Delphine
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Delphine
3. Verhalten und Fortpflanzung

Da Delphine sehr schnell schwimmen, können sie ihre Beute leicht einholen. Delphine folgen Fischschwärmen in Gruppen (Schulen) unterschiedlicher Größe. Manche Arten, beispielsweise der Weißstreifendelphin des Pazifik, bilden Schulen, deren Größe auf Zehntausende von Tieren geschätzt wird. Weniger gesellige Arten wie der Große Tümmler bilden kleine Trupps aus wenigen Tieren.

Delphine besitzen durch die Sonarortung eine der erstaunlichsten Sinnesleistungen im Tierreich. Zur Orientierung senden sie hochfrequente Ortungslaute aus, die vom Menschen als Klicklaute wahrgenommen werden können. Die Klicklaute werden wahrscheinlich im Bereich des oberen Nasenganges erzeugt und von einem ölgefüllten Organ, das direkt unter der Atemöffnung liegt, rund 300-mal pro Sekunde ausgestoßen. Die Echos werden im hinteren Bereich des Unterkiefers empfangen und ins Mittelohr geleitet. Dieses Echolotsystem ist dem der Fledermäuse ähnlich. Es ermöglicht Delphinen, zwischen Artgenossen und größeren Objekten zu unterscheiden, Hindernisse zu umgehen und sogar Fischarten, Tintenschnecken und kleine Garnelen zu orten. Delphine rufen genau in der Tonhöhe, für die Heringsfische besonders sensibel sind. Delphinlaute können daher offensichtlich den Hörapparat der Fische schädigen, so dass diese orientierungslos werden und leicht zu erbeuten sind.

Daneben verfügen Delphine über weitere Lautäußerungen, die der innerartlichen Kommunikation dienen. Vom Großen Tümmler sind mehrere Dutzend unterschiedliche Laute bekannt. Das Gehirn der Delphine ist weniger hoch entwickelt als man früher annahm. Zwar sind in Delphinarien gehaltene Delphine recht lernfähig und beherrschen schon nach kurzer Übungszeit akrobatische Kunststücke. Ihre relativ zellarme Hirnrinde ist jedoch wenig differenziert und einfacher gebaut als die landbewohnender Säugetiere. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass Delphine – ebenso wie Menschenaffen – ihr Spiegelbild identifizieren können: Man markierte Versuchstiere mit einem Farbklecks, woraufhin sich diese beim Betrachten ihres Spiegelbildes so drehten, dass sie den Klecks erkennen konnten. Nach Ansicht der Forscher kann man daraus die Existenz eines Ich-Bewusstseins der Delphine ableiten (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2001).

Die Weibchen des Großen Tümmlers, der am besten untersuchten Art, werden mit fünf bis zwölf Jahren geschlechtsreif, die Männchen mit 9 bis 13 Jahren. Die Paarung findet im Frühjahr statt; nach einer Tragzeit von elf bis zwölf Monaten wird ein einzelnes Kalb geboren. Die Neugeborenen können wenige Minuten nach der Geburt schwimmen und atmen; sie werden etwa 18 Monate gesäugt. Sie folgen der Mutter im Abstand von zumeist etwa 10 bis 30 Zentimetern, wobei sie den von der Mutter erzeugten Sog nutzen, der den Wasserwiderstand erheblich verringert. Die Jungen lernen von ihren Müttern offenbar auch neu erworbene Verhaltensweisen: Vor der westaustralischen Küste wurden Große Tümmler beobachtet, die ihr Maul bei der Nahrungssuche am Boden mit einem Schwamm – offenbar gegen Seeigelstacheln – schützen. Dieses wahrscheinlich vor längerer Zeit von einem Weibchen erfundene Schutzverhalten wird vermutlich innerhalb einer Verwandtschaftsgruppe von Generation zu Generation weitergegeben (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2005).