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| 3. | Die toten Seelen (1842) |
Wurde im Revisor der Einfluss Molières deutlich, so ließ sich Gogol in Mertvye duši (1842; Die toten Seelen) u. a. von den Werken Miguel de Cervantes’, Laurence Sternes und Henry Fieldings inspirieren. Strukturell sollte die Dreiteilung von Dantes Göttlicher Komödie (Verdammnis – Läuterung – Erlösung) ein Vorbild sein. Der Plan wurde nicht ausgeführt, da nur ein Teil des Romans fertig gestellt werden konnte. Trotz aller literarischen Verweise gelang es Gogol, mit seinem Meisterwerk auch sprachlich innovativ und eigenständig zu bleiben: Der Roman ist eines der beeindruckendsten Erzählepen des 19. Jahrhunderts. Die anekdotische Grundidee der Toten Seelen, die Gogol wiederum von Puschkin übernahm, ist denkbar einfach: Der Kollegienrat Pawel Iwanowitsch Tschitschikow, ein ehrgeiziger und skrupelloser Abenteurer, reist durch die russische Provinz, um von Großgrundbesitzern Eigentumsrechte an kurz zuvor verstorbenen Leibeigenen aufzukaufen: „tote Seelen”, die von den sporadisch aktualisierten Steuerlisten noch nicht gestrichen sind. Tschitschikows Plan zielt darauf ab, sein derart erworbenes Eigentum als Sicherheit für Kredite einzusetzen, um ein Gut mit „lebenden Seelen” aufzubauen.
Tatsächlich nutzt Gogol die weiten Reisen seiner Hauptfigur, um ein breit angelegtes Panorama der russischen Gesellschaft zu entwerfen. In grotesker Überspitzung präsentiert er Grundbesitzertypen und Beamte, deren Habgier und Stumpfheit in skurrilen Szenen offensichtlich werden. So wird das feudale System der Leibeigenschaft als abgelebt und längst überholt porträtiert. Die eigentlichen „toten Seelen” sind nicht unter den Verstorbenen, sondern unter den Lebenden zu finden. 1948 schuf Marc Chagall 100 Radierungen zu dem Buch. Leonid Trauberg besorgte eine Literaturverfilmung (1960). 1977 kam Rodion Konstantinowitsch Schtschedrins Oper nach dem Stoff auf die Bühne.