Gewerkschaften
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Gewerkschaften
2. Geschichte

Die Gewerkschaftsbewegungen entstanden in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts zu Beginn der Industrialisierung. Um die Interessen der Arbeiter gegenüber den Unternehmen zu sichern und um eine gewisses Maß an Kontrolle über ihre Rolle im Wirtschaftsleben zu erreichen, wurden die ersten Gewerkschaften von ausgebildeten Handwerkern gegründet, die sich noch in Berufsverbänden organisierten. Arbeitgeber und Regierung setzten diesen Zusammenschlüssen der Arbeiterbewegung großen Widerstand entgegen (siehe dazu die Geschichte der Einzelgewerkschaften). Den Arbeitern wurde zunächst überhaupt verboten, sich zusammenzuschließen und damit die Konkurrenz untereinander (zumindest zeitweise) aufzuheben. Später ging man mit Entlassungen und Repressalien gegen Gewerkschaftsmitglieder in den Betrieben vor. Das Sozialistengesetz (1878-1890) in Deutschland richtete sich vor allem gegen gewerkschaftliche Versammlungen und Publikationen. Zwischen SPD und Gewerkschaften bestand eine weitgehende inhaltliche Übereinstimmung. Insbesondere die Gewerkschaften konzentrierten sich ganz auf Verbesserungen innerhalb der bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Sie lehnten politische Streiks ab und zeigten sich bei Beginn des 1. Weltkriegs patriotisch; der Novemberrevolution standen sie ablehnend gegenüber. 1919 bildeten die sozialistischen Gewerkschaften Deutschlands den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), der sich in den zwanziger Jahren für mehr Mitbestimmung einsetzte. Bei der Machtübernahme des Nationalsozialismus konnten sich die Gewerkschaften nicht zu Kampfmaßnahmen durchringen; daraufhin wurden sie vom nationalsozialistischen Staat verboten und durch die Deutsche Arbeitsfront ersetzt. 1949 wurde der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gegründet. Er hat zusammen mit den Einzelgewerkschaften die Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich mitgeprägt.

Gegenwärtig sehen sich die Gewerkschaften in Deutschland mit einem fortschreitenden Mitgliederschwund konfrontiert; immer weniger Arbeitnehmer begreifen offenbar die Gewerkschaftspolitik als ihren Interessen förderlich. Von Arbeitgeberseite her müssen die Gewerkschaften erleben, dass geltende Tarifverträge missachtet, ja Tarifverträge als solche in Frage gestellt werden. Darüber hinaus stieß das gewerkschaftlich forcierte „Bündnis für Arbeit” auf Ablehnung; trotz tarifpolitischer Vorleistungen der Gewerkschaften mochten sich die Arbeitgeber nicht zu Arbeitsplatzgarantien entschließen. Unter Mitverantwortung der Gewerkschaften erreichte die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik den höchsten Stand seit 1945.

Außerhalb Deutschlands waren zeitweise auch syndikalistische und kommunistische Gewerkschaften von Bedeutung. Syndikalistische Gewerkschaften hatten Einfluß in Spanien, Frankreich, Italien und Südamerika. Sie lehnten den Kampf mittels politischer Parteien ab und erstrebten eine Arbeiterselbstverwaltung. Kommunistische Gewerkschaften schlossen sich 1921 zur Roten Gewerkschaftsinternationale zusammen. In Deutschland versuchte die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition (RGO), sich als Alternative zum SPD-nahen ADGB zu etablieren. Nach 1945 wurde in der Deutschen Demokratischen Republik der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) gegründet.