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| 2. | Werk und Wirkung |
Die wichtigste Hinterlassenschaft des Buddha Siddharta Gautama ist nach seiner eigenen Einschätzung die Lehre, die er über 40 Jahre lang gepredigt hat. Deshalb setzte er auch keinen Nachfolger ein: Die Lehre soll der Meister des Sangha sein, die alleinige Autorität. Für die Brahmanen war der Buddha ein Häretiker, weil er die Offenbarungsautorität der Veden nicht anerkannte und die Notwendigkeit des Opferrituals leugnete. Er entzog der Priesterschaft, die den Anspruch erhob, durch ihr Opferwissen und den Vollzug des Opfers Mittler zwischen der Ordnung der Menschen und der kosmischen Ordnung zu sein, den Boden. Seine Lehre und sein Heilswissen waren nicht an Geburt und Status gebunden, sein Dharma erwies sich als universal. Deshalb konnte sich der Buddhismus auch über Indien hinaus ausbreiten und zu einer Weltreligion werden.
Auf seine typische Art ordnet der Hinduismus die Lehre des Buddha Shakyamuni in seinen eigenen Dharma ein. Nicht nur, dass die Herausbildung der Systeme des so genannten klassischen Hinduismus u. a. auch als eine Reaktion des Brahmanismus auf die Bewegung des Buddhismus interpretiert werden kann; der Buddha wird schließlich auch als Avatara bzw. als Inkarnation Vishnus in das System des Vishnuismus aufgenommen: Vishnu sei demnach als der Irrlehrer Buddha erschienen, um die Menschen zu verwirren und eine falsche Religion zu verbreiten, wodurch die guten Hindus von den schlechten gesondert wurden – die guten blieben Hindus, die schlechten wurden Buddhisten. Nach einer anderen Version hat Vishnu als Buddha die Dämonen durch falsche Anweisungen getäuscht, indem er sie lehrte, die Opfer nicht zu beachten. Darauf verloren die Dämonen ihre magische Kraft und wurden von den Göttern besiegt. Buddhas Abfall vom vedischen Dharma schuf die Voraussetzung, die Dharmaordnung wiederherzustellen. Die Religionsgeschichte Indiens lässt sich tatsächlich auch auf diese Weise lesen.
Der Buddha Shakyamuni hatte für Asien eine ähnliche Bedeutung wie Jesus Christus für das Abendland. Im Christentum ist eine Kenntnis des Buddhas früh bezeugt. Eine erste Erwähnung findet sich bei Klemens von Alexandria, der berichtet, dass dem Buddha wegen seiner Heiligkeit von seinen Anhängern die Ehre eines Gottes zuteilgeworden sei. In der Legende vom Leben von Barlaam und Josaphat, die möglicherweise von christlichen Pilgern aus Indien mitgebracht wurde, wird der Buddha gar zu einem christlichen Heiligen stilisiert. Dabei ist der Name Barlaam von Bhagavan (der Erhabene) abgeleitet, Josaphat von Bodhisattva. In der Legende ist Josaphat der Sohn eines indischen Königs, der die Christen verfolgen ließ. Er lebt bis zu dem Tag isoliert im väterlichen Palast, an dem er nacheinander einem Leprakranken, einem Blinden und einem Greis begegnet. Diese Begegnungen führen ihm die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz vor Augen, worauf er sich von Barlaam bekehren lässt und am Ende als Mönch und Wundertäter stirbt.
Zu einer wirklichen Begegnung von Buddhismus und Christentum kam es allerdings erst im 20. Jahrhundert. Vor allem in den letzten Jahrzehnten fand ein intensiver Austausch statt und kam es zu einem für beide Seiten fruchtbaren Dialog.