Buddhismus
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Buddhismus
7. Gegenwart und Zukunft
1. Buddhismus im Westen

Im 19. Jahrhundert übte der Buddhismus als Alternative zu einer christlichen Religion und bürgerlichen Gesellschaft auf Intellektuelle in Europa und Amerika eine erhebliche Anziehungskraft aus. Dieses zunächst intellektuelle akademische Interesse am Buddhismus wurde von einer existentiell-meditativen Suche nach neuen Lebensformen abgelöst, die in der Begegnung mit japanischen Zen-Meistern und tibetischen Lamas Unterstützung fand. Das Ereignis, das dem Buddhismus in Amerika zum Durchbruch verhalf, war das Weltparlament der Religionen von 1893 in Chicago, auf dem die Buddhisten zahlreich vertreten waren. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts protestierte die so genannte Beat-Zen-Generation gegen die materialistische Kultur und das Spießertum der westlichen Welt. In den achtziger Jahren gründeten japanische Zen-Linien zahlreiche Zentren in Amerika und bildeten auch westliche Zen-Meister aus. Neben dem Zen ist der tibetische Buddhismus die zweite große buddhistische Tradition, die sich in Amerika institutionalisieren konnte. Als der 14. Dalai-Lama 1959 vor den chinesischen Invasoren ins indische Exil floh, folgten ihm viele Lamas, von denen einige sich in Amerika und Europa niederließen. In Deutschland kam es nach 1945 zu zahlreichen Neugründungen von buddhistischen Basisgruppen und Zentren, die sich 1955 zur Deutschen Buddhistischen Gesellschaft zusammenschlossen. Aus ihr wiederum ging 1958 die Deutsche Buddhistische Union als Dachverband hervor.

Seit den siebziger Jahren gibt es bewusste Bestrebungen, die buddhistische Bewegung den europäischen Gegebenheiten anzupassen; dazu gehören etwa die gleichwertige Bedeutung von Laien und Mönchen bzw. Nonnen, die Gleichberechtigung der Frauen, eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Lehre des Buddha Shakyamuni jenseits der kulturellen Besonderheiten in den verschiedenen asiatischen Formen sowie ein verstärktes soziales und politisches Engagement im Sinne des Bodhisattva-Ideals.

2. Engagierter Buddhismus

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelten Laien und Mönche in Japan unter dem Stichwort eines buddhistischen Sozialismus ein soziales Engagement, das auf der Grundlage der buddhistischen Ethik auf die sozialen Verwerfungen der Modernisierung antworten sollte; in Thailand erregten die so genannten Entwicklungsmöche Aufmerksamkeit. Thich Nath Hanh, ein 1926 in Vietnam geborener Zen-Mönch, wurde zum Inspirator der Bewegung Engagierter Buddhisten, und 1989 wurde von Laien, Mönchen und Nonnen aus elf Ländern das Internationale Netzwerk Engagierter Buddhisten gegründet.

Die Synthese von buddhistischer Spiritualität und verantwortungsethischem Engagement sowie von buddhistischer Philosophie und westlicher Sozialethik gibt dem Buddhismus im Westen ein spezifisches Gepräge. Möglicherweise ist der Buddhismus damit weltweit in eine neue Phase seiner Entwicklung eingetreten, die vielleicht eine neue Drehung des Rades der Lehre bedeutet.