Regenwald
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Regenwald
10. Einfluss des Menschen

Eine Vielzahl natürlicher und vom Menschen ausgelöster Faktoren beeinflusst die Regenwälder. Natürliche Faktoren wie Gewitter, Stürme und Pflanzenkrankheiten haben einen vergleichsweise geringen Einfluss. Dramatische Folgen hat dagegen die vom Menschen betriebene Zerstörung durch Holzfällen, Straßenbau, Bergbau und groß angelegte Rodungen zur Gewinnung von Weideland und Plantagen sowie der Brandrodungsfeldbau.

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wird die großflächige Abholzung von Regenwaldflächen rasant beschleunigt. Im Amazonasgebiet etwa wurde der Regenwald größtenteils für riesige Rinderfarmen und ehrgeizige Regierungsprogramme wie die Kolonisierung entlang der Transamazônica gerodet. In Südostasien, z. B. in Neuguinea, wird von japanischen Firmen die Abholzung ähnlich radikal betrieben. Die Verarbeitung des geschlagenen Holzes etwa zu Verpackungsmaterial steht im krassen Gegensatz zum Wert dieser unberührten Waldgebiete und ist symbolisch für die ganze Regenwaldproblematik: Die kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen kapitalkräftiger Fremdfirmen entscheiden über das Schicksal von Regenwaldbeständen, die in sehr langen Zeiträumen entstanden sind, deren Wert für die Menschheit noch nicht einmal abschätzbar ist und die überhaupt nicht oder nur in sehr langen Zeiträumen wiederherstellbar sind. Häufig werden die Firmen von den Regierungen der jeweiligen Länder unterstützt, in denen der Regenwald vorkommt, doch können diese Staaten nur kurzzeitige Vorteile aus solchen Wirtschaftsbeziehungen ziehen. Die mangelnde Aufklärung der lokalen Bevölkerung, die oft zu Billigstlöhnen an der Abholzung mitwirkt und keinen Anlass zum Schutz ihres Regenwaldes sieht, verschärft die Problematik.

Die Abholzungsrate tropischer Wälder lässt sich schwer beziffern – wahrscheinlich liegt sie bei mehr als 100 000 Quadratkilometern jährlich, die zerstört oder ernsthaft geschädigt werden. Einige einzigartige Regenwälder wurden bereits fast vollständig zerstört. Beispielsweise sind heute nur noch weniger als 2 Prozent des ursprünglichen subtropischen Regenwaldes an der Atlantikküste Südostbrasiliens erhalten. Viele Gebiete im tropischen Westafrika unterliegen bereits seit langer Zeit einer solch intensiven Nutzung ihrer Edelhölzer, dass dort nur noch wenige intakte Urwaldreste verblieben sind.

Die Zerstörungsrate des tropischen Waldbestands durch Brandrodung und Abholzung erreichte Mitte der neunziger Jahre die hohen Werte der siebziger Jahre, nachdem sie zuvor mehrere Jahre rückläufig war. Dies ergab die Auswertung von Satellitenbildern der brasilianischen Amazonasregion. Auch Beobachtungen der Entwicklung des afrikanischen und asiatischen Regenwaldes zeigen den alarmierenden Rückgang der Waldflächen in den inneren Tropen.

Das ökologische Gleichgewicht ist auf den entwaldeten Flächen nachhaltig geschädigt. Um den dramatischen Rückgang der von tropischem Regenwald bedeckten Fläche zu bremsen, führte der WWF in Zusammenarbeit mit der Holzindustrie ein Zertifikat für Tropenholz ein, das in nachhaltiger Waldbewirtschaftung gewonnen wurde. Das so genannte FSC-Label (Forest Stuartship Council) wird an Tropenwaldnutzer vergeben werden, welche die Strategie der nachhaltigen Waldbewirtschaftung berücksichtigen. Regelmäßige Kontrollen auch durch Auswertung von Satellitenbildern sollen die Einhaltung der Vorgaben gewährleisten.

Detaillierte Auswertungen von Satellitenbildern veranlassen manche Forscher zu dem Schluss, dass die Schädigung der Baumbestände tropischer Regenwälder insgesamt so weit fortgeschritten ist, dass man sich auf den Schutz noch unberührter Wälder konzentrieren und wenigstens diese den ökonomischen Interessen entziehen sollte.

Das Wissen von der Vielfalt des Regenwaldes und seiner Ökologie ist offenbar noch zu wenig verbreitet, um jenes politische und gesellschaftliche Bewusstsein zu schaffen, das die fortgesetzte Zerstörung verhindern könnte. Seit den siebziger Jahren wurde eine Reihe nationaler und internationaler Organisationen gegründet, die sich mit dem Schutz der Regenwälder beschäftigen. Darüber hinaus wird nach wirtschaftlichen Alternativen gesucht, mit denen sich die weitere massive Abholzung verhindern lässt. Von der Lösung dieser Frage wird der Erhalt der noch verbliebenen Regenwälder entscheidend abhängen.