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| 2. | Hintergrund |
Der Begriff Renaissance kam erst im 19. Jahrhundert auf. Zum ersten Mal gebrauchte ihn der französische Historiker Jules Michelet im Jahr 1855 in seinem Buch Entdeckung von Welt und Mensch im 16. Jahrhundert. Der Schweizer Historiker Jacob Burckhardt baute in seinem Klassiker Die Kultur der Renaissance in Italien (1859) Michelets Auffassung weiter aus. Er definierte die Renaissance (italienisch Rinascimento) als den Zeitraum zwischen den Malern Giotto und Michelangelo. In diese Zeit falle die Geburt des Individuums, die Bewusstwerdung des Menschen als Individuum nach einer langen Epoche des Verfalls.
Heute ist der Mythos widerlegt, das Mittelalter sei ein dunkles, unschöpferisches Zeitalter gewesen. Die Renaissance konnte im Gegenteil auf einen in diesem „dunklen Zeitalter” aufgehäuften, in vielerlei Hinsicht reichhaltigen Fundus zurückgreifen; in den 1 000 Jahren vor der Renaissance wurden gerade die Voraussetzungen für ihr Entstehen geschaffen. Den scriptoria (Schreibsälen) der mittelalterlichen Klöster war es zu verdanken, dass Abschriften der Werke lateinischer Schriftsteller wie Vergil, Ovid, Cicero und Seneca erhalten blieben. Das heute in Europa vorherrschende Rechtssystem hat seinen Ursprung im zivilen und kanonischen Recht, wie es im 12. und 13. Jahrhundert entwickelt wurde. Die Denker der Renaissance befassten sich nach mittelalterlicher Tradition weiterhin mit grammatischen und rhetorischen Studien. Im Bereich der Theologie setzten sich die mittelalterlichen Denkrichtungen Scholastik, Thomismus, Scotismus und Ockhamismus in der Renaissance fort. Die mittelalterliche Auffassung der platonischen und aristotelischen Lehre war für das philosophische Denken der Renaissance von grundlegender Bedeutung. Fortschritte in mathematischen Fächern, darunter in der Astronomie, waren Vorarbeiten aus dem Mittelalter zu verdanken. Die Schulen von Salerno in Italien und Montpellier in Frankreich waren im Mittelalter berühmte Zentren für medizinische Studien. Siehe auch Astronomie; Medizin; Philosophie
Die italienische Renaissance war vor allem ein städtisches Phänomen; die blühenden Städte Mittel- und Norditaliens, Florenz, Ferrara, Mailand und Venedig spielten hier eine herausragende Rolle. Mit dem Reichtum dieser weltlich orientierten Städte und ihres aufstrebenden Bürgertums wurden die kulturellen Errungenschaften der Renaissance finanziert.