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Italien
1. Einleitung

Italien (italienisch Italia), Republik in Südeuropa.

Italien grenzt im Norden an die Schweiz und an Österreich, im Osten an Slowenien und an das Adriatische Meer, im Süden an das Ionische Meer, im Westen an das Tyrrhenische Meer und das Ligurische Meer und im Nordwesten an Frankreich. Zusätzlich zum Festland gehören die Mittelmeerinseln Elba, Sardinien, Sizilien und einige kleinere Inseln und Inselgruppen (u. a. die Toskanischen Inseln, Ischia, Capri und die Liparischen Inseln) zum italienischen Staatsgebiet. Die unabhängigen Staaten San Marino und Vatikanstadt stellen politisch selbständige Enklaven innerhalb des Festlandes dar. Letzterer ist ein päpstlicher Staat und ist fast gänzlich von Rom, der Hauptstadt Italiens, umgeben. Die Staatsfläche Italiens beträgt 301 323 Quadratkilometer.

2. Land

Mehr als die Hälfte des italienischen Staatsgebiets wird von der Italienischen Halbinsel eingenommen. Von Nordwesten bis Südosten misst Italien etwa 1 145 Kilometer. Seine maximale Breite auf dem Festland weist das Land mit circa 610 Kilometern im Norden auf, die Halbinsel kommt nur auf einen Höchstwert von 240 Kilometer.

Italien gliedert sich in drei unterschiedliche Naturräume; dies sind die Alpen, die Poebene und die Apenninen. Rund zwei Drittel des Staatsgebiets sind Hochgebirge. Im Norden hat das Land Anteil an den Alpen, welche die natürliche Grenze zu Mitteleuropa bilden. Im Nordwesten erstrecken sich Teile der kristallinen West- und Zentralalpen, im Nordosten Gebiete der südlichen Kalkalpen mit den Dolomiten auf italienischem Staatsgebiet. Die Alpen verlaufen in einem weiten Bogen von Ventimiglia an der Küste des Ligurischen Meeres im Westen bis Gorizia an der Grenze zu Slowenien im Osten. Zu den spektakulärsten Gipfeln gehören z. B. der Monte Cervino (4 478 Meter) und der Gran Paradiso (4 061 Meter). Italiens höchste Erhebung befindet sich in der Nähe des Gipfels des Montblanc (Monte Bianco) an der italienisch-französisch-schweizerischen Grenze. Der Gipfel des Montblanc (4 810 Meter) liegt auf französischem Gebiet. Im östlichen Teil des italienischen Alpenanteils ragen die Dolomiten in der Marmolada bis in eine Höhe von 3 342 Metern auf. Insgesamt erreichen 18 Gipfel der Dolomiten Höhen von mehr als 3 000 Metern. Aus den Alpen reichen zum Teil tief eingeschnittene Täler in das südliche Alpenvorland. Dort dämmen Moränen die durch die Tätigkeit von Gletschern während der vergangenen Eiszeiten entstandenen Becken nach Süden hin ab. In diesen Becken entstanden durch das beim nacheiszeitlichen Abschmelzen der Gletscher anfallende Schmelzwasser zum Teil sehr große Seen.

Zwischen den Alpen und den Apenninen breitet sich die weite, von Westen nach Osten reichende Poebene aus. Sie ist das fruchtbarste Gebiet und gleichzeitig die wirtschaftlich aktivste Region des Landes. Im nordöstlichen Teil geht die Poebene in das Tiefland von Venetien über. Der Küstenabschnitt am Adriatischen Meer ist in diesem Bereich überaus flach und wird von zahlreichen Strandseen und Lagunen geprägt.

Die Alpen werden in Ligurien nur durch einen schmalen Küstenstreifen von den Apenninen getrennt. Bei diesen handelt es sich um ein lang gestrecktes, geologisch junges Faltengebirge, das überwiegend Mittelgebirgscharakter hat. Die nördlichen Apenninen ziehen sich von den Seealpen entlang des Golfes von Genua bis zu den Quellen des Tiber und erreichen ihre höchste Erhebung im Monte Cimone (2 165 Meter). Die zentralen Apenninen beginnen an den Quellen des Tiber und setzen sich aus mehreren parallel zueinander verlaufenden Gebirgsketten zusammen. Im Osten dieses zerklüfteten Gebirgszuges liegt der mit 2 912 Meter höchste Gipfel der Apenninen, der Corno Grande im Massiv Gran Sasso d’Italia, das in den Abruzzen liegt. In ihrem zentralen Abschnitt greifen die Apenninen in einem Bogen weit nach Osten aus; die Beckenlandschaften im Westen werden u. a. von Arno, Ombrone und Tiber durchflossen. Die südlichen Apenninen verlaufen vom Flusstal des Sangro bis zur Küste des Golfes von Tarent in südöstlicher, dann weiter in südlicher Richtung. Im südlichsten Teil der Apenninen auf dem italienischen Festland erheben sich in Kalabrien die Bergmassive La Sila (1 928 Meter) und Aspromonte (1 955 Meter). Ausläufer der Apenninen reichen bis nach Sizilien und bilden dort die Bergketten Nebrodi und Madonie.

Wie andere Alpenländer verzeichnet auch Italien einen drastischen Gletscherrückgang. Während Gletscher gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch rund 1 000 Quadratkilometer bedeckt hatten, waren es Ende des 20. Jahrhunderts nur noch etwa 500 Quadratkilometer. Zahlreiche kleinere Gletscher verschwanden, größere – wie etwa am Ortler – nahmen stark an Fläche ab. Als Grund für diese Entwicklung führen Glaziologen den Treibhauseffekt an.

Nur circa ein Drittel der gesamten Oberfläche Italiens ist Flachland, das größte zusammenhängende Gebiet dieser Art befindet sich in der Lombardei. Die italienische Küste entlang des Adriatischen Meeres ist im Norden flach und sandig und geht in seichtes Gewässer über. Abgesehen von Venedig können aus Mangel an entsprechenden Häfen hochseetaugliche Schiffe in diesem Bereich nur schwer anlegen. Etwas südlich von Rimini wird die Ostküste der Halbinsel von den Vorsprüngen der Apenninen gesäumt.

Auf mittlerer Höhe entlang der Westküste sind drei Streifen flachen Sumpfgebiets entwickelt, die Campagna Romana, die Pontinischen Sümpfe und die Maremmen. Ansonsten wird die Westküste des Landes über weite Strecken von Buchten gegliedert, in denen zahlreiche natürliche Ankerplätze zur Verfügung stehen. Im Nordwesten befindet sich im Golf von Genua der Hafen der wichtigen Handelsstadt Genua. Neapel, eine weitere bedeutende Hafenstadt der Westküste, liegt an dem vom Vulkan Vesuv überragten Golf von Neapel. Etwas weiter südlich schließt der Golf von Salerno mit dem Hafen von Salerno an. Am südlichen Ende der Halbinsel bildet der Golf von Tarent eine tiefe Einbuchtung ins Landesinnere und trennt damit den so genannten „Absatz” von Italien von der „Spitze” (Kalabrien). Die Ausläufer der Apenninen reichen bis über die Straße von Messina und durchqueren die Insel Sizilien. Auf dieser liegt der Vulkan Ätna (3 323 Meter), der aktivste Vulkan Europas. Ein weiterer noch tätiger Vulkan erhebt sich auf Stromboli, einer der Liparischen Inseln nordwestlich der Straße von Messina. Italien wird jedoch nicht nur von Vulkanausbrüchen, sondern auch von zahlreichen kleineren Erdbeben, vor allem in den südlichen Regionen, heimgesucht.

