Epos
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Epos
2. Volksepik

Die Volksepik entwickelt sich aus der Tradition der mündlichen Erzählung und des Erzählliedes, das in der höfischen Poesie der Barden noch im Hochmittelalter präsent ist. Dieses überlieferte Erzähl- und Sagengut wird mit beginnender Literaturfähigkeit der Sprache im jeweiligen Kulturkreis von unbekannten Dichtern niedergeschrieben und lebt in literarischer Form weiter. Als ältestes Zeugnis der Volksepen gilt das babylonische Gilgamesch-Epos (2. Jahrtausend v. Chr.), gefolgt von den indischen Mahabharata (4. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) und Ramayana (4. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr.). Die frühesten westlichen Beispiele sind die Homer zugeschriebenen Heldenepen Ilias und Odyssee (8. Jahrhundert v. Chr.), die zugleich den Ursprung der abendländischen Dichtung überhaupt bilden. Vergils Aeneis (1. Jahrhundert v. Chr.) knüpft stofflich an Homer an; dieser Sagenkreis erfährt noch in der byzantinischen Antike zahlreiche Bearbeitungen. Neue Formen des Epos, wie die Herrschervita, die Chronik und Heiligenlegende und die französischen Chansons de geste, bilden sich erst im Mittelalter heraus. Ungefähr seit dem 9. Jahrhundert entstehen Heldenepen, die stofflich auf die nordisch-altgermanische Mythologie und auf teils noch ältere Quellen zurückgreifen, wie der Zyklus des keltischen Helden Ossian (9./10. Jahrhundert), das Waltharilied (9./10. Jahrhundert) und das altenglische Stabreimepos Beowulf (10. Jahrhundert). Der Beowulf ist das älteste vollständig erhaltene Epos dieses Kulturkreises und beschreibt die Heldentaten eines schwedischen Fürsten, wie seine Kämpfe gegen den Riesen Grindel. Meisterwerke des mittelalterlichen Epos sind auch das mittelhochdeutsche Nibelungenlied (um 1200) und das altfranzösische Rolandslied (um 1100) sowie das spanische Poema del Cid (um 1140). Als literarisch eminent fruchtbar erweist sich der Komplex der Artussage, der im normannischen Roman de brut (1155) erstmals schriftliche Form erhält und noch im gesamten europäischen Roman des Mittelalters präsent ist (Chrétien de Troyes, Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg u. a.). Um die mit Artus verbundenen Helden der „Tafelrunde” (Tristan, Parzival etc.) entstehen wiederum zahlreiche eigene Abenteuerepen. Das Volksepos geht – wie auch das literarische Epos – später in der Form des Romans auf, doch die Attraktivität der vor allem im Heldenepos geschilderten magischen Welt und ihres typischen Personals (Könige, Helden, Hexen, Zauberer, Drachen und andere Monster) ist bis heute ungebrochen. Der eher triviale Traditionsstrang setzt sich fort über die Ritter-und-Räuber-Romane des Barock bis in die Welt der Comics und Fantasy-Romane und -Filme, ein poetisch-mythologisches Interesse ist dagegen in den Musikdramen Richard Wagners wirksam.