AIDS
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AIDS
2. Herkunft der HI-Viren

AIDS ist eine Zoonose, eine vom Tier auf den Menschen übertragene Krankheit. Der erste bekannte AIDS-Fall betrifft einen Schwarzafrikaner aus Léopoldville (heute Kinshasa, Demokratische Republik Kongo): In der aus dem Jahr 1959 stammenden Blutprobe dieses Afrikaners wurden HI-Viren nachgewiesen. Die erste Übertragung von HIV-1-Viren erfolgte jedoch wahrscheinlich bereits im frühen 20. Jahrhundert, und zwar in Kamerun, von Schimpansen der Unterart Pan troglodytes troglodytes auf den Menschen. Das dem AIDS-Virus nahe verwandte Affenvirus SIV (simian immunodeficiency virus: Simianes Immunschwächevirus; lateinisch simia: Affe), das sich im menschlichen Körper zum HIV weiterentwickelte, wurde im Süden Kameruns bei rund jedem dritten Schimpansen nachgewiesen. Nach Amerika, und zwar zunächst nach Haïti, gelangte das HIV-1-Virus etwa 1966, rund drei Jahre später erreichte es die USA (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2007). Der seltenere HIV-2-Stamm wurde vermutlich Anfang der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Guinea-Bissau von Meerkatzen auf den Menschen übertragen (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2003).

Das Affenvirus SIV wurde in 26 Primatenarten nachgewiesen. Der deutschen Virologin Beatrice Hahn und ihren Kollegen zufolge muss es in der Vergangenheit sieben Übertragungen von SIV auf den Menschen gegeben haben – nur eine davon, die von einem als SIVcpz bezeichneten Erreger ausging, löste die weltweite HIV-Epidemie mit Millionen von Toten aus. Hahn und ihre Kollegen vermuten, dass die Übertragung beim Zerschneiden des Fleisches getöteter Schimpansen oder bei dessen Verzehr geschehen ist. Etwa jeder sechste Affe, der auf afrikanischen Märkten zum Verzehr angeboten wird, ist mit SI-Viren infiziert (Emerging Infectious Diseases, 2002). Als widerlegt gilt eine andere Hypothese (die zudem mit den obigen Zeitangaben nicht im Einklang steht), wonach die Viren bei einer in Belgisch-Kongo (heute Demokratische Republik Kongo) gegen Ende der fünfziger Jahre durchgeführten Poliomyelitis-Impfaktion übertragen worden sein könnten; damals war aus Affennierenzellen gewonnenes Serum eingesetzt worden. In dem damals verwendeten Serum ließen sich jedoch weder HIV-1-ähnliche Gensequenzen noch DNA von Schimpansen nachweisen (Nature, 2001).