Buddhismus
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Buddhismus
5. Die Gemeinde
1. Mönche, Nonnen und Laien

Der Sangha, das dritte Juwel, ist die Gemeinschaft derer, die der buddhistischen Tradition gemäß leben, die Überlieferung hüten sowie das Erkannte in die Tat umsetzen. Der Sangha ist vierfach in Mönche (Bhikshu), Nonnen (Bhikshuni), Laienanhänger (Upasaka) und Laienanhängerinnen (Upasika) gegliedert. Das Rückgrat des Buddhismus bildet der Sangha im engeren Sinn, der zweifache Orden, insofern er die Überlieferung unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben hat. Aber dem Laienelement kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu, da die Laien die Mönche und Nonnen durch Almosengaben ernähren, womit sie für sich selbst gutes Karma erwerben. Außerdem waren es die Laien, die die buddhistischen Ideale in die Gesellschaft trugen und damit die Voraussetzung für die kulturelle Gestaltungskraft des Buddhismus schufen.

Allerdings entstand damit auch eine Art zweistöckiger Gesellschaft: Mönche und Nonnen erfüllen Gelübde, streben durch Weisheit direkt zum Nirwana, die Laien tun gute Werke, streben nach einem guten Karma für eine bessere Wiedergeburt, aus der sie zum Nirwana gelangen. Die Unterscheidung bedeutet nicht, dass die Lehre des Buddha als Weg zum Nirwana nicht für alle Menschen gleich wäre; jedoch besitzen die Menschen dieser Auffassung gemäß karmisch bedingte unterschiedliche Voraussetzungen, weshalb die eine Lehre verschieden gelebt werden muss.

2. Ethik

Leitmotiv der gesamten buddhistischen Ethik sind die liebevolle Freundlichkeit, (Maitri), Güte, Milde und barmherzige Hinwendung zu allen Wesen (Karuna). Für die Laien wird diese Ethik in den fünf grundlegenden moralischen Regeln zusammengefasst, die ohne Einschränkung gelten: 1. Gewaltverzicht gegenüber Lebewesen; 2. Verzicht auf das, was nicht gegeben wird; 3. keine Pflege unheilsamer (von Begierde geprägter) sexueller Beziehungen; 4. Wahrhaftigkeit; 5. Vermeidung von Rauschmitteln.

Die buddhistische Ethik besteht aber nicht allein in negativ gefassten Gedanken, Worten und Handlungen: Unabdingbar gehört auch die Kultivierung heilsamen Denkens, gütiger Sprache und positiver Taten dazu. So bedarf der Gewaltverzicht gegenüber allen Lebewesen der positiven Füllung, der heilenden Hinwendung zu diesen. Der Überwindung der Begehrlichkeiten entspricht die Empfehlung der Freigebigkeit, der Enthaltsamkeit wiederum die Pflicht, alle Beziehungen aus gegenseitigem Respekt heraus zu gestalten. Der sprachlichen Zurückhaltung, was Wahrhaftigkeit vor allem meint, ist die milde und freundliche Rede adäquat, der Vermeidung von Rauschmitteln die unablässige Übung, die Klarheit des Bewusstseins zu kultivieren.

Die Regeln für Mönche und Nonnen gehen wesentlich über die fünf Grundregeln für Laien hinaus. Es gibt 227 Regeln für die Mönche und 311 Gebote für die Nonnen, die alle Details des Alltags regeln.

3. Meditation

Durch das sittliche Verhalten schaffen Mönche, Nonnen und Laien die Voraussetzungen für ihre meditative Praxis. Buddhistische Meditation meint Versenkung des Bewusstseins, die Vereinheitlichung der oberflächlichen, disparaten und einander widerstrebenden Bewusstseinsbewegungen zu einem ruhigen Strom. Die Motivation zur Ausdauer in der Übung entwickelt sich einerseits durch die Analyse der Vergänglichkeit und Leidhaftigkeit des Daseins, andererseits durch die Erkenntnis, dass die Wiedergeburt als Mensch selten und kostbar ist und die Möglichkeit hierzu deshalb klug genutzt werden muss.

