Buddhismus
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Buddhismus
3. Buddhas und Bodhisattvas

Im frühen Buddhismus war Siddharta Gautama lediglich der irdische Lehrer des Dharma. Im Mahayana hingegen wurde er als gleich-ewig mit dem Dharma betrachtet. Demnach war der Buddha, der überirdisch schon immer existiert hatte, auf Grund seiner Barmherzigkeit als Lehrer auf der Erde erschienen, um die unwissenden Menschen zu befreien: Eine Konzeption, die ursprünglich wohl nur seine herausragende Bedeutung für alle Lebewesen unterstreichen sollte, wurde immer mehr zu einer Frage der Bestimmung des universalen und ewigen Wesens, das in dieser Weltperiode als Buddha aus dem Geschlecht der Shakyas erschienen war. Auf diese Weise entstand eine Vorstellung vom Wesen des Buddha, eine Buddhologie, die sich in der Trikaya-Lehre (der Lehre von den drei Körpern des Buddha) entfaltete. Entsprechend dem indischen Zeitverständnis, wonach unserem Zeitalter unendlich viele Zeitalter vorangegangen sind und noch viele folgen werden, verband sie das historisch Besondere mit dem transzendenten Allgemeinen, und erklärte, wie sich die Vielzahl von Buddhas zu dem einen unwandelbaren Dharma verhält.

Auch das Mahayana gründet auf den Lehren des Buddha, aber nicht auf der Predigt des Siddharta Gautama; Autor der autoritativen Sutras des Mahayana ist vielmehr der Buddha in seiner trans-historischen Gestalt. Beim Vortrag dieser Sutren ist er umgeben von Scharen himmlischer Wesen; der Ort der Verkündigung wird zu einem Schauplatz kosmischer Manifestation. Die Verkündigung findet statt in einer feinstofflich-transzendenten Dimension: die Sutras sind Verkörperung der höheren Form der Lehre des Buddha, die im Pali-Kanon in weniger entwickelter Gestalt vorliegt. Demnach schien es nur so, als wäre der Buddha Shakyamuni ein historischer, bedingter, leidender Mensch gewesen: in Wirklichkeit war er leidlos, universal und ewig. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Ewigkeitskörper bzw. ewigen Wahrheitskörper, dem Erscheinungskörper im Grobstofflichen, Irdischen und dem Seligkeitskörper auf der feinstofflichen Zwischenebene, der dem Meditierenden visionär erscheinen kann.

Mit dieser Buddhologie verbindet sich im Mahayana ein neues Heiligkeitsideal, der Bodhisattva (Erleuchtungswesen). Im älteren Buddhismus ist ein Bodhisattva ein Mensch, der unterwegs ist zur Erleuchtung. Im Mahayana ist ein Bodhisattva jemand, der die Erleuchtung erreicht hat, aber auf den sofortigen Eintritt ins Nirwana verzichtet, um allen Wesen zu helfen; in grenzenlosem Mitleid nimmt er sogar das Leid anderer auf sich. Nach seinem Tod existiert er in einem Zwischenreich, in dem er für Hilfe suchende Gläubige erreichbar ist und angerufen werden kann; entscheidet er sich für eine Wiedergeburt, sucht er jenen Körper aus, in dem er den Menschen am besten die Lehre und das Heil vermitteln kann. Wie es unzählige Buddhas gibt, so existieren in der Vorstellung des Buddhismus auch unzählige Bodhisattvas mit den unterschiedlichsten Hierarchien und Zuordnungen. Eines dieser Schemata ist die Lehre von den fünf transzendenten Buddhas, denen fünf Bodhisattvas und fünf menschliche Buddhas zugeordnet sind, die ihrerseits jeweils einem Element und einem Daseinsfaktor entsprechen. Einer dieser fünf Buddhas ist der Buddha Amitabha bzw. Amida, der Buddha der Schulen des Reinen Lands; sein Bodhisattva ist Avalokiteshvara, die Verkörperung des Großen Erbarmens, der sich im Dalai-Lama des tibetischen Buddhismus reinkarniert. Nach diesem Schema war Buddha Shakyamuni der vierte Buddha auf Erden: Nach ihm wird sich mit Buddha Maitreya der fünfte und letzte irdische Buddha manifestieren, eine Verkörperung der allumfassenden Liebe, der im Tushita-Himmel auf die Zeit seiner Wiederkunft wartet.