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Moor, erstens in der bodenkundlichen Systematik eine Abteilung von Böden, die eine mindestens 30 Zentimeter dicke Auflageschicht aus Torfen mit mehr als 30 Prozent organischer Substanz aufweisen; zweitens in der Ökologie ein Komplex von Biotopen, in denen reichlich vorhandenes Wasser den wichtigsten ökologischen Faktor darstellt.
Neben dem Sammelbegriff „Moor” wird im deutschen Sprachraum regional auch eine ganze Reihe anderer Bezeichnungen wie Filz, Moos, Ried, Fehn, Venn oder Luch verwendet. Die an feuchte Standorte gebundenen Moore gehen an den Rändern gleitend in verwandte Böden und Biotope über, z. B. in Grundwasser- und Staunässeböden oder in Bruchwälder.
Moore gehören hinsichtlich der Produktion von Biomasse zu den ergiebigsten Ökosystemen. Voraussetzung für die Entstehung dicker Torflager ist, dass die erzeugte Biomasse nur teilweise abgebaut wird. Dazu tragen vor allem der Sauerstoffmangel im ständig durchnässten Boden sowie die oft tiefen Temperaturen und die niedrigen pH-Werte bei, welche den Abbau der Pflanzen- und Tierreste durch Mikroorganismen hemmen. Bei intakten Mooren kann die unter ihrem eigenen Gewicht verdichtete Torfschicht um durchschnittlich mehr als einen Millimeter pro Jahr in die Höhe wachsen. Die Torflager sind oft mehrere Meter mächtig; für ihre Bildung waren demnach mehrere tausend Jahre erforderlich. In den Mittelbreiten bildeten sich die ältesten Moore nach dem Ende der jüngsten Eiszeit, die meisten europäischen Moore sind wahrscheinlich vor etwa 8 000 bis 3 000 Jahren entstanden.
Die Gliederung der Moore kann nach den verschiedensten Gesichtspunkten erfolgen, etwa nach ihrer äußeren Gestalt (u. a. Flachmoore, Hochmoore), ihrer Lage im Gelände (z. B. Hangmoore, Niederungsmoore) oder der Art der Entstehung (etwa Verlandungsmoore, Versumpfungsmoore). Bewährt hat sich eine bodenkundlich-ökologische Klassifikation, die diese Kriterien mit der Herkunft der Nährstoffe und dem Säuregrad des Moorwassers verbindet. Danach ergeben sich als Haupttypen das Niedermoor und das Hochmoor.
Das Niedermoor besitzt eine flache Oberfläche und hat sich in bestimmten Geländeformen (u. a. Flussniederungen, Mulden) entwickelt. Oft sind Niedermoore durch die Verlandung eiszeitlicher Seen entstanden, bei Versumpfungsmooren wurde die Vermoorung durch den in der Nacheiszeit steigenden Meeres- und Grundwasserspiegel gefördert. Die Nährstoffe stammen aus den verwitterten Mineralen im durchnässten Boden, in dem die Pflanzen häufig wurzeln. Der pH-Wert liegt in Niedermooren meist bei etwa 5,0 bis 6,0, der Nährstoffgehalt ist im Allgemeinen hoch. Unter diesen Bedingungen kann eine vergleichsweise artenreiche Flora mit an feuchte Standorte angepassten Pflanzen wie Seggen, Schilf, Rohrkolben, Weiden und Erlen gedeihen.
Das Hochmoor besitzt im Idealfall eine im Zentrum uhrglasförmig aufgewölbte, gehölzfreie Oberfläche, weil dort der Boden ständig nass ist und daher das Wachstum der für diesen Moortyp charakteristischen Torfmoose rascher abläuft. Sie verdrängen die meisten Pflanzen, bilden darüber hinaus organische Säuren, die den pH-Wert des Moorwassers auf Werte unter 4,5 senken. Die Torfmoose verdunsten ungewöhnlich viel Wasser, so dass Hochmoore durch die Verdunstungskälte sehr kalte Standorte sind. An den trockeneren Rändern kommen auch Zwergsträucher und einzelne Bäume vor. Hochmoore entwickeln sich nur in Gebieten mit hohen Niederschlägen.
Ein kühl-feuchtes Klima begünstigt allgemein die Entstehung von Mooren. Ihr ausgedehntestes Verbreitungsgebiet befindet sich daher in den Wäldern gemäßigter und nördlicher Breiten. Das moorreichste Land Europas ist Finnland, das zu mehr als 33 Prozent von Moor bedeckt ist. In Deutschland beträgt der Flächenanteil hingegen nur etwa 4 Prozent. Ursprünglich hatten Moore eine viel größere Ausdehnung, z. B. in Niedersachsen rund 13 Prozent. Vor allem durch die Umwandlung von Moorland in Acker- und Weideland sowie durch Entwässerung und den Torfabbau sind die Moore Mitteleuropas bis auf winzige Reste zerstört worden. Der Verlust der ursprünglichen Lebensräume bedroht die Existenz zahlreicher seltener Moortiere und -pflanzen.