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Newfoundland and Labrador
1. Einleitung

Newfoundland and Labrador (Neufundland), eine der vier Atlantikprovinzen Kanadas. Newfoundland and Labrador besteht aus der Insel Neufundland und einem Küstenstreifen auf der Halbinsel Labrador.

Die Insel Neufundland (108 860 Quadratkilometer groß) ist der nordamerikanischen Küste vorgelagert und befindet sich zwischen dem Sankt-Lorenz-Golf und dem Atlantischen Ozean. Der Küstenstreifen in Labrador (296 860 Quadratkilometer groß) ist über die Belle-Isle-Straße von Neufundland getrennt und grenzt an die Provinz Quebec.

Newfoundland and Labrador trat am 31. März 1949 als zehnte Provinz Kanada bei. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Wirtschaft fast vollständig von der Fischerei abhängig. Ende des 20. Jahrhunderts spielte neben dem produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor der Bergbau die bestimmende Rolle.

2. Land

Mit einer Gesamtfläche von 405 212 Quadratkilometern ist Newfoundland and Labrador die siebtgrößte kanadische Provinz. Die Höhenlage reicht von Meereshöhe bis zu 1 652 Meter am Gipfel des Mount Caubric in den Torngat Mountains im nördlichen Labrador. Der Berg befindet sich an der Grenze zur Provinz Quebec, wo er als Mont D’Iberville bezeichnet wird.

1. Physische Geographie

Die Insel Neufundland bildet den nördlichen Abschluss der Appalachen. Sie lässt sich in vier Naturräume gliedern: Der südöstliche Teil gehört zu den Atlantic Uplands, der Untergrund besteht aus altem, verwitterungsbeständigem Gestein. Im Norden befindet sich das Central Lowland, eine Region, die sich aus Sedimentgestein gebildet hat. Im Westen liegen die Newfoundland Highlands, zu denen auch die Long Range Mountains gehören. Die Gipfel dieser Berge erreichen eine Höhe von durchschnittlich etwa 600 Metern. Eine schmale Küstenebene an der Westküste der Insel gehört zur Region des Saint Lawrence Lowland.

Der Festlandsteil in Labrador gehört vollständig zum Kanadischen Schild. Südöstlich der Insel Neufundland liegt einer der reichsten Fischgründe der Erde: die so genannten Grand Banks.

2. Flüsse und Seen

Der längste Fluss der Provinz ist der Churchill in Labrador. Die wichtigsten Flüsse auf der Insel sind der Exploits, Gander und Humber. Auf der Insel befinden sich Seen, die sich während der Eiszeit gebildet haben. Zu den größten gehören der Grand-Lake, der Red-Indian-Lake und der Gander-Lake. Der größte See der Provinz ist jedoch der gewaltige Stausee Smallwood Reservoir, der den Churchill aufstaut.

3. Klima

Bei der Betrachtung des Klimas muss man zwischen dem Landesinneren auf Labrador und den Küstengebieten unterscheiden: So ist das Klima in Labrador kontinental geprägt, die Winter sind äußerst kalt, die Sommer warm und kurz. Der kalte Labradorstrom bewirkt niedrige Temperaturen. Im Ostteil der Insel Neufundland ist das Klima durch den Meereseinfluss gemäßigt: Die Winter sind hier wesentlich milder, die Sommer wärmer und länger. Die Durchschnittstemperaturen liegen zwischen -1,1 °C in Südlabrador und etwa 5 °C im Süden der Insel Neufundland. Die tiefste Temperatur wurde mit -51,1 °C 1973 in Südwestlabrador gemessen, die höchste mit 41,7 °C 1914 in North West River am Lake Melville. Im Jahresmittel beträgt die Niederschlagsmenge zwischen 432 Millimeter in Nordlabrador und 1 524 Millimeter im Südteil der Insel Neufundland.

4. Fauna und Flora

Etwa 60 Prozent der Fläche sind bewaldet. Die Provinz liegt in der nördlichen Nadelwaldzone und der Waldtundra. Zu den häufigsten Baumarten gehören Schwarzfichte und Balsamtanne. Bemerkenswerte Tierarten sind Karibu, Elch, Schwarzbär und Eisbär.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl von Newfoundland and Labrador beträgt etwa 506 000 (2007). Die Bevölkerungszahl ist damit gegenüber dem Jahr 1996 um etwa 7 Prozent gesunken. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 1,4 Personen pro Quadratkilometer. Allerdings ist die Bevölkerung äußerst ungleichmäßig verteilt: Sie konzentriert sich vor allem auf die Küstenbereiche der Insel Neufundland. Im Gebiet Labradors beträgt die durchschnittliche Bevölkerungsdichte weniger als eine Person pro Quadratkilometer. Mehr als 98 Prozent der Einwohner geben Englisch, weniger als 1 Prozent Französisch als Muttersprache an. Saint John’s ist die Hauptstadt und größte Stadt von Newfoundland and Labrador. Zu den weiteren wichtigen Städten gehören Mount Pearl, Corner Brook und Conception Bay South.

