnischen Stereotypen (Vorurteilen), zur Ausbreitung von Gerüchten und zu Führungsstilen durchgeführt. Der deutschamerikanische Psychologe Kurt Lewin betonte die Notwendigkeit einer theoretischen Grundlegung. Der Zweck der Forschung war seiner Auffassung nach, die dem in Frage stehenden Verhalten zugrunde liegenden Mechanismen, die auf theoretischem Weg gefunden worden waren, zu klären. Die Theorie bietet für ein bestimmtes Verhalten eine bestimmte Erklärung und ermöglicht dem Forscher, die speziellen Bedingungen vorherzusagen, unter denen das in Frage stehende Verhalten auftreten oder nicht auftreten wird. Der Forscher entwirft dann Experimente, in denen die entsprechenden Bedingungen systematisch variiert werden und das Auftreten des Verhaltens beobachtet und gemessen werden kann. Die Ergebnisse können Veränderungen und Erweiterungen der Theorie zur Folge haben.

1939 veröffentlichte Lewin gemeinsam mit zwei seiner Doktoranden ein Experiment von historischer Bedeutung. Die Forscher veranlassten ein und dieselben Erwachsenen zu verschiedenen Führungsstilen in gemischten Kindergruppen. Die Erwachsenen versuchten jeweils ein spezielles Gruppenklima – also eine soziale Umgebungsbedingung– zu erzeugen, und zwar durch einen demokratischen, einen autokratischen und einen Laissez-faire-Führungsstil. Die Reaktionen der Kinder in den Gruppen wurden sorgfältig beobachtet, die entstehenden Muster des Sozialverhaltens detailliert aufgezeichnet. Zwar hatte das Experiment viele Schwächen, aber dennoch konnte gezeigt werden, dass etwas so schwer Greifbares wie ein demokratisches Sozialklima unter kontrollierten Laborbedingungen herzustellen ist.

Die Originalität und der Erfolg dieser Untersuchung wirkten auf andere Forscher befreiend. Gegen Ende des 2. Weltkrieges war eine wahre Flut experimenteller Forschung zu registrieren, in der soziale Umwelten mit Hilfe von Schauspielkunst im Labor vorübergehend verändert wurden. Etwa gleichzeitig machte die nichtexperimentelle sozialpsychologische Forschung, die Feldforschung, bedeutende Fortschritte.