Renaissance
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Renaissance
3. Bruch mit Traditionen

Besonders einschneidend war der Bruch mit der Tradition auf dem Gebiet der Historiographie. Werke wie Historiarum Florentini populi libri XII (1420) von Leonardo Bruni, Istorie fiorentine (1525) von Niccolò Machiavelli, Storia d’Italia (1561-1564) von Francesco Guicciardini und Methodus ad Facilem Historiarum Cognitionem (1566) von Jean Bodin waren von einer seit der Antike beispiellosen weltlichen Geschichts- und Staatsauffassung geprägt. Die Historiker der Renaissance lehnten die christliche Einteilung der Geschichte, wie sie im Mittelalter üblich war (Schöpfung, Menschwerdung Christi, Warten auf das Jüngste Gericht), ab. Sie gliederten die Geschichte in Altertum, Mittelalter und das goldene Zeitalter der Wiedergeburt, das gerade begonnen hatte. Während die Gelehrten des Mittelalters misstrauisch auf die heidnische Welt der Griechen und Römer geblickt hatten und glaubten, sie lebten im letzten Zeitalter vor dem Jüngsten Gericht, verehrten ihre Kollegen der Renaissance die Antike, verurteilten das Mittelalter als unwissend, barbarisch, kurz: dunkel. Ihre eigene Zeit erklärten sie zu einer Epoche des Lichtes.

Der Humanismus der Renaissance stellte einen weiteren Bruch mit mittelalterlichen Traditionen dar. Man studierte klassische Texte um ihrer selbst willen und benutzte sie nicht länger zur Ausschmückung und Rechtfertigung der christlichen Kultur. Das enorme Interesse an der Antike drückte sich in einer aufgeregten und erfolgreichen Suche nach klassischen Manuskripten aus: die Dialoge des Platon, die historischen Werke von Herodot und Thukydides, die Werke der griechischen Dramatiker und Dichter sowie der Kirchenväter wurden neu entdeckt und zum ersten Mal kritisch bearbeitet. Byzantinische Gelehrte, die nach dem Fall Konstantinopels 1453 nach Italien gekommen waren und nun in Florenz, Ferrara und Mailand lehrten, brachten das Studium des Griechischen im 15. und 16. Jahrhundert zur Blüte. Obwohl es manchmal zur bloßen Imitation der Klassik verkam, sollte das Studium antiker Literatur, Geschichte und Philosophie die Menschen freier und gebildeter machen, ihnen Stil und Urteilsvermögen vermitteln. Die Vervollkommnung des Körpers durch Training, ein Ideal, das im Mittelalter kaum Anerkennung fand, wurde in der Renaissance zu einem wichtigen Erziehungsziel.

Humanistische Studien und bedeutende Kunstwerke der Renaissance wurden von den führenden Familien Italiens gefördert und finanziell unterstützt. Zu ihnen gehörten die Medici aus Florenz, die Este aus Ferrara, die Sforza aus Mailand, die Gonzaga aus Mantua sowie die Herzöge von Urbino, die venezianischen Dogen und auch das römische Papsttum in seiner Renaissance-Ausprägung.