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Fasten
1. Einleitung

Fasten (von gotisch fastan: [Gebot] festhalten, beobachten, bewachen), zeitlich befristete Enthaltsamkeit von allen oder von bestimmten Speisen und/oder Getränken aus religiösen Gründen, wie sie etwa im Christentum während der Fastenzeiten und im Islam im Ramadan praktiziert wird.

Die Praxis des Fastens ist in den unterschiedlichsten Religionen verbreitet und häufig mit Zeremonien verbunden, so z. B. im Christentum, Judentum, Islam, Konfuzianismus, Hinduismus, Taoismus, Jainismus und in anderen Religionsgemeinschaften. Im Buddhismus werden die Gläubigen zur Mäßigung beim Essen generell aufgefordert, darüber hinaus werden in manchen buddhistischen Ländern, vor allem in Tibet (siehe Lamaismus), bestimmte Fastenzeiten eingehalten.

Religiös motiviertes Fasten ist gewöhnlich mit der Einschränkung der körperlichen Aktivität verbunden, um einen Zustand innerer Ruhe und der Konzentration zu erreichen. Durch den Verzicht auf Nahrung und die Lösung von der Geschäftigkeit des Alltags soll Raum für Gebet und Meditation geschaffen werden. Darüber hinaus gilt Fasten als Ausdruck der Trauer, Reue und Buße, als Mittel der Reinigung von Seele und Körper, zur Bekräftigung der Fürbitte oder gar als Vorbereitung auf einen Exorzismus.

In vielen alten Kulturen war das Fasten ein Teil der Fruchtbarkeitsrituale, die um die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche abgehalten wurden. In engem Zusammenhang damit steht auch das Bußfasten und das Fasten zur Abwendung von Naturkatastrophen wie etwa Dürren. Bei einigen nordamerikanischen Indianervölkern fastete der ganze Stamm, um drohendes Unheil abzuwenden; die Ureinwohnern Mexikos und die peruanischen Inka fasteten, um die Götter, von denen der ganze Lebenszyklus abhing, zu besänftigen. Der völlige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit war bei den nordamerikanischen Indianern der Great Plains z. B. im Rahmen der Visionssuche, des Sonnentanzes und der Geistertanzbewegung verbreitet.

Die Formen des Fastens können sehr unterschiedlich sein: von absolutem Fasten über strenges und mittleres bis hin zu leichtem Fasten. Je nachdem wird dabei auf einzelne Mahlzeiten oder auf als besonders gehaltvoll geltende Nahrungsmittel wie etwa Fleisch, Milchspeisen und Eier, aber auch auf Wein verzichtet. Auch gibt es unterschiedliche Zeiträume: Das Fasten kann auf einen einzigen Tag beschränkt sein, aber auch einen ganzen Monat wie beim muslimischen Ramadan dauern oder 40 Tage wie bei der christlichen Fastenzeit.

2. Fasten in den drei monotheistischen Religionen

Obwohl es in der Thora keine ausdrücklichen Anweisungen bezüglich des Fastens gibt, nahm und nimmt es in der jüdischen Frömmigkeit einen breiten Raum ein, z. B. als Zeichen der Trauer und Buße, in Verbindung mit Gelübden, in Zeiten des intensiven Gebets oder vor wichtigen Entscheidungen. Lediglich als Vorbereitung auf Jom Kippur, den großen Versöhnungstag, wurde zusammen mit dem Gebot der sexuellen Enthaltsamkeit auch ein öffentliches, strenges Fasten eingeführt (Levitikus 16, 29-31). Erst nach der Zerstörung Jerusalems und der Deportation der Juden ins Babylonische Exil 586 v. Chr. wurden vier weitere offizielle Fasttage festgelegt, an denen der Belagerung, Einnahme und Zerstörung Jerusalems sowie der Ermordung des jüdischen Statthalters Gedalja gedacht wurde. Ein weiterer Fasttag ist der Tag vor dem Purimfest. Die Pharisäer fasteten zusätzlich an zwei Tagen in der Woche. Schon im Alten Testament kritisierten die Propheten scheinheiliges, zur Schau gestelltes Fasten (Jesaja 58, 5), und Jesus Christus, der vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage in der Wüste gefastet hatte, lehrte in der Bergpredigt, so zu fasten, dass nur Gott es sieht (Matthäus 6, 16-18).

Im Frühchristentum war individuelles Fasten in Verbindung mit Gebet gängig, im Lauf der Kirchengeschichte wurde es durch die Einführung fester Fastenzeiten und -vorschriften jedoch reglementiert. Vor allem im Mittelalter galt im Advent und besonders vor Ostern eine strenge, 40-tägige Buß- und Fastenzeit, während deren außer sonntags nur eine einfache Mahlzeit pro Tag erlaubt war. Verboten waren Fleisch, Eier, Milch und Wein. Die Fastengebote wurden sukzessive gelockert, so dass heute für Katholiken nur noch Aschermittwoch und Karfreitag verbindliche Fasttage sind. In der orthodoxen Kirche gelten nach wie vor strengere Fastengebote, während es in den protestantischen Kirchen praktisch kein offizielles Fasten mehr gibt.

Das Fasten während des islamischen Fastenmonats Ramadan gehört zu den Fünf Säulen des Islam. Gläubige dürfen in dieser Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Darüber hinaus verlangt der Hadith auch die Abstinenz von anderen Annehmlichkeiten wie etwa Tabakkonsum und Geschlechtsverkehr. Das Fasten gilt als Zeichen der Gottesfurcht und Gottergebenheit und als eine Übung zur Selbstbeherrschung. Außerdem erhofft sich ein Muslim dadurch Vergebung seiner Sünden, Stärkung seines Glaubens und die Versöhnung mit Gott. Fromme Muslime befassen sich im Ramadan auch verstärkt mit dem Koran und gehen täglich zur Moschee. Außerdem streben sie die Aussöhnung mit den Mitmenschen an und gedenken der Armen durch Almosen. Neben dem religiösen Aspekt spielt auch der gemeinschaftliche eine wesentliche Rolle: Das Fastenbrechen allabendlich nach Sonnenuntergang und besonders das Ende des Fastenmonats, Id al-Fitr, werden gewöhnlich im Kreis der Familie oder mit Freunden gefeiert. Im Sufismus dient das über Ramadan hinausgehende Fasten als ein Mittel zur spirituellen Vereinigung mit Gott.