4. Bildung und Kultur

Die erste Schule in der Provinz wurde 1726 in Bonavista eingerichtet. Die einzige Universität ist die Memorial University of Newfoundland in Saint John’s. Sie wurde 1925 gegründet und wird von etwa 13 000 Studenten besucht.

Zu den wichtigsten Kultureinrichtungen gehören das Newfoundland Museum mit seinen Ausstellungen und Artefakten der Beothuk, eines Indianerstammes, der ursprünglich in diesem Gebiet beheimatet war, sowie die Memorial University Art Gallery. Die erste Radiostation, VOWR, nahm 1924 von Saint John’s aus ihren Betrieb auf.

1. Sehenswürdigkeiten

In Newfoundland and Labrador gibt es verschiedene Stätten, die an die Urbevölkerung erinnern. In Port au Choix befindet sich ein etwa 4 000 Jahre alter Indianerfriedhof. In L’Anse aux Meadows kann man eine Wikingersiedlung aus der Zeit um 1000 n. Chr. besichtigen. Zu weiteren Sehenswürdigkeiten zählt auch die Cape Spear National Historic Site, der östlichste Punkt Nordamerikas.

2. Sport und Erholung

Newfoundland and Labrador ist bekannt für seine reichen Forellen- und Lachsgründe. Neben dem Angeln ist zudem die Jagd beliebt. Die Fertigstellung des Trans-Canada Highway 1966 sorgte für einen enormen Anstieg des Tourismus.

5. Verwaltung und Politik

Die Provinz Newfoundland and Labrador ist parlamentarisch-demokratisch verfasst.

1. Exekutive

Oberstes Exekutivorgan ist der Vizegouverneur, der vom kanadischen Generalgouverneur auf fünf Jahre ernannt wird und die britische Krone vertritt. Die tatsächliche Macht liegt beim Premierminister, der gewöhnlich Führer der Mehrheitspartei im Provinzparlament ist.

2. Legislative

Das Parlament besteht aus einer Kammer, dem so genannten House of Assembly, mit 52 Mitgliedern, die auf maximal fünf Jahre gewählt werden.

3. Judikative

Das höchste Gericht in Newfoundland and Labrador, der Supreme Court, besteht aus einer Revisionsabteilung mit acht Richtern und einer erstinstanzlichen Abteilung mit 13 Richtern.

4. Vertretung auf Bundesebene

Die Provinz ist im kanadischen Parlament mit sechs von der Zentralregierung auf Lebenszeit ernannten Senatoren und sechs gewählten Mitgliedern des House of Commons vertreten.

6. Wirtschaft

Aufgrund der Nähe zu einem der reichsten Fischgründe der Welt, den Grand Banks, war die Fischerei früher der entscheidende Wirtschaftsfaktor. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nahm jedoch die Bedeutung der Forst- und später auch der Bergbauindustrie stetig zu. Heute stellt der Export von Bodenschätzen bei weitem den wichtigsten Wirtschaftsfaktor in der Provinz dar.

1. Landwirtschaft

Die Landwirtschaft trägt etwa 3 Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt bei. Die meisten Böden auf der Insel eignen sich nicht für eine landwirtschaftliche Nutzung, die kühlen Sommer sowie die wenigen Sonnentage verhindern gute Ernten. Zu den wichtigsten Anbauprodukten gehören Gemüse, Gewächshausprodukte und Kartoffeln.

2. Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft trägt etwa ein Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsproukt in Newfoundland and Labrador bei. Die gewaltige Holzabfuhr wird vorwiegend zur Produktion von Papier verwendet. Fast das gesamte Holz stammt von der Schwarzfichte und der Balsamtanne.

3. Fischerei

Die Fischereiindustrie trägt etwa 3 Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt der Provinz bei. Traditionell beruht die Fischerei auf dem Fang von Kabeljau. Zwar werden auch Shrimps, Hummer, Krabben, Steinbutt, Flunder und Seezunge gefangen, allerdings sind die Fangmengen relativ unbedeutend. Die Zahl der in der Fischereiindustrie Beschäftigten liegt wesentlich über dem kanadischen Durchschnitt.

4. Bergbau

Newfoundland and Labrador ist äußerst rohstoffreich. In Westlabrador und auf Bell Island in der Conception Bay befinden sich große Eisenerzlagerstätten. Auf der Insel Neufundland finden sich Kupfer- und Bleierze, in Ostlabrador wird Uran abgebaut. Vor der Küste der Insel Neufundland wurden Erdölvorkommen und vor der Küste Labradors Erdgasvorkommen entdeckt.

Der Bergbau trägt 18 Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt der Provinz bei. Das in der Gegend um Schefferville in Labrador vorkommende Eisenerz spielt bei weitem die wichtigste Rolle. Der Wert des abgebauten Eisenerzes macht mehr als 90 Prozent der Gesamtmenge aller in der Provinz abgebauten mineralischen Bodenschätze aus. Nach Gewicht entspricht es der Hälfte der gesamten kanadischen Produktion. Neben dem Abbau von Eisenerz spielen noch die Gold- und Silberförderung eine Rolle.