1. Flüsse und Seen

Italien verfügt über zahlreiche Flüsse, die längsten sind der Po und die Etsch. Der 652 Kilometer lange Po ist von Turin bis zu seiner Mündung ins Adriatische Meer schiffbar und stellt mit seinen Nebenflüssen circa 965 Kilometer inländischer Wasserwege bereit. Die Etsch (410 Kilometer) entspringt am Reschenpass, durchfließt die Ebene des Po, mit dem sie durch Kanäle verbunden ist, und mündet nördlich des Po in das Adriatische Meer.

Die Flüsse der Italienischen Halbinsel sind überwiegend seicht, während der Sommermonate oft ausgetrocknet und folglich für die Schifffahrt und die Industrie wenig geeignet. Arno und Tiber sind die längsten Flüsse dieser Apenninenhalbinsel. Der Arno entspringt in den Apenninen und fließt etwa 241 Kilometer in westlicher Richtung durch ein fruchtbares, landwirtschaftlich genutztes Tal und durchquert auch die Städte Florenz und Pisa. In der Nähe der Quellen des Arno liegen auch die des Tiber, der durch Rom fließt. Auf dem Staatsgebiet von Italien befinden sich auch zahlreiche Seen. Die größten sind im Norden des Landes der Gardasee, der Lago Maggiore, der Comer See und der Iseosee. Sie befinden sich am südlichen Alpenrand in den ehemals von Gletschern ausgeschürften Becken. Die größten Seen auf der Halbinsel sind der Trasimenische See, der Bolsenasee und der Braccianosee.

2. Klima

Italiens Klima ist aufgrund der großen Längenerstreckung und des stark gegliederten Reliefs äußerst vielfältig und reicht vom alpinen Klima der höheren Lagen der Alpen und der Apenninen bis hin zum subtropischen Klima entlang der Küsten des Ligurischen Meeres und der südlichen Abschnitte der Halbinsel.

Das Gebiet der Alpen ist je nach Höhenlage durch kühlgemäßigte bis alpine Bedingungen gekennzeichnet. Hauptregenzeit ist im Gebirge der Sommer. Die mittleren Monatstemperaturen in Bozen liegen im Januar bei 0 °C, im Juli bei 22 °C. In Bozen werden mittlere Jahresniederschläge von etwa 800 Millimetern verzeichnet. Die Poebene ist durch winterkaltes Klima geprägt. Die Niederschläge fallen hier weniger im Sommer, sondern erreichen ihre Höchstwerte im Frühling und im Herbst. Die Monatsmitteltemperaturen liegen in Mailand bei 2 °C (Januar) bzw. 23 °C (Juli); der mittlere Jahresniederschlag beläuft sich hier auf etwa 900 Millimeter.

Das Klima auf der Halbinsel unterliegt hohen regionalen Schwankungen, die hauptsächlich durch die Apenninen verursacht und von den Winden der umliegenden Meere beeinflusst werden. Die klimatischen Bedingungen zeigen hier eine deutliche Abhängigkeit von der Entfernung zum Meer und der Höhenlage. In den Ebenen und in den tieferen Lagen der Apenninen sind die Winter mild, die Sommer sehr warm. Extrem hohe Temperaturen während der warmen Jahreszeit werden durch die kühlenden Brisen vom Mittelmeer gemildert. Auf der gleichen geographischen Breite im Osten der Halbinsel sind die Temperaturen wesentlich niedriger, was vor allem an den vorherrschenden nordöstlichen Winden liegt.

In den Küstenregionen Italiens herrscht mediterranes Klima; die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und feucht. In San Remo, an der Küste des Ligurischen Meeres, nahe der Grenze zu Frankreich, liegt die mittlere Januartemperatur bei 10 °C, die des Juli bei 23 °C; die Jahresniederschläge betragen rund 800 Millimeter. Ähnlich sind die klimatischen Bedingungen entlang der Westküste bis nach Sizilien, wo die Sommer noch etwas wärmer sind (Julimittel 25 °C); allerdings ist es mit circa 500 Millimetern trockener als in den nördlicher gelegenen Küstengebieten.

3. Flora und Fauna

Früher waren weite Teile Italiens mit Wald bedeckt. Intensive Rodungen zum Zweck der Ausweitung von Siedlungs- und Agrarflächen sowie zur Gewinnung von Brennholz und Rohstoffen für den Schiffsbau führten während der vergangenen Jahrhunderte zum Verlust weiter Waldflächen. Die verbliebenen Laub- und Nadelwälder in den Alpenregionen gehen ab etwa einer Höhe von 1 800 bis 2 100 Metern in Strauchformationen mit nur geringem Anteil an Bäumen über. Oberhalb der Baumgrenze sind alpine Matten mit Rasengesellschaften verbreitet.

Die Poebene wird großflächig agrarisch genutzt; zahlreiche Kulturpflanzen werden hier angebaut. In den zentralen und südlichen Regionen Italiens ist eine typisch mediterrane Pflanzenwelt verbreitet, die in Mittelitalien bis in 400 Meter und in Süditalien bis in 800 Meter Höhe reicht. Im Norden des Landes gedeiht sie auch im Bereich der Alpenrandseen, z. B. in den Uferregionen des Gardasees, sowie an der ligurischen Küste. Zu den charakteristischen Kulturpflanzen Italiens zählen Ölbäume und Citrusbäume; im Süden gedeihen Dattelpalmen sowie Feigen-, Granatapfel- und Mandelbäume, darüber hinaus werden Zuckerrohr und Baumwolle angepflanzt.

Die niedrigeren Hänge der Apenninen sind mit Kastanien, Zypressen und Eichen bewachsen, während in höheren Lagen Pinien- und Tannenwälder verbreitet sind. Lang anhaltende Abholzung und Überweidung führten in manchen Gebieten zur Entwicklung der Macchie, einer typischen Sekundärvegetation, die heute in weiten Teilen des Mittelmeerraumes der vorherrschende Vegetationstyp ist. Arten der Macchie sind Baumheide, Lorbeer und Zistrosen.

Die Tierwelt, insbesondere die Avifauna (Vogelwelt), wird durch die in Italien weit verbreitete freie Jagd, der auch zahllose Zugvögel zum Opfer fallen, stark beeinträchtigt. Vorkommen größerer Säugetiere sind weitgehend auf Naturparks beschränkt. Im Gran Paradiso Nationalpark gelang es, eine Restpopulation des durch Überbejagung gefährdeten Steinbocks für Wiedereinbürgerungen zu vermehren. In den Abruzzen leben noch Braunbären und Wölfe, in den Alpen finden Luchse, Gämsen, Murmeltiere und Schneehasen Lebensraum. Zwei aus anderen Regionen eingeführte Säugetiere sind das Nordafrikanische Stachelschwein und der Indische Mungo (eine Schleichkatze). In Italien lebt das kleinste Säugetier Europas, die Etruskerspitzmaus.