Die Praxis der Meditationsübung hat in der Geschichte des Buddhismus erhebliche Veränderungen erfahren und die unterschiedlichsten Techniken und Systeme hervorgebracht. Die Grundlage für alle Meditationssysteme ist jedoch die Achtsamkeitsmeditation, die immer noch die wesentliche Übung darstellt. Die Meditation ist keineswegs nur bildlos und abstrakt, sondern hatte immer auch visionären Charakter. So geht es zum Beispiel in der Liebende-Güte-Meditation darum, alle Himmelsrichtungen mit liebender Güte zu durchdringen und für alle Wesen Barmherzigkeit auszustrahlen. Dies geschieht so, dass man sich zunächst an einem Punkt innerhalb des eigenen Körpers die betreffende Energie bildhaft und so lebendig wie möglich vorstellt; dann wird diese innere Empfindung ausgedehnt, wobei sich das begrenzte Ich-Gefühl mit auflöst. Diese Bewusstseinsstrahlung ist als solche aktiv und in der Welt wirksam; darüber hinaus wird das in der Meditation Imaginierte allmählich zur charakterlichen Grundhaltung des Übenden, der nun auf dieser Grundlage handelt.

Auf dem spirituellen Weg gibt es fünf Haupthindernisse: Sinnliche Begierde, Hass, Trägheit, Ichhaftigkeit und Geringschätzung anderer, Zweifel am rechten Weg. Sie führen zum Anhaften, von dem es frei zu werden gilt. Aus der Freiheit entsteht dann Ruhe, aus der Ruhe erwächst Freude, auf der Grundlage der Freude wird die echte Konzentration möglich.

Ziel aller Übung ist die Weisheit, die vor allem in der Erkenntnis des Entstehens in gegenseitiger Abhängigkeit besteht. Die Weisheit drückt sich aus in den Vier Edlen Wahrheiten, der Lehre von den fünf Daseinsfaktoren, dem Achtfachen Pfad sowie in der Lehre von der Leerheit (Shunyata) aller Erscheinungen. Wird diese Weisheit vollkommen erlangt, ist Befreiung erreicht. Im Mahayana wird die Weisheit als weibliche Gottheit visualisiert und zum wichtigsten Symbol allen geistigen Strebens.

4. Kult und Ritual

Das Begehen des Edlen Achtfachen Pfades und die Übung der Meditation sind höchst anspruchsvoll, für viele Menschen zu anspruchsvoll. Für sie gibt es den Heilsweg des Kultes und des Rituals. Hierher gehören die Reliquienverehrung, die Errichtung von Stupas, die Herstellung von Buddhabildern, das Darbringen von Blumen und Räucherwerk und das Musizieren an Andachtsstätten. Damit halten Kult und Volksfrömmigkeit, Götter und Dämonen, Himmel und Hölle, die für den Buddha Shakyamuni belanglos waren, wieder Einzug in das religiöse Leben. Puristen sehen darin ein Zugeständnis an die Massen und eine illegitime Veräußerlichung der Lehre. Aber gerade der tibetische Buddhismus, der mit seinen tantrischen Elementen in dieser Hinsicht am weitesten geht, kann zugleich zeigen, dass es sich nicht um bloße Veräußerlichung handeln muss, sondern dass dieses Äußere als unersetzlicher Träger subtilster esoterischer Wahrheit dienen kann.

Nicht zu vernachlässigen ist außerdem, dass die scheinbaren Äußerlichkeiten der Volksfrömmigkeit zur Schaffung von Stupas, Tempeln, Pagoden, Plastiken und Buddha-Bildern von höchster künstlerischer Qualität führten. Kunst, Kult und Ritual sind gewissermaßen die spiegelbildliche Antwort der Menschen auf den Impuls, den der Religionsstifter ausgesandt hat. Sie zeigen anschaulich und damit oft genauer, welchen Stellenwert bestimmte Motive und Erzählkomplexe für die Frömmigkeit der Menschen haben, und geben Aufschluss über die emotionalen Dimensionen einer Religion.

5. Religion und Politik: Mönchsorden und Staat

Schon in der frühen Geschichte des Buddhismus suchten die weltlichen Herrscher Rat bei den Mönchen, und der Sangha wurde im Gegenzug mit Schenkungen und Privilegien belohnt. Da die predigenden Mönche oft auch als Volkserzieher wirkten, gewannen sie einen nicht unerheblichen politischen Einfluss. Es entwickelte sich das Modell einer Balance der zwei Räder des Dharma: das Rad der weltlichen Herrschaft und das Rad der geistigen Befreiung, die zwar getrennt sind, aber miteinander kooperieren wie die zwei Räder an einer Achse. Wo buddhistische Herrscher weltliche und geistliche Gewalt an sich zu ziehen versuchten, kam es immer wieder zu mönchischen Protestbewegungen – getragen meist von so genannten Waldmönchen, die sich von den Machtzentralen fernhielten, die Könige und die Korruption in den Städten kritisierten und demgegenüber den Rückzug zur Meditation in die Einsamkeit zum Programm erhoben.