Plattentektonik
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Plattentektonik
2. Hintergrund

Die Theorie der Plattentektonik wurde in den sechziger und siebziger Jahren aufgestellt. Ihre Wurzeln gehen zurück auf die Theorie der Kontinentalverschiebung, die der deutsche Geologe Alfred Wegener 1912 veröffentlicht hatte. Ihr zufolge entstammten die Kontinente in ihrer heutigen Form einem ehemaligen Urkontinent, den Wegener Pangäa nannte und der in der Trias, vor mehr als 200 Millionen Jahren, auseinanderbrach. Seitdem sollten die Kontinente auseinanderdriften. Geophysikalische und mineralogische Forschungen hatten gezeigt, dass die Erdkruste aus zwei unterschiedlichen Krustenteilen besteht: aus dem so genannten Sima, einem Silicium-Magnesium-Gestein, vor allem Basalt, das für die ozeanische Kruste charakteristisch ist; und dem Sial, einem Silicium-Aluminium-Gestein, das meist granitisch und für die kontinentale Kruste typisch ist. Wegener war der Ansicht, dass die aus leichterer, sialischer Kruste bestehenden Kontinente über die schwerere, simatische Ozeankruste glitten. Dieser Gedanke stellte sich später als falsch heraus, da der Schmelzpunkt des Sima höher liegt als der des Sial. Später wurde die Asthenosphäre entdeckt, eine Schale von relativ geringer Stärke im Erdmantel, die unter der Kruste in Tiefen von 100 bis 300 Kilometern liegt. Dies wurde zuerst hypothetisch abgeleitet. Später wies man seismisch nach, dass ein plastisches Material vorliegt, welches mit geringer Geschwindigkeit fließen kann.

Eines von Wegeners stärksten Argumenten für die Kontinentalverschiebung war, dass teilweise die Umrisslinien der Kontinente, vor allem Südamerika und Afrika, geometrisch zueinanderpassten. Er konnte ferner darauf hinweisen, dass die Gesteine an den gegenüberliegenden Seiten des Atlantischen Ozeans (in Brasilien und Westafrika) von Alter, Typ und Struktur her einander entsprachen. Außerdem enthalten sie häufig Fossilien terrestrischer Lebewesen, die nicht von einem Kontinent zum anderen geschwommen sein können. Diese paläontologischen Argumente überzeugten viele Fachleute, während andere wiederum (hauptsächlich Geophysiker) sie in Frage stellten.

Wegeners beste Beispiele für auseinandergebrochene und gedriftete Kontinentalgrenzen waren die beiden Seiten des Atlantischen Ozeans. Entlang vieler anderer Ozeanränder, z. B. entlang des um den Pazifik verlaufenden Gürtels oder entlang des birmesisch-indonesischen Bereichs im Indischen Ozean, findet man jedoch eine solche Passform nicht. Diese Unstimmigkeit verweist auf eine Eigentümlichkeit der kontinentalen Ränder, die der Wiener Geologe Eduard Sueß nach 1880 bemerkte. Er erkannte einen „atlantischen Typ” des Randes, der sich durch Abflachung der Gebirgsketten auszeichnet, und einen „pazifischen Typ”, der durch parallele kordillerenartige Gebirge, Vulkanketten und häufige Erdbeben gekennzeichnet ist. Die pazifischen Küsten schienen sich dort zu befinden, wo Geosynklinalen zu Gebirgen gefaltet und emporgehoben werden.