Regenwald
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Regenwald
3. Regenwaldtypen

Es gibt eine große Vielfalt verschiedener Regenwaldtypen. Eine einfache Klassifizierung dieser Typen ist kaum möglich, da Überschneidungen der strukturellen und ökologischen Charakteristika die Regel sind und eine Typenabgrenzung erschweren. Zudem gibt es verschiedene „Schulen” in den einzelnen Ländern, deren Kriterien für die Klassifizierung voneinander abweichen. Als Hauptmerkmale für die Einteilung in Typen verwendet man gewöhnlich Klima, Höhenlage und Breitengrad, entweder jeweils allein oder in unterschiedlicher Kombination. Eine Feineinteilung erfolgt aufgrund der Artenzusammensetzung der Vegetation. Eine vierteilige Klassifizierung erscheint sinnvoll, um sich einen ersten Überblick über die Haupttypen der Regenwälder zu verschaffen.

1. Tropischer Tieflandregenwald

Der tropische Regenwald ist eine Pflanzenformation aus überwiegend breit- und dünnblättrigen, immergrünen Pflanzen, die in den warmen und feuchten Flachlandgebieten der Tropen vorkommt. Holzpflanzen dominieren, Nadelgehölze fehlen praktisch völlig. Die wichtigsten Vorkommen liegen im Amazonasgebiet, in Teilen Zentralamerikas, im Kongobecken und dem tropischen Westafrika, in Südwestindien sowie großen Teilen Südostasiens. Der prägende Faktor für das Auftreten dieser Regenwälder liegt in der Kombination der für das Pflanzenwachstum besonders günstigen Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse, wobei allerdings lokal auch andere Faktoren, insbesondere der Bodentyp, von Bedeutung sein können. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Schnitt zwischen 1 500 und 4 000 Millimetern, und die Durchschnittstemperatur schwankt zwischen 25 und 35 °C. Entscheidend ist, dass es keine ausgeprägte Trockenzeit gibt. Insgesamt treten Wassermangel oder wuchshemmende Temperaturen (Frost bzw. wüstenhafte Hitze) so gut wie nie auf. Die in der obersten Baumschicht vorkommenden Gewächse zeigen allerdings teilweise Anpassungen wie verdickte Blattoberflächen oder Wasserspeicherorgane, die sie vor Wasserverlusten durch die hohe Verdunstung aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung schützen. Der tropische Tieflandregenwald ist äußerst artenreich, vielfältig strukturiert und spiegelt komplexe Anpassungsphänomene und spezifische Wechselwirkungen zwischen Tieren und Pflanzen bzw. Pflanzen und Pilzen. Ein Großteil des Lebens spielt sich in der Kronenregion ab, die bisher noch wenig erforscht ist. Die Schichtung umfasst immer mindestens drei, häufig sogar fünf Baumstockwerke. Auf den Bäumen wachsen Schlingpflanzen und Epiphyten oft in großer Zahl. Aus der Vogelperspektive wirkt das obere Kronendach geschlossen, so dass zum Waldboden nur wenig Licht durchdringt.

2. Monsunwald

Der in den von Monsunen beeinflussten Regionen verbreitete regengrüne Monsunwald stellt eine Übergangsform zwischen den eigentlichen Regenwäldern und den stärker durch längere Trockenzeiten geprägten Waldbeständen dar. Die hier etwas kürzere Trockenzeit bedingt eine Wachstumspause der Pflanzen, während der manche ihr Laub abwerfen. Die Blütezeit vieler Arten liegt zu Beginn oder am Ende dieser Trockenperiode. Die meisten Monsunwälder wachsen unterhalb einer Höhe von 1 000 Metern über dem Meeresspiegel. Im Allgemeinen sind sie niedriger als die tropischen Tieflandregenwälder, außerdem ist das Kronendach weniger dicht, also lichtdurchlässiger, was ein üppiges und artenreiches Unterholz ermöglicht. Lianen sind auch hier häufig artenreich vertreten. Aufgrund der saisonalen Trockenheit sind Monsunwälder während dieser Zeit relativ leicht entflammbar. Sie werden oft angezündet, um Anbauflächen zu gewinnen. Nach dem Auflassen der Flächen entwickeln sich daraus meist Savannen oder dünn bestockte Sekundärwaldgebiete. Monsunwälder sind besonders in Süd- und Südostasien anzutreffen, so z. B. in Indien, Indochina und Thailand. Typisch für die dort herrschenden Klimaverhältnisse ist eine Trockenzeit von vier bis fünf Monaten Dauer. Monsunwälder sind auch in Afrika weit verbreitet, seltener jedoch in Süd- und Mittelamerika. Charakteristische Bäume der asiatischen Monsunwälder sind z. B. Teak- und Ebenholzbäume, in Südasien beherbergen die letzten erhaltenen Bestände Tiger und Indische Elefanten.

