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| 1. | Einleitung |
Nashörner, Familie großer afrikanischer und asiatischer Unpaarhufer (Huftiere mit ungerader Zehenzahl) mit ein oder zwei Hörnern auf dem Maul.
Nashörner haben einen massigen Körper, dicke, graue oder braune Haut und kurze, kräftige Beine. Jeder Fuß trägt drei Zehen mit breiten, hufähnlichen Nägeln. Die Hörner eines Nashorns bestehen aus agglutiniertem Keratin, einem fibrillären Protein, das auch in Haaren vorkommt. Die Hörner dienen außer zur Verteidigung vor allem dazu, Knollen auszugraben, die neben Gras und Blättern die Hauptnahrung der Tiere sind.
Männliche Breitmaul- und Panzernashörner können über zwei Tonnen wiegen; neben Elefanten und Flusspferden gehören sie zu den größten heutigen Landlebewesen. Einer der Vorfahren heutiger Nashörner ist das in Pakistan als Fossil gefundene Baluchitherium: Dieses möglicherweise größte landbewohnende Säugetier aller Zeiten, das vor etwa 30 Millionen Jahren lebte, hatte eine Kopfrumpflänge von sieben Metern und wog 15 bis 20 Tonnen.
| 2. | Verhalten und Fortpflanzung |
Nashörner haben ein geringes Sehvermögen, doch einen ausgeprägten Geruchssinn und ein sehr gutes Gehör. Sie leben zumeist als Einzelgänger, in der Savanne bilden sie manchmal kleine Herden. Männchen kämpfen gelegentlich um brünstige Weibchen; der Sieger umwirbt dann das Weibchen. Zum Paarungsverhalten gehört die Markierung des Reviers mit Urin und Kot; zudem jagen sich beide Partner, kämpfen gegeneinander und kopulieren schließlich. Nach einer Tragzeit von 15 bis 18 Monaten wird ein Junges geboren, das maximal zweieinhalb Jahre bei der Mutter bleibt. Kommt ein zweites Jungtier zur Welt, so wird das ältere zumindest kurzzeitig von der Mutter verjagt. Ein angreifendes Nashorn kann auch für Menschen gefährlich werden; besonders das Spitzmaulnashorn gilt als unberechenbar.
| 3. | Nashornarten |
Es gibt fünf Arten von Nashörnern, die alle in tropischen Gebieten leben: drei in Asien und zwei in Afrika. Asiatische Nashörner unterscheiden sich durch den Besitz von Schneide- und Eckzähnen von den afrikanischen Arten sowie durch die panzerähnliche Haut, die an Hals und Beinen stark gefaltet ist. Zwei asiatische Arten haben nur ein Horn, die anderen drei Arten haben zwei. Alle Nashornarten leiden darunter, dass in Asien eine große Nachfrage für ihre Hörner besteht. Diese werden für kunsthandwerkliche Schnitzereien verwendet, aber auch als (unwirksame) Medizin und Aphrodisiaka. Vor allem durch diesen Markt sind Nashörner vom Aussterben bedroht (siehe bedrohte Arten). In neuerer Zeit gibt es allerdings bei einigen Arten wieder leichte Bestandserholungen.
Das Indische Panzernashorn hat nur ein Horn, seine Kopfrumpflänge beträgt bis zu 3,5 Meter. Es kommt heute ausschließlich in Nepal und im Hochland von Assam vor. Aufgrund erfolgreicher Schutzbemühungen Indiens und Nepals ist sein Bestand von rund 750 im Jahr 1960 auf 2 500 Tiere im Jahr 2000 gestiegen. Das dem Panzernashorn ähnliche, ebenfalls einhornige, maximal 3,1 Meter große Javanashorn hat nur im westlichen Java und im Cat-Tien-Nationalpark in Vietnam mit einem Gesamtbestand von etwa 60 Tieren (2002) überlebt; es gilt damit als das seltenste Säugetier Asiens. Früher war das Javanashorn außerdem in den hügeligen Regenwaldgebieten von Bengalen, Birma, Borneo und Sumatra heimisch. Das zweihornige Sumatranashorn (Kopfrumpflänge maximal 2,6 Meter) lebt in einem ähnlichen Verbreitungsgebiet. Sein Bestand ist von 900 Tieren Anfang der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts auf etwa 300 im Jahr 2000 zurückgegangen.
Die beiden afrikanischen Nashornarten, Breitmaulnashorn und Spitzmaulnashorn, kommen in Savannen und an den Berghängen südlich von Äthiopien vor. Das bis zu 3,7 Meter große Breitmaulnashorn hat ein breites, zum Grasfressen besonders geeignetes Maul. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand diese Art unmittelbar vor der Ausrottung, 2004 gab es wieder rund 11 000 Tiere. Das Spitzmaulnashorn hat eine lange, spitze und bewegliche Oberlippe, mit der es Blätter von Zweigen rupft; seine Kopfrumpflänge beträgt bis zu 3,2 Meter. In ganz Afrika lebten 2004 wieder 3 600 Spitzmaulnashörner; ein Jahrzehnt zuvor waren es 2 400 – in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts dagegen 65 000. In einem von Artenschützern heftig kritisierten Beschluss genehmigten die Mitgliedsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens 2004 Jagdquoten für Spitzmaulnashörner: Danach dürfen Namibia und Südafrika jährlich fünf bzw. zehn Spitzmaulnashörner von Trophäenjägern erschießen und exportieren lassen.
| 4. | Systematische Einordnung |
Nashörner bilden die Familie Rhinocerotidae. Die wissenschaftliche Bezeichnung des Indischen Panzernashorns lautet Rhinoceros unicornis, das Javanashorn heißt Rhinoceros sondaicus und das Sumatranashorn Dicerorhinus sumatrensis. Das Spitzmaulnashorn wird Diceros bicornis genannt und das Breitmaulnashorn Ceratotherium simum.