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| 3. | Befreiung |
Die letzte Stufe der Yogalehre wird selten in einem einzigen Leben erreicht. Gewöhnlich wird die Befreiung erst nach einigen Wiedergeburten erlangt, und zwar zunächst durch die Befreiung von der Erscheinungswelt, dann von den Gedanken des Selbst und schließlich von der Gebundenheit des Geistes an die Materie. Die Loslösung des Geistes von der Materie wird Kāivalya oder wahre Befreiung genannt.
Mit der Annäherung an Kāivalya erwerben die Yogis bestimmte Fähigkeiten. Sie werden unempfindlich gegenüber Hitze und Kälte, gegen Verletzungen, Lust bzw. Schmerz. Sie werden zu übernatürlichen geistigen und körperlichen Leistungen fähig und können sogar den Lauf der Natur verändern. Sie unterscheiden zwischen den feinsten Elementen der Materie und können gleichzeitig das Universum als Ganzes erkennen, wobei sie Mikrokosmos und Makrokosmos in einem Gedanken fassen können.
Außenstehenden konnten diese Kräfte selten bzw. nie erfolgreich vorgeführt werden. Es gibt allerdings außerordentliche Leistungen, die durch Zeugenberichte belegt wurden. Am beeindruckendsten ist vielleicht der Yogischlaf, der fast schon einem todesähnlichen Zustand gleichkommt und den Yogi befähigt, einige Tage lebendig begraben zu verharren. Fachleute erklären den Yogischlaf als eine Art kataleptischen Zustand, der durch Selbsthypnose herbeigeführt wird. Dabei wird kein wesentlicher Unterschied zur Katalepsie festgestellt, bei der es sich um ein Symptom einer Mittelhirnerkrankung handeln kann.