Konfuzianismus
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Konfuzianismus
1. Einleitung

Konfuzianismus, bedeutendste philosophische Geisteshaltung in China, entwickelte sich aus den Lehren des Konfuzius und seiner Schüler.

Zentrales Anliegen des Konfuzianismus sind gute Führung, praxisbezogenes Wissen sowie angemessene gesellschaftliche Beziehungen. Der Konfuzianismus prägte die Lebenseinstellung der Chinesen sowie bestimmte Lebensmuster und gesellschaftliche Standardwerte und lieferte den Hintergrund für politische Theorien und Institutionen Chinas. Er verbreitete sich von China über Korea und Japan bis nach Vietnam und weckte auch das Interesse abendländischer Gelehrter.

Obwohl der Konfuzianismus zur offiziellen Ideologie Chinas erhoben wurde, hat er sich nie im Sinne einer Religion mit Kirchen und Priestern institutionalisiert. Zwar verehrten die chinesischen Anhänger Konfuzius als großen Lehrer und Weisen, beteten ihn jedoch nie als Gott an, wobei auch Konfuzius selbst für sich nie den Anspruch einer Gottheit erhoben hat. Anders als in den christlichen Kirchen war ein Konfuzius gewidmeter Tempel nicht als Versammlungs- und Anbetungsort für eine organisierte Gemeinde gedacht, sondern als öffentliches Gebäude, in dem jährlich, vorwiegend zum Geburtstag des Philosophen, Zeremonien abgehalten wurden. Vereinzelte Versuche, Konfuzius zu einer Gottheit zu erheben und den Konfuzianismus zu konvertieren, schlugen fehl, was zum großen Teil auf den weltlichen Charakter seiner Philosophie zurückzuführen ist.

Die neun antiken chinesischen Werke, in denen die Grundsätze des Konfuzianismus zusammengefasst wurden, sind das philosophische Erbe von Konfuzius und seinen Anhängern, die in einem Zeitalter reger philosophischer Beschäftigungen lebten. Die konfuzianischen Schriften können in zwei Gruppen, und zwar in die Fünf Klassiker und die Vier Bücher, unterteilt werden.

Die Wu Ching (Fünf Klassiker), deren Ursprünge auf die Zeit vor Konfuzius zurückgehen, enthalten: I-ching (Buch der Wandlungen), Shu-ching (Buch der Geschichten), Shi-ching (Buch der Lieder), Li-chi (Buch der Sitte) und Ch’un-ch’iu (Frühlings- und Herbstannalen). I-ching ist ein Handbuch der Weissagungen, das möglicherweise vor dem 11. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist. Der in verschiedenen Anhängen enthaltene philosophische Teil könnte auch später von Konfuzius und seinen Schülern hinzugeschrieben worden sein. Shu-ching ist eine Sammlung von antiken historischen Urkunden und Shi-ching eine Anthologie antiker Gedichte. Li-chi behandelt Verhaltensgrundsätze, einschließlich derer für öffentliche und private Zeremonien. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde es zerstört, wahrscheinlich ist jedoch der größte Teil seines Inhalts in dem später entstandenen Buch der Sitten enthalten. Ch’un-ch’iu, das einzige Werk, das angeblich von Konfuzius selbst verfasst wurde, ist eine Chronik der wichtigsten historischen Ereignisse des feudalen China vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zu Konfuzius’ Tod im frühen 5. Jahrhundert v. Chr.

Shih-shu, die Vier Bücher, umfassen Sammlungen von Aussprüchen von Konfuzius und Mencius sowie von Anhängern verfasste Kommentare zu ihren Lehren. So ist Lun-yü (Analekten) eine Sammlung konfuzianischer Maximen, die die Grundlage zu seiner moralischen und politischen Philosophie legte. Ta-hsüeh (die große Lehre) und Chung-yung (die Lehre der rechten Mitte) enthalten einige von Konfuzius’ philosophischen Äußerungen, die von seinen Schülern systematisch geordnet und mit Kommentaren und Erläuterungen versehen wurden. Das Buch Mencius schließlich enthält die Lehren des Mencius, dem bedeutendsten unter Konfuzius’ Schülern.

Das Schlüsselwort der konfuzianischen Ethik ist jen, das unterschiedlich als „Liebe”, „Güte”, „Menschlichkeit” und „Menschenliebe” übersetzt wurde. Jen ist eine hohe Tugend. In zwischenmenschlichen Beziehungen äußert sie sich in chung oder der gegenseitigen Liebe bzw. der Ehrlichkeit sich und anderen gegenüber sowie in shu, oder der Nächstenliebe, die am trefflichsten in Konfuzius’ goldener Regel ausgedrückt wird: „Was du willst, dass man dir nicht tu’, das füg’ auch keinem andern zu.” Weitere wichtige konfuzianische Tugenden sind die Rechtschaffenheit, Sittlichkeit, Aufrichtigkeit und Ehrfurcht des Sohnes vor dem Vater. Derjenige, der alle diese Tugenden in sich vereint, wird zum chün-tzu (vollkommener Edelmann). In der Politik vertritt Konfuzius eine Regierungsform der Bevormundung, wobei der Herrscher gutmütig und ehrbar und die Untertanen respektvoll und gehorsam sein sollen. Der Herrscher sollte auch, um den Menschen ein Vorbild zu sein, moralische Vollkommenheit anstreben. Was die Erziehung betrifft, vertrat Konfuzius die für die feudale Zeit bemerkenswerte Idee von einem Unterricht, der allen in gleicher Weise, ohne Klassenunterschiede zugänglich sein soll.