Zu den Greifvögeln gehören Adler (Habichtsadler, Steinadler, Seeadler, Schelladler, Schlangenadler, Fischadler), Geier (Schmutzgeier), Milane, Weihen, Bussarde und Falken. Bemerkenswerte Vogelarten der Feuchtgebiete sind Reiher (Nachtreiher, Seidenreiher, Graureiher, Purpurreiher), Sichler und Rosaflamingos (die beiden letzteren auf Sardinien). Die Reptilienfauna ist u. a. durch zahlreiche Eidechsen- und Schlangenarten (Nattern, giftige Vipern) repräsentiert, zudem gibt es Geckos und auf Sizilien Chamäleons. In einigen Gebieten leben Skorpione.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl Italiens beträgt rund 58,1 Millionen (2008). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 198 Einwohnern pro Quadratkilometer (2008). Die höchsten Werte werden im Norden des Landes verzeichnet. Hier sind die Geburtenraten zwar niedriger als in den südlichen Landesteilen, jedoch hält der Zuzug aus dem Süden in den stärker industrialisierten Norden an. Die bevorzugte Region für Zuwanderer aus dem Süden ist dabei das so genannte Industriedreieck Mailand-Turin-Genua. Das jährliche Wachstum der Bevölkerung in Italien beträgt etwa -0,02 Prozent (2008). Die mittlere Lebenserwartung liegt für Frauen bei 83,2 Jahren, für Männer bei 77,1 Jahren (2008). Die hohen Auswanderungsraten aus den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind stark zurückgegangen. Demgegenüber stieg die Zahl der Rückwanderer an. Mittlerweile besteht ein Gleichgewicht bei den Zahlen der Aus- und Rückwanderer.

Nach einer groben Gliederung kann man das Land in den stärker industrialisierten Norden (das Gebiet von der nördlichen Landesgrenze bis Rom) und den vor allem agrarisch strukturierten, ländlichen Süden (Mezzogiorno) unterteilen. Im Norden liegt die Mehrzahl der größeren Städte; hier leben rund zwei Drittel der Bevölkerung Italiens. Allerdings sind auch in Norditalien einige Gebiete, wie z. B. in den Alpen, nur sehr dünn besiedelt. Mittlerweile wohnen etwa 68 Prozent der italienischen Bevölkerung in Städten. Bis in die späten achtziger Jahre hinein stieg der Urbanisierungsgrad stark an, stagnierte jedoch in den neunziger Jahren.

1. Wichtige Städte

Die größte Stadt und zugleich Hauptstadt Italiens ist Rom mit 2,71 Millionen Einwohnern (2007), ein kulturelles wie auch überragendes touristisches Zentrum. Weitere bedeutende Städte sind das Industrie- und Finanzzentrum Mailand (1,30 Millionen), Neapel (0,98 Million), mit einem der am stärksten frequentierten Häfen Italiens, die Industriestadt Turin (900 569), Palermo (666 552), Hauptstadt und wichtigste Hafenstadt Siziliens, Genua (615 686), die führende Hafenstadt Italiens, das Handelszentrum Bologna (373 026), das überragende kulturelle Zentrum Florenz (365 966), Bari (325 052), Catania (301 564) und Venedig (268 934).

2. Sprache

Amtssprache des Landes ist Italienisch, regionale Amtssprachen für anerkannte Minderheiten sind Deutsch in Südtirol, Französisch im Aostatal und Slowenisch in Friaul-Julisch-Venetien. Auf Sardinien sind Katalanisch und Sardisch verbreitet. Minderheitensprachen in Süditalien sind Kroatisch und Griechisch. Die im Süden der Provinz Trentino-Alto Adige ansässigen Ladiner sprechen Ladinisch, eine der rätoromanischen Sprachen.

3. Religion

Etwa 90 Prozent der Italiener sind Anhänger des römisch-katholischen Glaubens, der bis 1984 Staatsreligion war. Die Verfassung garantiert nun Religionsfreiheit. Zum Protestantismus bekennen sich etwa 50 000 Einwohner, zum Judentum rund 35 000. Die in Italien lebenden Muslime sind meist Bosnier, die während des Bosnisch-Kroatisch-Serbischen Krieges hierherkamen.

3.1. Feiertage

Am 6. Januar wird Epiphanias, das Dreikönigsfest, gefeiert, an dem die Weihnachtshexe Befana die Menschen besucht. Befana ist der Überlieferung zufolge eine alte freundliche Hexe, die die Heiligen Drei Könige nicht begleiten konnte, und die seitdem nach dem Jesuskind sucht. In vielen Teilen Italiens wird an den Tagen, die der Fastenzeit unmittelbar vorausgehen, mit Umzügen und Kostümfesten der Carnevale gefeiert. Der Tag der Befreiung am 25. April erinnert an die Befreiung Italiens im 2. Weltkrieg. Am 15. August begehen die Italiener den Feiertag Mariä Himmelfahrt. An diesem Tag beginnt auch Ferragosto, d. h. die Ferien, in denen alle großen Unternehmen schließen. An Allerheiligen (1. November) gedenken die Italiener aller katholischen Heiligen. Einen Tag später, am 2. November, folgt Allerseelen (Il Giorno dei Morti). Am 6. Dezember feiern die Italiener das Fest des heiligen Nikolaus (Festa di San Nicola). Der heilige Nikolaus ist u. a. der Schutzpatron der Schiffer und Kinder. Auf ihn geht auch der von uns gefeierte Nikolaus zurück, der in Italien unter dem Namen Babbo Natale (Weihnachtsmann) bekannt ist. Der 8. Dezember ist der Tag der Unbefleckten Empfängnis.

4. Soziales

Ein staatliches Gesundheitswesen wurde 1980 in der Absicht eingeführt, allen Bürgern freie medizinische Versorgung zu gewähren. Die Sozialversicherung, überwiegend von den Arbeitgebern getragen, versorgt auch Behinderte und Alte sowie Staatspensionäre, Bauern, arbeitslose Landarbeiter und Lehrlinge.

Große soziale Unterschiede bestehen zwischen dem wirtschaftlich geprägten Norditalien und dem eher landwirtschaftlichen Süden.

4. Bildung und Kultur

Der italienische Einfluss auf die europäische Bildung geht bis auf die frühen römischen Erzieher und Gelehrten zurück, von denen die herausragendsten Cicero, Quintilian und Seneca waren. Im Mittelalter galten die italienischen Universitäten als Modelle für andere Länder. Während der Renaissance unterrichteten italienische Gelehrte in fast ganz Europa geisteswissenschaftliche Fächer, besonders griechische Sprache und griechische Literatur. Dieser Einfluss hielt bis zum Ende des 17. Jahrhunderts an. Nach einer wenig bedeutenden Phase im 18. und 19. Jahrhundert gewann das italienische Bildungswesen im 20. Jahrhundert wieder internationale Anerkennung, so auch Maria Montessoris neue Methoden der Kindererziehung (siehe Montessori-Pädagogik).

Das moderne Bildungswesen wurde 1859 durch die Verabschiedung eines Gesetzes begründet, das ein vollständiges Schulsystem von der Elementarstufe bis zur Universität vorsah. Es wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts stetig verbessert. 1923 setzte sich der Philosoph Giovanni Gentile, der unter Benito Mussolini Unterrichtsminister war, für eine völlige Kontrolle des Staates über das Bildungswesen ein. Dies wurde durch die Schulsatzung von 1939 bekräftigt. Nach dem Ende des Faschismus 1944 wurde das Schulsystem jedoch nach demokratischen Richtlinien umorganisiert. Die Verfassung von 1947 und spätere Gesetze hatten einen Anstieg des allgemeinen Bildungsniveaus zur Folge und ermutigten Experimente wie beispielsweise Erwachsenenbildung über das Fernsehen (telescuola).

