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Yoga
1. Einleitung

Yoga, auch Joga, (Sanskrit yoga: Anspannen, Anschirren; gemeint ist das Anschirren der Seele an Gott), philosophisch-religiöses Meditationssystem der Hindus, das in der Beherrschung des Körpers besteht, wobei dem fortgeschrittenen Yogi magische Kräfte nachgesagt werden.

Yoga ist eine Lehre, die davon ausgeht, dass, indem man bestimmte Übungen praktiziert, die körperlichen Grenzen überschritten werden können. Dadurch ist es möglich, sich von den Täuschungen der Sinne und den Irrungen der Gedanken zu befreien und sich mit dem Gegenstand der Erkenntnis zu vereinen. Der Lehre zufolge ist diese Vereinigung der einzig wahre Weg zur Erkenntnis. Für den Yogi (derjenige, der Yoga praktiziert) ist der Gegenstand der Erkenntnis der universale Geist Brahma. Eine Minderheit der atheistischen Yogis setzt die vollkommene Selbsterfahrung an die Stelle der Gotteserkenntnis. Das Ideal des Yoga ist jedoch immer die Erkenntnis und nicht, wie allgemein angenommen wird, die Erringung bedeutender Leistungen in der Askese und im Hellsehen oder das Vollbringen von Wundern. Dagegen lehnt die Yogalehre gerade die strenge Askese ab und betont, dass die körperlichen und geistigen Übungen ausschließlich der Konzentration auf das innere Zentrum dienen.

2. Die acht Glieder des Yoga

Die Yogaübungen führen über eine Reihe von Stufen zur vollkommenen Erkenntnis. (1) Die Selbstbeherrschung (Yama), sie beinhaltet die Einhaltung bestimmter Gebote wie Wahrhaftigkeit, Keuschheit, Ablehnung von Geschenken und die Achtung aller lebender Wesen (Ahimsa). (2) Religiöse Observanz (Niyama), sie umfasst Enthaltsamkeit, Armut, Einhalten von Reinheitsvorschriften, das Rezitieren vedischer Hymnen und das ergebene Vertrauen in das höchste Seiende. (3) Körperhaltung (āsana). (4) Beherrschung des Atems (prānāyāma), bezieht sich auf die Tiefe und den Rhythmus des Atmens, das Atmen durch nur ein Nasenloch und die vorübergehende Einstellung des Atmens. (5) Das Zurückziehen der Sinnesorgane von den Objekten (prātyāhāra), was so viel bedeutet wie die Abkehr von den Dingen und die Versenkung des Geistes ins innere Selbst. (6) Konzentration (dhārāna), dabei wird die Aufmerksamkeit auf einen Teil des Körpers gelenkt, wie z. B. den Bauchnabel, die Nasenspitze oder die Mitte der Augenbraue, wobei der Yogi der Außenwelt gegenüber unempfindlich wird. (7) Meditation (dhyāna), wodurch sich der Geist auf den Gegenstand der Erkenntnis, insbesondere auf Brahma, konzentriert und alle anderen Gedanken ausgelöscht werden. (8) Versenkung (samādhi), sie ist das vollkommene Aufgehen des Geistes in dem Gegenstand der Erkenntnis sowie die Vereinigung und Einswerden mit diesem. Das Erreichen dieses Zustands, samādhi, befreit das eigene Selbst von den Täuschungen der Sinne und den Widersprüchlichkeiten der Vernunft. Es ist der Gedanke, der den Gedanken überwunden und sein Ziel durch die eigene Verneinung erreicht hat, das Ziel der inneren Erleuchtung, der ekstatischen, wahren Erkenntnis der Wirklichkeit.

3. Befreiung

Die letzte Stufe der Yogalehre wird selten in einem einzigen Leben erreicht. Gewöhnlich wird die Befreiung erst nach einigen Wiedergeburten erlangt, und zwar zunächst durch die Befreiung von der Erscheinungswelt, dann von den Gedanken des Selbst und schließlich von der Gebundenheit des Geistes an die Materie. Die Loslösung des Geistes von der Materie wird Kāivalya oder wahre Befreiung genannt.

