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| 1. | Einleitung |
Kamee, Schmuckstein, auf dem eine erhaben gearbeitete figürliche Darstellung zu sehen ist. Bei der Schneidetechnik des Kamee werden verschiedene, je nach Gesteinsart hoch spezialisierte Gravierwerkzeuge verwendet. Bereits vor etwa 4 000 Jahren waren in Mesopotamien Schneidewerkzeuge bekannt, die aber zumeist zur Herstellung von Intaglien (vertieft eingeschnittene, nicht erhaben gearbeitete Bilder) dienten. Kameen scheinen aber zu Zier- und Schmuckzwecken gearbeitet worden zu sein, da man die erhabene Gravur besser betrachten konnte. Erstmals wurden im antiken Griechenland um 400 v. Chr. Kameen geschnitten und in Ringe und Anhänger gefasst. Zu den verwendeten Steinen gehörten Halbedelsteine wie Achat, schwarzer Onyx und Karneol. Das Muster wurde in die äußerste Schicht geschnitten, gelegentlich arbeitete man aber auch bis zu vier Schichten heraus, damit zahlreiche Farbtöne sichtbar wurden. Als Motiv dienten Menschen, Götter oder mythologische Figuren.
Griechische Künstler brachten im 1. Jahrhundert v. Chr. die Schneidekunst nach Rom. Römische Kameen hatten unterschiedliche Größen, die kleinsten waren etwa einen Zentimeter breit. Ende des Römischen Kaiserreiches kamen die Kameen aus der Mode, die handwerklichen Fähigkeiten, sie herzustellen, verkümmerten, und im Lauf der nächsten 1 000 Jahre wurden nur noch wenige hergestellt. Alte Kameen waren aber als Schmuck- und Sammelobjekte nach wie vor geschätzt und dienten im gesamten Mittelalter als Verzierung für Heiligengräber, Reliquienschreine und Kronen. Man wusste damals kaum etwas über Glaubensinhalte im antiken Griechenland und Rom, so dass die heidnischen Motive auf den Kameen aus christlicher Sicht gedeutet wurden. Zu einer Wiederbelebung der Steinschneidekunst kam es im 14. Jahrhundert in Italien. Häufig benutzte man hellen Chalcedon, eine durchscheinende Quarzart, und verwendete persönliche Insignien oder christliche Symbole. Im 15. Jahrhundert dienten Kameen in Form von Broschen, Anhängern, Ringen und Medaillons zu Schmuckzwecken. Einige Kameen aus dem 16. Jahrhundert, vermutlich von französischen Meistern gefertigt, wurden auf dem Rücken mit Goldlack überzogen.
Im 17. Jahrhundert erhielt das Kameenschneiden neuen Auftrieb durch Meister wie Edward Burch in England, Jacques Guay in Frankreich und Giovanni Pichler in Italien. Geschnitten wurde zumeist mit Hilfe eines Schleifsteins, den man mit einer Mischung aus Olivenöl, Schmirgel und Diamantstaub befeuchtete. Beliebtes Motiv war nach wie vor das Porträt, doch verwendete man auch historische Motive und allegorische Figuren. Alte Kameen wurden in großer Zahl kopiert, indem man einen Abdruck davon aus Schwefel und Wachs nahm. Im England des 18. Jahrhunderts ahmte man mit dem Steingut von Josiah Wedgwood Kameen nach, und auch Muschelkameen waren sehr begehrt. Deren Ausgangsmaterial stammte in der Regel von Krustentieren aus der Karibik, doch war diese Qualität derjenigen von Steinkameen unterlegen.