Für Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren stehen Kindergärten zur Verfügung. Die Dauer der Schulpflicht beträgt 9 Jahre (2001–2002); in dieser Zeit ist der Schulbesuch gebührenfrei. Innerhalb dieses Abschnitts sind fünf Schuljahre in der Elementarstufe und drei Jahre Sekundarstufe vorgesehen. Letztere absolviert man in einer allgemeinen Sekundarschule. Im Anschluss daran bieten weiterführende Schulen der fortgeschrittenen Sekundarstufe eine berufsspezifische Ausbildung oder eine Vorbereitung auf die Universität an. Die Zugangsberechtigung zur Universität kann in Schulen verschiedener Ausrichtung erworben werden, in klassischen, wissenschaftlichen, pädagogischen, technischen oder Wirtschaftsschulen. Auch Kunstakademien und Musikkonservatorien können besucht werden; berufsspezifische Ausbildungsgänge schließen auch die Bereiche Industrie und Landwirtschaft ein.

1. Bildungseinrichtungen

Im 13. Jahrhundert wurden sechs italienische Universitäten gegründet, fünf im 14. Jahrhundert. Die älteste ist die Universität Bologna, sie geht bis auf das 11. Jahrhundert zurück. Die Universität Rom ist mit circa 180 000 Studenten die größte des Landes. Weitere namhafte Universitäten befinden sich in Bari, Florenz, Genua, Mailand, Padua, Perugia, Pisa, Siena und Triest.

2. Kunst, Musik und Literatur

Von der Antike bis zur heutigen Zeit spielten die italienische Kunst und Architektur sowie die italienische Literatur international eine zentrale Rolle. Auch die italienische Musik war stil- und gattungsbildend, vor allem im Bereich der Oper, die im Italien des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts ihren Anfang nahm.

In Italien gibt es aufgrund der natürlichen geographischen Grenzen und des ungleichen kulturellen Erbes, das in den Kulturen der Griechen, Etrusker, Araber, Normannen und Langobarden wurzelt, auf kulturellem Gebiet bedeutende regionale Unterschiede. Diese Vielfalt spiegelt sich in den unterschiedlichen Dialekten, Feiertagen, Festen, Liedern und in der regionalen Küche wider.

Bedeutende italienischen Maler sind Giotto, Fra Angelico, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian und Amedeo Modigliani, herausragende Komponisten Antonio Vivaldi, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini, Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi. Die Biennale, ein internationales Filmfestival in Venedig, ist weltbekannt. italienischer Film

2.1. Bibliotheken und Museen

Italien verfügt über eine Vielzahl bedeutender Bibliotheken. Die umfangreichsten und wertvollsten sind die Nationalbibliotheken von Florenz, Neapel und Rom. Auch in mehreren Universitäten findet man gut ausgestattete Bibliotheken. Kleinere Sammlungen mit aus der jeweiligen Gegend stammenden Manuskripten und Inkunabeln kann fast jede italienische Stadt aufweisen.

Zahlreiche italienische Städte beherbergen weltbekannte Kunstsammlungen. Die wichtigsten Kunstmuseen sind die Uffizien und die Medici-Kapelle in Florenz, das Nationalmuseum in Neapel sowie in Rom das Museum Villa Giulia, Museum und Galerie Borghese und die Nationalgalerie für Moderne Kunst. Der Vatikan verfügt über bedeutende Kunstsammlungen in seinen Museen und Kapellen, am bekanntesten ist die Sixtinische Kapelle.

2.2. Medien

Seit 1976 das Monopol der italienischen Regierung für Fernseh- und Rundfunkübertragungen aufgehoben wurde, hat sich die Anzahl der Radio- und Fernsehstationen auf über 1 000 erhöht. Mit dem Anstieg der Sender nahm die Bedeutung der Printmedien ab. Nach wie vor spielen lokale und regionale Veröffentlichungen, einschließlich derjenigen der politischen Parteien und der römisch-katholischen Kirche, eine tragende Rolle in der italienischen Medienlandschaft. Einflussreiche Tageszeitungen sind die Corriere della Sera (Mailand, mit einer römischen Ausgabe), La Repubblica (Rom) und La Stampa (Turin).

5. Verwaltung und Politik

Nach der Verfassung von 1948 ist Italien eine parlamentarisch-demokratische Republik. Obwohl die zeitweise instabile Politik seither mehr als 50 verschiedene Regierungen hervorgebracht hat, wird die Ordnung durch eine fest verankerte, die gewählten Amtsträger stützende Bürokratie aufrechterhalten.

1. Exekutive

Staatsoberhaupt Italiens ist der Präsident; er wird vom Parlament und jeweils drei Vertretern der 20 Regionalversammlungen für eine Amtsperiode von sieben Jahren gewählt. Das Aostatal entsendet nur einen Vertreter. Der Präsident – er muss mindestens 50 Jahre alt sein – ist gewählt, wenn er eine Zweidrittelmehrheit erhält. Er hat, abgesehen von den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit, jederzeit das Recht, den Senat und das Abgeordnetenhaus aufzulösen. In der Regel hat er wenig mit den laufenden Regierungsgeschäften zu tun, sondern beschränkt sich überwiegend auf repräsentative Aufgaben. Die Exekutive wird vornehmlich vom Ministerpräsidenten ausgeübt, der vom Präsidenten ernannt wird. Der Ministerpräsident ist in der Regel der Führer der stärksten Partei im Abgeordnetenhaus.

2. Legislative

Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament. Es setzt sich aus dem Abgeordnetenhaus und dem Senat zusammen. Beide werden vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Bis 1993 gab es ein Verhältniswahlsystem; infolge von Korruptionsskandalen Anfang der neunziger Jahre stimmten jedoch die Wähler 1993 für die Einführung eines direkteren Wahlsystems. In der Folge wurden, beginnend bei den Wahlen im März 1994, jeweils drei Viertel der 630 Sitze des Abgeordnetenhauses und der 325 Sitze im Senat durch Mehrheitswahl bestimmt. Die verbliebenen 25 Prozent der Mandate werden weiterhin von den Parteichefs entsprechend dem Stimmenanteil der Partei bestimmt. 2005 wurde wieder ein Verhältniswahlsystem eingeführt, das jedoch im Abgeordnetenhaus dem stärksten Parteienbündnis automatisch mindestens 55 Prozent der Sitze, also die absolute Mehrheit garantiert. Eine ausgewählte Gruppe aus Ehrenbürgern und ehemaligen Präsidenten ist im Senat Mitglied auf Lebenszeit. Für die Wahl eines Senators sind alle Bürger ab 25 Jahren berechtigt, für alle anderen Wahlen alle Bürger ab 18 Jahren.

3. Judikative

Die italienische Rechtsprechung basiert auf römischen Traditionen und dem französischen Code civil. Der Verfassungsgerichtshof (Corte Constituzionale) überwacht die Einhaltung der Verfassung. Er besteht aus 15 Richtern; fünf von diesen werden vom Präsidenten der Republik ernannt, fünf von Senat und Abgeordnetenhaus gemeinsam und fünf vom Obersten Gerichtshof. Der Oberste Kassationsgerichtshof (Corte Supreme di Cassazione) ist das oberste Berufungsgericht und für alle nicht die Verfassung betreffenden Fälle zuständig. Darunter sind für die Strafgerichtsbarkeit Bezirksgerichte, Tribunale und Berufungsgerichte eingerichtet.

4. Kommunalverwaltung

Italien ist in 20 Regionen unterteilt, diese wiederum in insgesamt 108 Provinzen. Fünf der 20 Regionen besitzen einen Sonderstatus; dabei handelt es sich um das Aostatal, Friaul-Julisch-Venetien, Sizilien, Sardinien und Trentino-Südtirol. Jede Region hat ein Verwaltungsoberhaupt, das einer vom Volk gewählten Versammlung verantwortlich ist. Die Regierungen der Regionen sind mit beträchtlichen Kompetenzen ausgestattet. Das Oberhaupt einer Provinz, der Präfekt, wird von der Zentralregierung ernannt und ist ihr gegenüber verantwortlich; in der Praxis hat er nur geringe Machtbefugnisse. Die Verwaltung der Provinzen unterliegt jeweils einem gewählten Provinzialrat und einem Provinzialausschuss mit Exekutivgewalt.