3. Subtropischer Regenwald

Im Osten Australiens, in Südostasien und an der Ostküste Südamerikas erstreckt sich ein immergrüner Regenwald bis in subtropische Regionen. Beispielsweise befindet sich an der Küste südlich von Rio de Janeiro ein Regenwald. Die Stadt liegt fast am Wendekreis des Steinbocks und damit direkt an der Grenze zwischen Tropen und Subtropen. Im Allgemeinen sind subtropische Regenwälder den tropischen Tieflandregenwäldern im Aufbau recht ähnlich. Allerdings sind sie meist weniger artenreich und um so niedriger, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Auch die Zusammensetzung der Flora und Fauna ändert sich deutlich. Teilweise sind auch einzelne Nadelgehölze vertreten, die Zahl der Lianen und Epiphyten dagegen nimmt deutlich ab. Auch pflanzengeographische Beziehungen werden deutlich. So ähnelt etwa der subtropische Regenwald an der Ostküste Australiens im Bundesstaat Queensland dem der indomalaiischen Region stark, nimmt jedoch nach Süden allmählich immer mehr Florenelemente der Bundesstaaten New South Wales und Victoria auf.

4. Tropischer Gebirgsregenwald und Nebelwald

Tropische Bergwälder verändern mit zunehmender Höhe sowohl ihre Artenzusammensetzung als auch ihr Erscheinungsbild ganz erheblich, ähnlich wie dies auch in den mittleren Breiten der Fall ist. Der auch von der geographischen Lage abhängige Wandel des Klimas bei zunehmender Höhe – u. a. die Menge und jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge sowie Temperatur- und Windverhältnisse – ist der für die Vegetation wichtigste Faktor. So nimmt beispielsweise die mittlere Temperatur in den tropischen Gebirgen pro 100 Meter Höhenanstieg um 0,4 bis 0,7 °C ab; Nachtfrost ist bei entsprechender Höhenlage selbst in Äquatornähe nicht selten. Die Niederschläge nehmen mit der Höhe zunächst allgemein zu, dann oberhalb der Höhenstufe, in der sich die Wolken bilden und vom Wind gegen die Berghänge getrieben werden, jedoch rasch ab.

Tropische Gebirgsregenwälder schließen sich nahtlos an die immergrünen Tieflandregenwälder an, die bis auf eine Höhe von etwa 1 000 Metern über dem Meeresspiegel reichen. Die Obergrenze des Gebirgsregenwaldes liegt meist bei 2 500 Metern Höhe. Diese obere Grenz ist jedoch sehr variabel, da sie jeweils vom örtlichen Klima abhängt. Oberhalb von etwa 2 500 Metern bis hinauf auf 4 000 Meter Höhe, in der Nähe der Waldgrenze, sind die Berghänge häufig von Nebelschwaden und Wolken verhüllt. Die dadurch zusätzlich vorhandene Feuchtigkeit schlägt sich in einer charakteristischen Vegetation nieder, dem Nebel- oder Wolkenwald.

Die bis in die Subtropen hinein verbreiteten tropischen Gebirgsregenwälder sind insgesamt artenärmer und niedriger als die Tieflandregenwälder, aber sehr dicht. Sie haben über die rein tropische Flora hinaus auch Anteil an vielen Arten, die aus Pflanzengruppen der gemäßigten Zonen hervorgegangen sind.

Mit zunehmender Höhenlage werden die Bäume knorriger und gedrungener im Wuchs, auch die Blattgröße verringert sich, erste Anpassungserscheinungen an tiefere Temperaturen und zeitweise intensive Strahlung treten auf. Stämme und Äste sind von unzähligen Laub- und Lebermoosen, Farnen und anderen Epiphyten, die alle eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen, dicht überwuchert. In der Strauch- bzw. Krautschicht – die hier im Unterschied zu den Tieflandregenwäldern deutlicher ausgeprägt ist – zählen ebenfalls Farne und insbesondere Baumfarne zu den dominierenden Elementen sowie je nach Gebiet auch verschiedene Bambusarten. Tropische Gebirgsregenwälder und Nebelwälder treten in allen tropischen Hochgebirgen auf, etwa auf den hohen Vulkankegeln Südostasiens und Ostafrikas, an der östlichen Flanke der Anden und auf hohen Inseln im Pazifik.