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Karl Kautsky

Karl Kautsky (1854-1938), sozialistischer Theoretiker und Politiker. Kautsky wurde am 16. Oktober 1854 in Prag geboren, er studierte in Wien und schloss sich der österreichischen Sozialdemokratie an. 1881 ging er nach London, wo er Karl Marx und Friedrich Engels kennen lernte. Unter dem Einfluss von und in Zusammenarbeit mit Engels entwickelte er sich zu einem der führenden marxistischen Theoretiker. 1883 gründete er Die Neue Zeit, das theoretische Organ der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), das unter seiner Leitung (bis 1917) zu einer der führenden sozialistischen Zeitungen in Europa wurde. Nach Aufhebung der Sozialistengesetze kehrte Kautsky nach Deutschland zurück und war maßgeblich an der Ausarbeitung des Erfurter Programms der SPD beteiligt. Innerhalb der SPD suchte er einen Mittelweg zwischen dem Revisionismus Eduard Bernsteins und dem Radikalismus Rosa Luxemburgs. Den Bolschewismus lehnte er ab.

Den 1. Weltkrieg sah der Pazifist Kautsky als rein imperialistisches Unternehmen an. Seit 1917 war er Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die sich über der Frage nach der Zustimmung zu den Kriegskrediten von der SPD abgespalten hatte. Der Russischen Revolution vom November 1917 stand er ablehnend gegenüber; er trat auch nicht, wie ein Teil der USPD-Mitglieder, dem Spartakusbund bzw. der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands bei. Nach dem 1. Weltkrieg lebte Kautsky vor allem in Wien; kurz vor seinem Tod am 17. Oktober 1938 emigrierte er nach Amsterdam.

Werke: Karl Marx’s ökonomische Lehren (1887); Die Diktatur des Proletariats (1918); Die materialistische Geschichtsauffassung (2 Bde., 1927).