5. Politische Parteien

In der ersten Hälfte der neunziger Jahre erlebte die italienische Parteienlandschaft eine tief greifende Umgestaltung und Neuorientierung. Ursache war der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust der etablierten Parteien, der wiederum aus der Häufung der Korruptionsaffären resultierte, in die zahlreiche führende Politiker verwickelt waren, sowie aus der offensichtlichen Unfähigkeit der etablierten Kräfte, eine tragfähige Regierung zu bilden und die anstehenden Probleme zu lösen. Bis in die neunziger Jahre hatte ein italienisches Kabinett eine durchschnittliche Lebensdauer von zehn Monaten, gefolgt jeweils von mehr oder weniger langen regierungslosen Phasen.

Bis in die neunziger Jahre dominierte die Democrazia Cristiana (DC, Christdemokraten) die Parteienlandschaft. Sie kam bis in die achtziger Jahre bei den Parlamentswahlen jeweils auf etwa 40 Prozent und stellte bis 1981 ohne Unterbrechung den Ministerpräsidenten; bis 1994 war sie stärkste Fraktion und an allen Regierungen beteiligt. Zweitstärkste Kraft war seit Bestehen der Republik der Partito Comunista Italiano (PCI, Kommunistische Partei Italiens), die mitgliederstärkste kommunistische Partei im Westen, mit Stimmenanteilen bei den Parlamentswahlen zwischen 16 und knapp 35 Prozent. Die Sozialisten waren in zwei Parteien gespalten: den prowestlichen Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) und den kommunistisch orientierten Partito Socialista Italiano (PSI).

1991 änderte der PCI seinen Namen in Partito Democratico della Sinistra (PDS, Demokratische Partei der Linken) und gab sich ein neues Programm. Die orthodoxen Kommunisten spalteten sich als Partito di Rifondazione Comunista (PRC, Partei der Kommunistischen Neugründung) vom PDS ab. Ebenfalls 1991 schlossen sich mehrere kleine norditalienische Autonomiebewegungen zur rechtsgerichteten Lega Nord zusammen. Im Januar 1994 zog die DC die Konsequenz aus ihrer letzten Wahlniederlage und ihrer Verwicklung in diverse Korruptionsaffären, löste sich auf und gründete sich als Partito Populare Italiano (PPI, Italienische Volkspartei) neu. Der rechte Flügel trennte sich als Centro Cristiano Democratico (CCD, Christlich-Demokratisches Zentrum) von den ehemaligen Christdemokraten. Im Juli 1995 erlebte der PPI neuerlich eine Abspaltung: Der konservative Flügel konstituierte sich unter dem Namen Cristiani democratici uniti (CDU, Vereinte Christdemokraten) als eigene Partei. Im November 1994 löste sich auch der PSI auf und gründete sich als Socialisti Italiani (SI, Italienische Sozialisten) neu. Im Dezember 1993 gründete der Medienunternehmer Silvio Berlusconi die rechtspopulistische Forza Italia, und im Januar 1994 schlossen sich verschiedene kleiner Rechtsparteien unter der Führung der Neofaschisten zur Alleanza Nazionale (AN, Nationale Allianz) zusammen.

In Reaktion auf die Wahlrechtsreform – 75 Prozent der Abgeordneten werden seit 1994 per Mehrheitswahlrecht ermittelt – schlossen sich die Parteien zu Wahlbündnissen zusammen. 1994 waren das: Das Linksbündnis Alleanza Progressiva oder Progressisti, bestehend aus PSI, PRC, Verdi (Grüne) sowie anderen kleineren Linksparteien unter der Führung des PDS; das Rechtsbündnis Polo della libertà e del buon governo (Pol der Freiheit und des guten Regierens) aus Lega Nord, AN, CCD und anderen Rechtsparteien unter der Führung der Forza Italia; und das Wahlbündnis der Mitte aus PPI und Pakt für Italien. Bei den Märzwahlen 1994 konnte sich von den alten Parteien bzw. deren Nachfolgerinnen allein der PDS als weiterhin zweitstärkste Kraft behaupten; alle anderen verloren zugunsten des Rechtsbündnisses, das die abolute Mehrheit gewann.

Im Vorfeld der Aprilwahlen 1996 formierten sich die Wahlbündnisse neu: Zum Mitte-links-Bündnis L’Ulivo (Ölbaum) schlossen sich PDS, PPI und Verdi zusammen; im Rechtsbündnis Polo della libertà (Pol der Freiheit) fanden sich Forza Italia, AN, CCD und CDU zusammen. Die Lega Nord, der PRC und andere kleinere Parteien schlossen sich keinem der beiden Bündnisse an. Aus den Wahlen ging das Mitte-links-Bündnis als Sieger hervor, war allerdings im Parlament auf die Unterstützung des PRC angewiesen. Stärkste Fraktion wurde der PDS, gefolgt von den Rechtsparteien Forza Italia, AN und Lega Nord.

Für die Parlamentswahlen vom Mai 2001 formierte sich das rechte Lager neu. Forza Italia, Alleanza Nazionale und Lega Nord schlossen sich zur Casa delle Libertà zusammen. Das von Berlusconi geführte Rechtsbündnis trat gegen das regierende Mitte-links-Bündnis L’Ulivo an und erreichte in beiden Kammern die absolute Mehrheit der Sitze.

6. Die Mafia

Die Mafia ist ein Netzwerk krimineller Gruppen und entwickelte sich bereits im Mittelalter in Sizilien. Sie ist wegen ihrer starken Familienbande, ihrer rücksichtslosen Gewalt und ihrer strengen Schweigepflicht (Omertà) bekannt und kontrolliert vor allem Sizilien. Dabei unterwandert bzw. manipuliert sie lokale Verwaltungen und erpresst Gelder. Abgesehen von einer zeitweisen Eindämmung durch Benito Mussolini von den zwanziger Jahren bis zum Ende des 2. Weltkrieges, hat die Mafia während des 20. Jahrhunderts ihren Einfluss über sowohl legale als auch illegale Unternehmen, besonders im Süden des Landes, kontinuierlich ausgebaut. Ihr Einflussbereich wurde durch die Emigration von Mitgliedern auch auf andere Länder ausgedehnt. Seit den siebziger Jahren kontrolliert die Mafia einen großen Teil des weltweiten Heroinhandels. Mitte der achtziger Jahre begann die Regierung erneut, die Drahtzieher und die Aktivitäten der Mafia zu verfolgen und zu verurteilen. Dies sowie eine Reihe politischer Skandale, bei denen die Beziehungen einiger italienischer Politiker zur Mafia aufgedeckt wurden, gaben Anlass zu der Hoffnung, dass der Einfluss der Mafia in Italien eines Tages nachlassen würde.

7. Verteidigung

Italiens Streitkräfte wurden seit dem Beitritt zur NATO im Jahr 1949 stark vergrößert. Das Militär umfasst insgesamt etwa 191 875 Soldaten, davon ein Heer mit rund 112 000, eine Marine mit circa 34 000 und eine Luftwaffe mit ungefähr 45 875 Soldaten (2004). Die Wehrpflicht wurde zum 1. Januar 2005 ausgesetzt; seither ist die italienische Armee eine Berufs- und Freiwilligenarmee. Der freiwillige Wehrdienst dauert ein Jahr.

