Nikolaj Gogol
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Nikolaj Gogol
4. Der Mantel (1842)

1842 erschien auch Gogols Erzählung Šinel (Der Mantel), deren Protagonist, ein kleiner Petersburger Büroschreiber, am Verlust seines neuen Kleidungsstücks – Symbol von Prestige und Sicherheit ebenso wie von nahezu erotischem Begehren – zerbricht. Bedeutend an dieser Novelle ist sowohl das von Gogol gewählte Erzählverfahren, welches teilweise mündliche Rede imitiert (skaz), als auch die Darstellung des komischen Helden, die den Leser zwischen Lachen und mitleidvoller Anteilnahme schwanken lässt. Mit seinem Mantel wurde Gogol zum Wegbereiter der so genannten natürlichen Schule, einer literarischen Strömung, die mit ihren physiologischen Skizzen wiederum den russischen Realismus des 19. Jahrhunderts um Fjodor M. Dostojewskij, Lew Tolstoj, Iwan Turgenjew und Iwan Gontscharow einleitete: „Wir alle kommen von Gogols Mantel her” (Dostojewskij). Bis heute erfuhr die Novelle zahlreiche einander widersprechende – psychoanalytische, theologische, soziologische – Deutungen. Die gelungenste ist wohl die des russischen Formalisten Boris Michailowitsch Eichenbaum, der in seinem Essay Kak sdelana ,Šinel’ Gogolja (1919; Wie Gogols ,Mantel’ gemacht ist) vor allem das gekonnte Wechselspiel zwischen ironisch-distanzierter und mitfühlend-pathetischer Erzählweise betont. Der Mantel wurde 1926 (Sowjetunion) und 1952 (Italien) verfilmt.