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| 1. | Einleitung |
Muscheln, Klasse im Wasser lebender Mollusken (Weichtiere) mit etwa 7 500 Arten.
Muscheln haben im Gegensatz zu Schnecken oder Kopffüßern einen weitgehend reduzierten Kopf. Sie schützen ihr weiches Körpergewebe durch eine aus zwei Klappen bestehende Schale, die an einer Seite miteinander verbunden sind. Alle Muschelarten leben im Wasser – die meisten im Meer, aber auch Süßwassermuscheln wie Flussmuscheln sind weit verbreitet, und manche Arten leben im Brackwasser. Muscheln sind in der Regel etwa ein bis zehn Zentimeter lang, die tropische Mördermuschel (siehe Riesenmuscheln) erreicht sogar 1,5 Meter Länge und wiegt bis zu 200 Kilogramm. Muscheln sind seit dem späten Kambrium, also seit mehr als 500 Millionen Jahren, fossil nachgewiesen. Bekannte Muscheln sind z. B. Klaffmuscheln, Herzmuscheln, Miesmuscheln, Austern, Kamm-Muscheln und Schiffsbohrer.
| 2. | Körperbau |
Die typische Muschelschale ist aus einem Paar Schalenklappen zusammengesetzt, die im Rücken durch ein flexibles Ligament scharnierartig verbunden sind; ein oder zwei Schließmuskeln an den Innenseiten der Schalenhälften ziehen diese zusammen. Die Schale ist aus einer äußeren Chitinschicht aufgebaut, einer mittleren Lage aus Calcit oder Aragonit und einer inneren Auskleidung, die bei manchen Arten aus Perlmutt besteht. Im Inneren der Schale umfasst der aus zwei Gewebelappen zusammengesetzte so genannte Mantel die Muschel und bildet um den Körper herum die geräumige Mantelhöhle. Ausscheidungen des Mantels formen die Schale.
An einem Ende der Mantelhöhle liegt eine Mundöffnung. Ebenfalls an diesem Ende befindet sich ein Fuß, mit dem die Muschel sich fortbewegt. Der Fuß kann Sekretfäden absondern, Byssus genannt, mit dem das Tier sich an den Untergrund, beispielsweise an Gestein, festheften kann. Am hinteren Körperabschnitt liegen Ein- und Ausströmöffnungen für das Wasser; häufig sind sie zu Röhren verlängert, die als Siphone bezeichnet werden. In der Mantelhöhle liegen die Kiemen; sie nehmen nicht nur Sauerstoff auf, sondern filtern aus dem Atemwasser auch Nahrungspartikel, die von Wimpern zur Mundöffnung gestrudelt werden. Muscheln haben ein Verdauungssystem, einen offenen Blutkreislauf, Fortpflanzungs- und Ausscheidungsorgane und ein einfaches Nervensystem. Die Sinnesleistungen von Muscheln sind nur wenig entwickelt: Muscheln können Gerüche wahrnehmen und haben einen Gleichgewichtssinn; Kamm-Muscheln besitzen außerdem zahlreiche primitive Augen am Mantelrand, mit denen sie Helligkeitsunterschiede erkennen.
Der Körperbau vieler Muscheln weicht von diesem allgemeinen Schema ab. Bei Austern beispielsweise verbindet sich im Lauf ihrer Entwicklung eine Schalenhälfte dauerhaft mit dem Substrat, auf dem die Auster lebt, und ihr Fuß wird zurückgebildet. Kamm-Muscheln bewegen sich schwimmend von der Stelle, indem sie ihre Schalenhälften schnell schließen. Manche Muscheln bohren sich tief in Sand oder Schlick. Die Schalen der Bohrmuscheln sind so verändert, dass sie wie eine Raspel wirken, mit deren Hilfe die Muscheln sich in Stein oder Holz bohren können.
| 3. | Lebenszyklus |
Die meisten Muscheln sind getrenntgeschlechtig, daneben gibt es Hermaphroditen; Austern können ihr Geschlecht wechseln. Spermien und Eier werden in der Regel ins Wasser entlassen, wo Befruchtung und weitere Entwicklung stattfinden. Die Larven der Muscheln sind zumeist Teil des Planktons. Manche Muscheln haben allerdings kein Larvenstadium; in diesen Fällen wächst der Nachwuchs in der Mantelhöhle der ausgewachsenen Muscheln heran. Muscheln können sehr langlebig sein: Für eine 2007 vor der Nordküste Islands gefangene Islandmuschel wurde anhand des geschichteten Aufbaus ihrer Schalen ein Lebensalter von mehr als 400 Jahren ermittelt.
| 4. | Wirtschaftliche Bedeutung |
Viele Muschelarten spielen für den Menschen als Nahrungsmittel und als Beute für Speisefische wie Flundern und Kabeljau eine Rolle. Auch die Schalen werden genutzt, u. a. zur Herstellung von Knöpfen und anderer Perlmuttwaren. In vielen Teilen der Welt ist die Austernzucht ein bedeutender Wirtschaftszweig. Austern werden nicht nur als Delikatesse geschätzt, sondern auch wegen der Perlen, die die Ausscheidungen ihres Mantels um eingedrungene Fremdkörper bildet. Einige wenige Muschelarten erzeugen wirtschaftliche Schäden: So bohren sich Schiffsbohrer in Holz und beschädigen oder zerstören hölzerne Hafenbauten und Schiffe. Im Wattenmeer der Nordsee verschwinden als Folge der Muschelfischerei immer mehr Muschelbänke; damit wird u. a. vielen Vogelarten die Nahrung entzogen.
| 5. | Systematik |
Muscheln bilden die Klasse Bivalva des Stammes Mollusca. Die Islandmuschel heißt zoologisch Arctica islandica.