6. Wirtschaft

Ein weiterhin aktuelles Problem der italienischen Wirtschaft stellt das Nord-Süd-Gefälle dar. So ist z. B. die Industrialisierung in Norditalien wesentlich höher als in Süditalien. Hinsichtlich der Produktivität liegt der Süden in fast allen Wirtschaftsbereichen weit hinter dem Norden. Viele Süditaliener arbeiten in Norditalien oder im benachbarten Ausland. Die Arbeitslosenrate des gesamten Landes liegt bei etwa 8 Prozent (2004). Auch bei der Erwerbslosigkeit ist ein Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen (im Süden mehr, im Norden weniger).

Das Bruttoinlandsprodukt Italiens beträgt etwa 1 851 Milliarden US-Dollar (2006). Davon werden gut 65 Prozent in der Dienstleistungsbranche, etwa 32 Prozent in der Industrie und nur knapp 3 Prozent im Agrarsektor erwirtschaftet.

Von den rund 24 Millionen Arbeitern gehören etwa neun Millionen den drei großen Gewerkschaften an; der Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL) mit kommunistischer Ausrichtung (circa 4,6 Millionen Mitglieder), der zur politischen Mitte orientierten Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL; rund 3 Millionen Mitglieder) und der Unione Italiana del Lavoro (UIL; etwa 1,4 Millionen Mitglieder).

1. Landwirtschaft

Fast 60 Prozent der Landesfläche Italiens werden landwirtschaftlich genutzt. Etwa 9 Prozent der Erwerbstätigen sind im Agrarsektor beschäftigt. Italien zählt weltweit zu den führenden Weinproduzenten, und auch in der Herstellung von Oliven und Olivenöl rangiert Italien international weit vorne. Weitere wichtige Feldfrüchte sind Weizen, Kartoffeln, Tomaten, Zuckerrüben, Mais und Reis; ferner werden Gerste, Roggen, Artischocken, Pfefferschoten und Wassermelonen angebaut. Überaus bedeutsam für die italienische Landwirtschaft ist der Obstanbau; im Vordergrund stehen dabei Äpfel, Orangen, Feigen und Datteln. Auch die Milchwirtschaft hat einen hohen Stellenwert; sie ermöglicht die Herstellung von etwa 50 verschiedenen Käsesorten, u. a. Gorgonzola, Pecorino und Parmesan. Während in den nördlichen Landesteilen vor allem Rinder- und Schweinezucht erfolgen, werden in Süditalien überwiegend Schafe und Ziegen gehalten.

2. Forstwirtschaft und Fischerei

In Italien ist die forstwirtschaftliche Industrie nur schwach ausgeprägt, große Mengen an Holz werden importiert. Ausgedehnte Gebiete, die früher mit Wald bedeckt waren, wurden bereits seit der Antike abgeholzt. Die damit einhergehende Bodenerosion behinderte die Wirtschaft weiter. In den letzten Jahren kam es verstärkt zu Wiederaufforstungen. Die Bedeutung des Fischfangs ist aufgrund der Überfischung des Mittelmeeres und anhaltender Gewässerverschmutzung stark zurückgegangen. Zu den wichtigsten Meerestieren zählen für die Fischerei Sardinen, Forellen, Anchovis, Garnelen, Tintenfische und Muscheln.

3. Bergbau

Italien ist ein relativ rohstoffarmes Land. Wichtige Bodenschätze sind neben Braunkohle, Erdöl und Erdgas vor allem Blei-, Antimon-, Zink- und Eisenerzlagerstätten. Außerdem werden Quecksilbererze, Schwefel und Salz (Stein- und Kalisalz) abgebaut. Ebenfalls wirtschaftlich bedeutend ist die Marmorgewinnung. Viele dieser Vorkommen befinden sich u. a. auf den Inseln Sizilien und Sardinien sowie in der Poebene.

4. Industrie

Zu den wichtigen industriellen Produktionszweigen des Landes gehören neben der Metallverarbeitung der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektrotechnik sowie die Herstellung chemischer Erzeugnisse. Darüber hinaus sind auch die Produktion von Nahrungs- und Genussmitteln (u. a. Teigwaren, Speiseöl, Käse und Wein) sowie die Leder-, Tabak- und Textilverarbeitung von herausragender Bedeutung. Eine besondere Rolle kommt dem Kunsthandwerk zu. Die führenden Industriezentren konzentrieren sich in Nord- und Mittelitalien. Wichtige Standorte des produzierenden Gewerbes sind Genua, Mailand, Rom und Turin.

5. Währung und Bankwesen

Währungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Italienische Lira (= 100 Centesimi) als Währung ablöste. Mailand und Rom sind die wichtigsten Finanzzentren des Landes.

6. Außenhandel

Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Handelsbeziehungen Italiens vor allem zu den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft intensiviert worden. Die Abhängigkeit Italiens vom Import wichtiger Rohstoffe führte bis in die achtziger Jahre hinein überwiegend zu negativen Handelsbilanzen. Mittlerweile verzeichnet die italienische Volkswirtschaft eine positive Handelsbilanz, die Einnahmen des Exports übersteigen die Ausgaben des Imports.

Wichtigste Exportgüter sind Maschinen und Kraftfahrzeuge, Agrarprodukte (vor allem Oliven, Obst, Wein und Reis), chemische Erzeugnisse, Textilien, Bekleidung und Schuhe. Der Hauptanteil der italienischen Exportwaren wird nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die USA und die Schweiz geliefert. Zu den Hauptimportprodukten zählen Maschinen, Fahrzeuge, Rohöl, Kohle, Nahrungsmittel und Baumwolle. Importiert wird überwiegend aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Belgien.

7. Verkehrswesen

Italien verfügt über eine der größten Handelsflotten der Welt. Die wichtigsten Häfen Italiens sind u. a. Genua, Triest, Augusta, Tarent und Venedig, Livorno, Neapel, Ravenna, Syrakus und La Spezia. Zwischen dem Festland und mehreren Inseln im Mittelmeer bestehen regelmäßige Schiffsverbindungen.

Das Eisenbahnnetz erstreckt sich über 16 751 Kilometer, mehr als die Hälfte davon ist elektrifiziert. Die meisten Bahnlinien sind staatlich.

Italien verfügt über ein etwa 484 688 Kilometer langes Straßennetz, einschließlich circa 6 000 Kilometer gebührenpflichtiger Autobahnen (autostrada). Mit den nördlichen Nachbarstaaten Österreich und der Schweiz ist Italien verkehrstechnisch durch mehrere Alpenübergänge sowie durch Straßen und Bahnlinien verbunden, die teilweise durch Tunnels verlaufen. Der Montblanc-Tunnel, einer der längsten Autotunnels der Welt, wurde 1965 zwischen Italien und Frankreich eröffnet. Diese beiden Länder sind seit 1980 auch durch den Mont-Fréjus-Straßentunnel verbunden.

Alitalia, die staatliche Fluggesellschaft, wickelt sowohl inländischen als auch ausländischen Flugverkehr ab. Der frequentierteste Flughafen ist Leonardo da Vinci bei Rom, der größte internationale Flughafen ist Malpensa bei Mailand. Ebenfalls bedeutend sind die Flughäfen von Neapel, Turin, Venedig, Rimini und Catania.

8. Tourismus

Seit einigen Jahrzehnten zählt der Fremdenverkehr zu den ergiebigsten Einnahmequellen Italiens, das zu den klassischen Reiseländern zählt. Bevorzugte Regionen sind die Alpen, die Küstengebiete am Ligurischen und Adriatischen Meer, die großen Städte sowie kleinere Städte und Orte, in denen Baudenkmäler verschiedener Epochen erhalten sind. 1999 kamen nahezu 36 Millionen Besucher aus dem Ausland nach Italien.

