Horaz
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Horaz
2. Werke

Die Dichtungen des Horaz – Satiren, Epoden, Oden und Episteln – sind vollständig erhalten. In seinem Frühwerk, den beiden Büchern der Satirae (35 und 30 v. Chr.), behandelte er ethische Fragen und geißelte etwa die zersetzende Kraft des Ehrgeizes, die Dummheit ausschweifender Lebensführung sowie die Gier nach Reichtum und gesellschaftlichem Ansehen. Die von Horaz selbst als „Sermones” (Gespräche) bezeichneten Satirae, Dialoge in Hexametern, verfasste er in Anlehnung an den Satiriker Lucilius, milderte aber dessen moralische Schärfe durch toleranten Humor. Die Epodon liber (Epoden), ebenfalls 30 v. Chr. erschienen, wurden offenbar deutlich früher geschrieben und von Horaz selbst als „Iambi” (Schmähgedichte) betitelt. Sie enthalten eine scharfe Kritik an gesellschaftlichen Missständen und rufen die politischen Gruppierungen dazu auf, die inneren Unruhen zu beenden. Die 17 kurzen Gedichte in Jambenpaaren der Epoden sind dem lyrischen Stil des griechischen Dichters Archilochos nachempfunden.

Zu Horaz’ bedeutendsten Werken der mittleren Schaffensphase gehören seine formal nach den Vorbildern Anakreons, Alkaios’, Pindars und Sapphos verfassten Oden Carmina (Buch I, II und III 23 v. Chr.; Buch IV 17 v. Chr.). In den 88 Texten dieser Sammlung erwies Horaz der von ihm verehrten griechischen Dichtung seine Referenz. Inhaltlich pries er den Frieden, den Patriotismus, Liebe und Freundschaft, den Wein, die Freuden des Landlebens und den einfachen Lebensstil. Darüber hinaus flocht er immer wieder Motive der griechischen und römischen Mythologie in seine Dichtung ein. Die Carmina, die Horaz zum Urvater der römischen Lyrik werden ließ, ist für ihren rhythmischen Wohlklang, ihre gepflegte Ironie und ihre kultivierte Urbanität berühmt. Sie wurde von der englischen Dichtung des 18. und 19. Jahrhunderts, namentlich von Pope und Milton, imitiert. In der deutschen Literatur wirkte sie insbesondere auf Klopstock und Hölderlin.

Um 20 v. Chr. veröffentlichte Horaz das erste Buch seiner Epistulae, 20 in Hexametern verfasste poetische Plaudereien in Briefform, die sich mit sozialen, literarischen und philosophischen Fragen auseinandersetzten. Als Philosoph der von Aristoteles propagierten „goldenen Mitte” befürwortete er zwar die Lehren des Epikureismus, setzte sich aber für deren Mäßigung ein, indem er die Bedeutung tugendhafter Lebensführung heraushob. Als ihn Augustus 17 v. Chr. beauftragte, die Hymne Carmen saeculare für die ludi saeculares (Spiele zur Jahrhundertfeier) in Rom zu schreiben, wandte sich Horaz wieder der lyrischen Dichtung zu. Später entzog er sich zusehends der wachsenden Vereinnahmung durch den Kaiser. In seiner letzten Schaffensphase verfasste Horaz das vierte Buch der Oden (17 v. Chr.) und das zweite Buch der Epistulae (um 13 v. Chr.). Dieses Buch enthielt ursprünglich drei Briefe zum Thema Literatur und Dichtkunst; der dritte, an Piso gerichtete Lehrbrief wurde später von Philologen abgetrennt und gesondert unter dem Titel Ars poetica (Die Dichtkunst) publiziert. Die Ars poetica ist eine poetologische Abhandlung in 476 Versen, die es unternimmt, die Traditionsstränge der antiken Ästhetik zu systematisieren und neu zu definieren. Ausgangspunkt sind auch hier die griechischen Meister. Die Ars poetica hatte über die Antike hinaus bis ins Mittelalter und in die Neuzeit nachhaltige Wirkung.