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| 10. | Schmuck des 20. Jahrhunderts |
Diese Wiederbelebung der Goldschmiedekunst wurde um 1900 in Paris von den Juwelieren der Jugendstil-Bewegung weitergeführt. Berühmt unter ihnen war René Lalique. Er sagte sich von historischen Stilen los. Seine Entwürfe gingen auf Pflanzen-, Vögel- und Insektenformen zurück. Für ihn stand der Entwurf im Vordergrund und nicht der Preis des verwendeten Materials. Daher verwendete er Email, Elfenbein, Glas und Horn ebenso häufig wie Edel- und Halbedelsteine. Der Jugendstil wurde von Louis Comfort Tiffany, einem der ersten bedeutenden amerikanischen Schmuckdesigner, in den Vereinigten Staaten eingeführt.
Der moderne Schmuck spiegelt wichtige Veränderungen in der Mode und in der Technik wider. Nach dem 1. Weltkrieg führte die Kurzhaarmode für Frauen dazu, dass die bis dahin beliebten schmuckbesetzten Kämme und der Haarschmuck nicht mehr aktuell waren. Zur gleichen Zeit kamen dagegen mit Schmuck verzierte Kosmetikkoffer, Armbanduhren und Zigarettenetuis in Mode. Haltbare, aber leichte Metalle wie Platin, Iridium und Palladium ermöglichten unkonventionelle Edelsteinfassungen. Neue Gussverfahren führten zu plastischeren Designs und erhöhter Verwendung verschiedener Metallstrukturen und Oberflächenbearbeitungen. Wie schon in der Renaissance wurden Schmuckstücke wieder von Malern und Bildhauern entworfen. Die Werke des französischen Malers George Braque und des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder sind Schmuckstücke, die für den jeweiligen Anlass passend und tragbar sind. Der von Salvador Dalí entworfene Schmuck ist extravaganter und ist mehr Design um des Designs willen denn tragbarer Schmuck. Obwohl ein Großteil des modernen Schmucks industriell entworfen und hergestellt wird, ist die Tradition des Schmuck-Handwerkes bzw. Schmuck-Kunsthandwerkes in Skandinavien und in den Vereinigten Staaten sehr lebendig. Dort werden Silber, Halbedelsteine, getriebenes Kupfer und weitere preiswertere Materialien viel verarbeitet. Auch Kunststoff wird oft für preiswerten Schmuck verwendet. Kunsthandwerksboutiquen fertigen eine große Auswahl an Ringen, Armreifen, Ohrringen und Broschen mit abstrakten und naturalistischen Designs an. Während Schmuck im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwar vorwiegend von Frauen getragen wurde, fand man aber im späten 20. Jahrhundert Schmuckstücke wie Halsketten, Anhänger und Armreifen auch bei Männern.