9. Energie

Italien ist auf umfangreiche Energieimporte, vor allem Steinkohle, Erdöl und Erdgas, angewiesen. 82,4 Prozent der in Italien erzeugten Energie liefern Wärmekraftwerke. Ebenfalls bedeutend ist die Energieproduktion in Wasserkraftwerken (13,4 Prozent). Eine Besonderheit im Energiesektor ist die Nutzung der Erdwärme nahe der toskanischen Stadt Larderello. Dort wird Strom aus vulkanischen Dämpfen gewonnen.

7. Geschichte

Zur Geschichte der Apenninenhalbinsel bis 476 n. Chr. siehe Etrusker und etruskische Kultur, Frühgeschichte Roms, Römische Republik und Römisches Kaiserreich.

1. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches

In der letzten Phase des Weströmischen Reiches fielen im Rahmen der Völkerwanderung wiederholt auswärtige Völker in das Machtvakuum Italien ein, so etwa 410 die Westgoten unter Alarich I. und 452 die Hunnen unter Attila, und auch die folgenden etwa fünf Jahrhunderte blieb die Apenninenhalbinsel ein Spielball verschiedener Mächte, die sich in der Herrschaft über die ganze oder Teile der Halbinsel abwechselten.

476 setzte der Skirenfürst Odoaker den weströmischen Kaiser Romulus Augustulus ab und besiegelte damit das Ende des Weströmischen Reiches. Von seinem Heer zum König ausgerufen, übernahm Odoaker weitgehend die römischen Verwaltungsstrukturen, wurde auch vom römischen Senat anerkannt und anerkannte seinerseits die Oberhoheit des oströmischen Kaisers Zenon. Ab 488 bekämpfte der Ostgote Theoderich der Große im Auftrag Zenons Odoaker, schlug ihn 493 vernichtend und übernahm als Stellvertreter des oströmischen bzw. byzantinischen Kaisers die Herrschaft in Italien. Unter Theoderichs über 30-jähriger Herrschaft erlebte Italien nach einer langen Zeit der Kämpfe und des Niedergangs wieder eine Phase des Friedens, der kulturellen Blüte und des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs. Der Gegensatz allerdings zwischen dem arianischen Glauben der herrschenden Ostgoten und dem katholischen Glauben der Mehrheit der einheimischen Bevölkerung standen einer nachhaltigen Konsolidierung des Staates entgegen. Nach Theoderichs Tod 526 übernahm dessen Tochter Amalasuntha die Regentschaft in Italien; nach deren Tod 535 eroberten die byzantinischen Feldherrn Belisar und Narses im Auftrag ihres Kaisers Justinian I. in einem langwierigen Krieg (535-552/553) Italien für das Byzantinische Reich zurück. Bereits 568 endete mit dem Einfall der Langobarden unter ihrem König Alboin in Italien die byzantinische Herrschaft über die gesamte Halbinsel wieder. Die Langobarden brachten ganz Norditalien und die Toskana unter ihre Herrschaft, später auch noch die Herzogtümer Spoleto und Benevent in Mittel- und Süditalien. Ihre Hauptstadt wurde Pavia. Nur die Küstenregionen um Rom und Ravenna, Genua und Venedig und in Unteritalien Kalabrien und Apulien sowie Sizilien blieben in byzantinischer Hand und wurden von Exarchen verwaltet.

Die dritte bedeutsame Macht in Italien neben Langobarden und Byzantinern war das Papsttum mit dem ihm unterstehenden Grundbesitz der römischen Kirche, dem Patrimonium Petri (siehe Kirchenstaat). Bislang unter byzantinischer Oberhoheit, verlor das Papsttum im 8. Jahrhundert infolge des Bilderstreites den byzantinischen Schutz, so dass sich Papst Stephan II. 753 gezwungen sah, gegen die erneut den Kirchenstaat bedrohenden Langobarden den fränkischen König Pippin III. zu Hilfe zu rufen. 754 und 756 schlug Pippin die Langobarden und überließ ehemals langobardisches Gebiet (Ravenna, das die Langobarden erst 751 erobert hatten, und die Pentapolis) als so genannte Pippin’sche Schenkung dem Papst. 773/774 eroberte Karl der Große, erneut vom Papsttum zu Hilfe gerufen, das langobardische Reich und nahm den Titel Rex Langobardorum (König der Langobarden) an. Oberitalien wurde bald als „Reichsitalien” eng mit dem Frankenreich verbunden, das Herzogtum Spoleto wurde zur fränkischen Mark, und Benevent blieb vorerst unabhängig. Der Kirchenstaat stand unter dem Schutz Karls des Großen und seiner Nachfolger. 800 krönte Papst Leo III. Karl den Großen in Rom zum Kaiser und erneuerte damit das weströmische Kaisertum.

Ab dem 9. Jahrhundert wurde Italien zunehmend von den Sarazenen bedroht; ab 827 unterwarfen sie Sizilien und griffen wiederholt auch auf das Festland über. Den Karolingern bis einschließlich Ludwig II., dem letzten Kaiser und König von Italien in direkter Linie, gelang es, die Sarazenen abzuwehren; in der Folgezeit fiel diese Aufgabe mehr und mehr den regionalen Mächten zu, die sich unterdessen herausgebildet hatten und sich, da eine übergeordnete starke Königs- oder Kaisermacht fehlte, immer weiter verselbständigten. Zwar erhoben die Päpste noch verschiedene karolingische Könige zu Kaisern; aber im Zuge des allgemeinen Machtverfalls im Frankenreich boten diese Kaiser dem Papsttum kaum mehr Schutz gegen die Sarazenen und die seit dem späten 9. Jahrhundert ebenfalls in Italien einfallenden Ungarn sowie gegen die regionalen Mächte.

2. Unter kaiserlicher Oberhoheit

951 zog Otto I. nach einem Hilferuf Adelheids, der Witwe des letzten italienischen Königs, nach Italien, besiegte den Usurpator Berengar, nahm den Titel eines Königs der Langobarden an und setzte Berengar als Unterkönig in Reichsitalien ein. 961 zog Otto erneut nach Italien, diesmal von Papst Johannes XII. gegen Berengar zu Hilfe gerufen, besiegte Berengar und wurde 962 in Erneuerung des römischen bzw. karolingischen Kaisertums von Johannes XII. zum Kaiser gekrönt. Die Kaiserkrönung erneuerte die Schutzherrschaft des Kaisertums über den Kirchenstaat bzw. die Kirche, und sie begründete die Ausrichtung der mittelalterlichen deutschen Reichspolitik nach Italien.

Da den römisch-deutschen Königen bzw. Kaisern eine eigene Machtbasis in Nord- und Mittelitalien fehlte – Süditalien blieb außerhalb ihrer Reichweite –, mussten sie sich zur Durchsetzung ihrer Herrschaft auf regionale Fürsten und vor allem auf die Bischöfe stützen, auf deren Einsetzung sie starken Einfluss nahmen und denen sie weitreichende Herrschaftsrechte übertrugen (siehe Reichskirche).