Mit der Annäherung an Kāivalya erwerben die Yogis bestimmte Fähigkeiten. Sie werden unempfindlich gegenüber Hitze und Kälte, gegen Verletzungen, Lust bzw. Schmerz. Sie werden zu übernatürlichen geistigen und körperlichen Leistungen fähig und können sogar den Lauf der Natur verändern. Sie unterscheiden zwischen den feinsten Elementen der Materie und können gleichzeitig das Universum als Ganzes erkennen, wobei sie Mikrokosmos und Makrokosmos in einem Gedanken fassen können.

Außenstehenden konnten diese Kräfte selten bzw. nie erfolgreich vorgeführt werden. Es gibt allerdings außerordentliche Leistungen, die durch Zeugenberichte belegt wurden. Am beeindruckendsten ist vielleicht der Yogischlaf, der fast schon einem todesähnlichen Zustand gleichkommt und den Yogi befähigt, einige Tage lebendig begraben zu verharren. Fachleute erklären den Yogischlaf als eine Art kataleptischen Zustand, der durch Selbsthypnose herbeigeführt wird. Dabei wird kein wesentlicher Unterschied zur Katalepsie festgestellt, bei der es sich um ein Symptom einer Mittelhirnerkrankung handeln kann.

4. Verschiedene Richtungen des Yoga

In Europa und den USA ist Hatha-Yoga die verbreitetste Form des Yoga und wird meistens ausgeübt, um die körperliche Gesundheit zu steigern. Andere Richtungen unterscheiden sich hauptsächlich dadurch, dass sie den einzelnen Stufen der Yogaübung unterschiedliche Bedeutung beimessen. Das vielleicht in Indien am meisten verbreitete System ist Bhakti-Yoga (hingebende Liebe zu Gott). Hierbei handelt es sich um ein System, das die ersten zwei Stufen der Yogadisziplin hervorhebt, und zwar Selbstbeherrschung und die Einhaltung religiöser Gebote. Weitere bedeutende Formen des Yoga sind Mantra-Yoga, zu dem das Aussprechen des Namens Krischna und anderer Zauberformeln gehört, Karma-Yoga, der die Tat und das Dienen in den Vordergrund stellt, und Jnana-Yoga, der den intellektuellen Weg einschlägt. Die Form des Yoga, die Bhakti, Karma und Jnana verbindet, wird Raja-Yoga oder „königlicher” Yoga genannt.

5. Geschichte

Die Lehren und Praktiken des Yoga lassen sich auf die Zeit der Upanishaden zurückdatieren. Die wesentlichen Praktiken des Yoga sind hauptsächlich in den Maitrī Upanishaden enthalten. Sie wurden überarbeitet und fanden ihre philosophische Grundlage in dem Yogasutra des Patandschali, des indischen Gelehrten des 2. Jahrhunderts v. Chr., der allgemein als Begründer des Yoga angesehen wird. Patandschali leitete seine Lehre von dem Sāmkhya ab, dem ältesten klassischen System der Hindu-Philosophie. In seinem Bestreben, eine Entwicklungstheorie zu finden, wandte er sich von dem klassischen System ab und vereinte den Gottesbegriff (Iśvara) mit der atheistischen Perspektive des Sāmkhya. Der Begriff ist jedoch kein fester Bestandteil der Yogalehre, und es wird die Auffassung vertreten, dass er im Widerspruch zu dem übrigen System stehe. Man kann jedoch sagen, dass im Gegensatz zu anderen hinduistischen Systemen beim Yoga die Lehre gegenüber den Praktiken eine untergeordnete Rolle spielt.

Als praktisches System war der Yoga von Anfang an eine der einflussreichsten Richtungen des Hinduismus. Der starke Einfluss des Yoga zeigt sich auch im Buddhismus, bei dem Enthaltsamkeit und geistige Übungen ebenfalls eine große Rolle spielen. Yoga erfreut sich auch in westlichen Ländern immer größerer Beliebtheit. Zu den Anhängern des Yoga zählen auch die englischen Schriftsteller Major Francis Yeats-Brown, Aldous Huxley und Christopher Isherwood, der Schriftsteller Mircea Eliade und der englische Musiker Lord Yehudi Menuhin. In den letzten Jahren haben Experten auf dem Gebiet der körperlichen Fitness Yogaübungen als Mittel zur seelischen Reinigung, zur Stärkung von Nerven und Muskeln und allgemein zur Verbesserung des Gesundheitszustands und für ein längeres Leben empfohlen.