Osmanisches Reich
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Osmanisches Reich
2. Expansion des Osmanischen Reiches

Der erste osmanische Staat ging als Sultanat aus einem der vielen unbedeutenden Nachfolgestaaten des ehemaligen Reiches der Rum-Seldschuken in Kleinasien hervor. Die geographische Lage ermöglichte es dem Gründer der osmanischen Dynastie, die Schwäche des Byzantinischen Reiches auszunutzen und reiche Beute bei Überfällen auf christliches Gebiet zu machen. Dieser Umstand führte dazu, dass Tausende turkmenischer Nomadenkrieger sowie viele vor den Mongolen flüchtende Araber und Perser in seine Dienste traten. Der Aufstieg des vom Islam geprägten Osmanischen Reiches ist eng verbunden mit der Anziehungskraft die dieser Staat auf die Ghasis, die Kämpfer des Heiligen Krieges (Jihad), ausübte, die sich den Osmanen anschlossen, weil diese die führende Rolle im Kampf gegen das christliche Byzantinische Reich im Westen übernahmen. Osmans Eroberungen wurden durch seinen Sohn Orhan fortgesetzt, der 1326 die Provinzhauptstadt Bursa einnahm und es zur neuen Hauptstadt machte.

Traditionell war es die Politik der Osmanen, das Reich mit militärischer Gewalt nur auf das Gebiet christlicher Staaten im Westen auszudehnen, jedoch nicht mit Gewalt gegen die turkmenischen Fürstentümer vorzugehen. Der friedliche Erwerb von in turkmenischem Besitz befindlichen Landes durch Kauf, Heirat oder Stiftung von Unfrieden unter den herrschenden Dynastien wurde dagegen als Mittel zur Expansion des Reiches akzeptiert. Auf diese Weise konnten die Osmanen große Gebiete im Westen Anatoliens ihrem Reich angliedern.

1354 eroberten sie Ankara im Zentrum Anatoliens. Im selben Jahr besetzten die Osmanen Gallipoli (Gelibolu) auf der europäischen Seite der Dardanellen, welches den Ausgangspunkt für ihren anschließenden Vorstoß nach Südosteuropa bildete. 1361 nahmen sie Adrianopel (Edirne) ein, das zur neuen Hauptstadt wurde. 1389 besiegte Murad I. die Serben in der Schlacht auf dem Amselfeld, die Osmanen nahmen Thrakien, Makedonien und einen großen Teil von Bulgarien und Serbien ein.

Die Niederlage gegen den Mongolenfürsten Timur-i Läng (1402) erwies sich nur als vorübergehender Rückschlag für die Osmanen, die ihr Reich umgehend wieder aufbauten, festigten und ausdehnten. 1453 eroberte Sultan Mehmed II. Fatih Konstantinopel (Istanbul) und machte es zur dritten Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Die Welle der Eroberungen setzte sich während des ganzen 16. Jahrhunderts fort. Unter Sultan Selim I. (dem Strengen) wurden die Safawiden aus dem Iran besiegt (1514), das Reich wurde zudem um Ostanatolien erweitert. 1516 und 1517 wurden die Mamelucken in Syrien und Ägypten geschlagen und ihre Gebiete annektiert. Neben den Besitztümern der Mamelucken eigneten sich die Osmanen auch die heiligen Stätten in Arabien an. Die Mamelucken mussten ihren Anspruch auf das Rote Meer und den Indischen Ozean abtreten.

Selims Sohn und Nachfolger Süleiman II., der Große, (auch der Prächtige) wird als der mächtigste aller osmanischen Herrscher angesehen. Während seiner Herrschaft wurde der Irak (1534) dem Reich eingegliedert, und die Kontrolle über den östlichen Mittelmeerraum wurde gefestigt. Durch die Annektion von Algier und Überfälle von Piraten der osmanischen Barbareskenstaaten drangen die Osmanen bis in den westlichen Mittelmeerraum vor. Süleiman führte osmanische Truppen weit nach Europa hinein: Belgrad wurde 1521 erobert, die Ungarn in der Schlacht bei Mohács (1526) geschlagen. 1529 blieb die Belagerung Wiens durch Süleiman erfolglos.