5. Industrie

Das produzierende Gewerbe trägt 19 Prozent zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt der Provinz bei. In diesem Sektor sind 31 000 Erwerbstätige beschäftigt. Zu den wichtigsten Branchen gehört die Fisch verarbeitende Industrie sowie die Zellstoff- und Papierindustrie. Daneben sind die chemische Industrie und die Verarbeitung nichtmetallischer Rohstoffe von Bedeutung. Zu den wichtigsten Industriezentren gehören Saint John’s und Corner Brook.

6. Verkehrswesen

Etwa 6 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in Newfoundland and Labrador sind im Transport- und Verkehrssektor sowie verwandten Dienstleistungsbereichen beschäftigt. Angesichts der Größe der Provinz sowie ihrer Bevölkerungsverteilung spielt das Verkehrswesen eine wichtige Rolle. Traditionell wurde der Großteil des Warenverkehrs über die Küstenschifffahrt abgewickelt. Heute spielen Straßen- und Luftverkehr eine zunehmend wichtigere Rolle. Die Länge des Land- und Fernstraßennetzes der Provinz beträgt etwa 11 885 Kilometer. Da sich Newfoundland and Labrador in größerer Nähe zu Europa befindet als alle anderen nordamerikanischen Regionen, liegen hier zahlreiche Flughäfen, die für Zwischenstationen bei Transatlantikflügen genutzt werden. Die Verbindungen der Insel Labrador mit dem Festland werden durch Fährverbindungen aufrechterhalten.

7. Tourismus

Wie die anderen Atlantikprovinzen wurde auch Newfoundland and Labrador in zunehmendem Maß wirtschaftlich vom Tourismus abhängig. Zu Beginn der neunziger Jahre wurde die Provinz von 265 000 Touristen besucht.

8. Energie

Die Kraftwerke in Newfoundland and Labrador erzeugen 37 Milliarden Kilowattstunden jährlich, das entspricht etwa 7,5 Prozent der gesamten in Kanada erzeugten Elektrizität. Die Energiegewinnung erfolgt zu 95 Prozent durch Wasserkraftwerke. In dem gewaltigen Kraftwerkskomplex an den Churchill Falls in Labrador werden allein drei Viertel der Gesamtenergie erzeugt. Mehr als 70 Prozent der Energie werden über die Provinzgrenzen hinaus exportiert.

7. Geschichte

Vermutlich war das Gebiet der Insel Neufundland und Labradors bei Ankunft der ersten europäischen Siedler bereits seit Tausenden von Jahren besiedelt. Skandinavische Seefahrer entdeckten das Gebiet bereits um das Jahr 1000 n. Chr. 1963 wurden in L’Anse aux Meadows Reste einer Siedlung aus dieser Zeit freigelegt. 1497 kamen der italienische Seefahrer Giovanni Caboto und 1500 der portugiesische Seefahrer Gaspar Corte-Real in das Gebiet. Der französische Entdecker Jacques Cartier erforschte die Insel Neufundland 1534.

1. Umstrittene Eigentumsverhältnisse

Während des 16. Jahrhunderts zog der Fischreichtum der Gewässer um die Insel Neufundland immer mehr französische, englische und spanische Fischer an. 1583 nahm Sir Humphrey Gilbert Neufundland formal für England in Besitz. Auf der Avalon-Halbinsel wurde 1610 eine Kolonie gegründet, aus der sich die spätere Stadt Saint John’s entwickelte. Während des 17. Jahrhunderts hatten sich auch die Franzosen auf Neufundland niedergelassen.

1713 erkannten die Franzosen die britische Herrschaft über Neufundland formal an. Die Franzosen behielten lediglich die der Südküste vorgelagerten Inseln Saint Pierre und Miquelon. 1763 wurde Labrador im Rahmen des Friedens von Paris britisch. Es wurde aber 1774 an Quebec zurückgegeben.

2. Selbstverwaltung

Die Bevölkerung von Neufundland wuchs im 19. Jahrhundert beträchtlich an, da die Fischereiindustrie einen großen Arbeitskräftebedarf hatte. 1855 gewährte Großbritannien Neufundland das Recht auf völlige Selbstverwaltung.

Die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre führten fast zum Staatsbankrott. 1934 hob das britische Parlament die Selbstverwaltung auf. Eine Kommission erarbeitete ein Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft, zur Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten sowie für das Bildungs- und Sozialwesen. Daraufhin verbesserte sich die Situation spürbar. Während des 2. Weltkrieges wurde den USA ein Luftwaffenstützpunkt überlassen. Die Anwesenheit der Amerikaner sowie der Bau weiterer amerikanischer Stützpunkte trugen zur Gesundung der Wirtschaft Neufundlands bei.

3. Konföderation mit Kanada

Am 31. März 1949 wurde Newfoundland and Labrador die zehnte kanadische Provinz.

Trotz eines dann einsetzenden Wirtschaftswachstums blieb Newfoundland and Labrador weiterhin stark von den Subventionen der Zentralregierung in Ottawa abhängig. In den siebziger und achtziger Jahren waren viele Bewohner von Newfoundland and Labrador gezwungen, in andere Teile Kanadas abzuwandern.