Eucharistie
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Eucharistie
3. Die Entwicklung der Lehre

Zwei Themen kennzeichnen die Entwicklung der Abendmahlslehre: die Frage der Gegenwart Christi sowie der Opfergedanke. Im Neuen Testament wird die Gegenwart Christi bei der Eucharistie nicht erklärt. Die frühen Kirchenlehrer nahmen die Worte Jesu „Das ist mein Leib” und „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, der für euch vergossen wird” (Lukas 22, 19-20) als ausreichende Erklärung für die wundersame Umwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi.

Im Mittelalter entwickelten die Scholastiker unter dem Einfluss der aristotelischen Philosophie eine komplexere Eucharistielehre. Nach Aristoteles besitzen alle irdischen Dinge Akzidenzien (Größe, Gestalt, Farbe, Beschaffenheit), die für die Sinne erfahrbar sind, und Substanz, ihre wesentliche Realität, die nur der Geist erfassen kann. Nach Ansicht der Scholastiker verwandelt sich die Substanz des Brotes durch die Macht Gottes beim Abendmahl vollständig in den Leib Christi. Diese Interpretation der Gegenwart Jesu bezeichnet man als Transsubstantiation. Sie wurde von dem italienischen Theologen Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert formuliert und ist immer noch offizielle Lehre der römisch-katholischen Kirche. Im 16. Jahrhundert bestätigte das Tridentinum die Lehre gegen die protestantischen Reformatoren, ohne dies jedoch in einer weiteren Erläuterung auszuführen.

Die protestantischen Reformatoren interpretierten das Abendmahl unterschiedlich: Martin Luther lehrte die Gegenwart Christi „in, mit und unter” Brot und Wein (Konsubstantiation). Der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli leugnete jede wirkliche Verbindung zwischen Brot und Wein und dem Leib und Blut Jesu Christi. Brot und Wein erinnere nur an das letzte Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern, wobei keine metaphysische Verwandlung stattfinde. Nach Johannes Calvin ist Christus sowohl symbolisch gegenwärtig als auch durch seine geistige Macht, die den Seelen der Gläubigen durch den Heiligen Geist vermittelt wird, während sie am Abendmahl teilhaben. Diese Position, die so genannte „dynamische Gegenwart”, liegt zwischen den Lehren Luthers und Zwinglis. Die anglikanische Lehre bekräftigt die Realpräsenz Jesu Christi, ohne jedoch das Wie genauer zu erläutern.

Einige moderne Theologen griffen den alten jüdischen Gedanken der Erinnerung an die Taten des Herrn wieder auf (Anamnese). Die Gläubigen erbitten die Gegenwart Gottes, erinnern sich in seiner Gegenwart an die Ereignisse, durch die er sie erlöst hat, und durchleben sie dadurch in der Gegenwart. Wie jede Generation von Juden Jahr für Jahr am Exodus, an der Wanderschaft durch die Wüste und am Einzug in das Land Kanaan teilhatte, so nahm jede Generation von Christen allwöchentlich am Abendmahl, am Kreuz und an der Auferstehung teil.

In den Abendmahlslehren geht es auch um den Opfercharakter des Sakraments, d. h. um die Frage, wie sich das Abendmahl auf das Opfer Jesu Christi am Kreuz bezieht. Nach der traditionellen Lehre der orthodoxen, der römisch-katholischen und der anglikanischen Kirche haben die Gläubigen durch das Abendmahl teil am Opfer Jesu Christi und an dem neuen Bund mit Gott. In der Praxis wurde diese Auffassung zuweilen so interpretiert, als bedeute jede Eucharistiefeier ein neues Opfer und nicht, wie die Kirche offiziell lehrte, eine Anteilnahme am Opfer Jesu Christi. Die Protestanten hatten generell Bedenken, den Opfergedanken in die Abendmahlsfeier einzubringen.