2.1. Die Normannen in Süditalien

Seit dem frühen 11. Jahrhundert begannen sich die Normannen in Süditalien festzusetzen, verdrängten nach und nach die Langobarden und die Byzantiner aus ihren Herrschaften und bedrohten zeitweise auch den Kirchenstaat. Das Papsttum suchte zunächst bei den Kaisern um Hilfe gegen die Normannen nach; 1059 allerdings erhob Papst Nikolaus II. den Normannen Robert Guiscard zum Herzog von Apulien, Kalabrien und Sizilien (das vorerst noch in sarazenischer Hand war) und sicherte damit dem Papsttum in seiner Auseinandersetzung mit den römisch-deutschen Kaisern die Unterstützung seitens der Normannen. Roberts Bruder Roger I. eroberte 1091 Sizilien, Rogers Sohn Roger II. vereinte 1127 die normannischen Gebiete in Süditalien und auf Sizilien zu einem Herrschaftsbereich, und 1130/1139 erkannte das Papsttum den normannischen Herrschaftsbereich als Königreich an.

2.2. Der Konflikt mit dem Papsttum und den Städten

Etwa ein Jahrhundert lang war das Verhältnis Papsttum–Kaisertum durchaus kooperativ, das Kaisertum förderte sogar das Reformpapsttum. Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts bestritten die Reformpäpste dem Kaisertum allerdings weitgehend die Verfügungsgewalt über die Kirche, u. a. bestritten sie dem Kaisertum das Recht auf die Einsetzung von Bischöfen. Die Auseinandersetzung zwischen Papsttum und Kaisertum über die Verfügungsgewalt der weltlichen über die geistliche Macht kulminierte unter Papst Gregor VII. und Kaiser Heinrich IV. im Investiturstreit. Durch das Wormser Konkordat von 1122, am Ende des Investiturstreites, wurde dem Kaiser die Einflussnahme auf die Besetzung der Bistümer weitgehend entzogen. Für die Entwicklung in Italien war der Investiturstreit bzw. dessen Ergebnis insofern von außerordentlicher Bedeutung, als er den Aufstieg der oberitalienischen Städte einleitete, das Papsttum als Konkurrenzmacht zum Kaisertum etablierte und im Grunde den Beginn der Loslösung Italiens vom Heiligen Römischen Reich markierte.

Die oberitalienischen Städte suchten sich seit dem frühen 11. Jahrhundert aus der Macht der vom Kaiser eingesetzten und von ihm mit umfassenden weltlichen Rechten ausgestatteten Bischöfe zu lösen; im Zuge des Investiturstreites gelang es ihnen weitgehend, sich aus bischöflicher Herrschaft zu befreien und als autonome Kommunen zu etablieren. Der enorme wirtschaftliche Aufschwung vor allem der Hafenstädte im Rahmen der Kreuzzüge stärkte das Selbstbewusstsein, die Autonomiebestrebungen und die Macht der oberitalienischen Kommunen noch weiter. Als Stütze seiner Herrschaft kamen für das Kaisertum die selbständigen oder nach Selbständigkeit strebenden Städte nicht (mehr) in Frage (sie ergriffen im Gegenteil in den folgenden Konflikten zwischen Papsttum und Kaisertum in der Regel Partei für das Papsttum), und die Bischöfe waren als verlässliches Herrschaftsinstrument ausgeschaltet.

Kaiser Friedrich I. suchte zwischen 1158 und 1177 in mehreren Italienzügen die kaiserliche Oberhoheit über Ober- und Mittelitalien wieder herzustellen, scheiterte aber am Ende an der erbitterten Gegenwehr des Papsttums und vor allem der oberitalienischen Städte bzw. des Lombardenbunds, zu dem sich 1167 einige der mächtigsten Städte zusammengeschlossen hatten. 1183 musste Friedrich I. den oberitalienischen Städten im Frieden von Konstanz weitgehende Autonomie zugestehen.

1184 verheiratete Friedrich I. seinen Sohn Heinrich VI. mit der Erbin des normannischen Königreiches Sizilien (das neben Sizilien ganz Unteritalien umfasste; siehe Königreich Neapel), womit die Staufer über ganz Italien mit Ausnahme des Kirchenstaates herrschten. In seinem Bemühen, sich aus der staufischen Umklammerung zu befreien, unterstützte das Papsttum nach Heinrichs Tod 1197 das welfische Kaisertum; 1211 anerkannte Papst Innozenz III. dann jedoch Heinrichs Sohn Friedrich II., seit 1198 König von Sizilien und zugleich Mündel des Papstes, als römisch-deutschen König. Innozenz III. hatte das relative Machtvakuum in Italien nach Heinrichs Tod genutzt, um den Kirchenstaat als unabhängiges Staatswesen in Mittelitalien zu konsolidieren, und durch seinen entscheidenden Einfluss auf die Besetzung des Kaiserthrones führte er das Papsttum auf den Höhepunkt seiner politischen Macht. Friedrich II. errichtete in seinem unteritalienischen Königreich ein zentralistisches, straff organisiertes Staatswesen; in Oberitalien und gegenüber dem Papsttum suchte er die kaiserliche Oberhoheit mit Waffengewalt wiederherzustellen. Als sich eine militärische Entscheidung zu seinen Gunsten anzudeuten schien, starb Friedrich 1250. Mit dem Tod von Friedrichs Sohn und Nachfolger Konrad IV. 1254 brach die kaiserliche Herrschaft in Ober- und Mittelitalien endgültig zusammen.

3. Italien im Spätmittelalter
3.1. Das Königreich Sizilien/Neapel

Um die Reste staufischer Macht in Italien zu beseitigen, belehnte Papst Klemens IV. 1263 Karl von Anjou mit dem Königreich Sizilien. Der nahm ab 1265 das Königreich in Besitz, besiegte 1266 Manfred, den letzten staufischen König von Sizilien, und 1268 Konrads IV. Sohn Konradin, der das staufische Erbe zurückzugewinnen versuchte. Ihn ließ Karl 1268 in Neapel öffentlich hinrichten. Gegen Karls hartes Regime, gegen die Übergriffe der französischen Soldaten und Beamten erhoben sich 1282 die Sizilianer in der Sizilianischen Vesper; unterstützt wurden sie von Peter III. von Aragonien, der aufgrund seiner Verwandtschaft mit den Staufern Ansprüche auf das Königreich Sizilien erhob. Nach langwierigen Kämpfen kam die Insel Sizilien 1302, endgültig 1372, als Sekundogenitur an Aragonien; der festländische Teil des Königreiches blieb als Königreich Neapel beim Haus Anjou. Nach dem Aussterben der Anjou 1435 eroberte Alfons V. von Aragonien 1442 Neapel und vereinigte es wieder mit Sizilien. 1495 eroberte Karl VIII. von Frankreich als Erbe der Anjou Neapel, 1504 wurden die Franzosen jedoch von Ferdinand II. von Aragonien wieder aus Neapel vertrieben. Bis 1707 unterstand Neapel-Sizilien als Vizekönigreich der spanischen Krone. Der französische Anspruch auf das Königreich Neapel führte zu einem langwierigen Konflikt mit den Habsburgern, die seit 1516 auch in Spanien herrschten, um die Vorherrschaft in Italien.

3.2. Der Aufstieg der Stadtstaaten

Nach dem Ende der Kaiserherrschaft zerfiel Oberitalien in eine Vielzahl unabhängiger politischer Einheiten, die sich zum Teil gegeneinander bekämpften, zum Teil auch in sich selbst zerstritten waren; getragen wurden die Konflikte vielfach von Guelfen und Ghibellinen, den beiden mächtigsten Parteien in Oberitalien, die sich im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen Kaisertum und Papsttum herausgebildet hatten. Die halbherzigen Versuche einiger spätmittelalterlicher Kaiser, das Kaisertum in Italien wieder zur Geltung zu bringen, blieben Episode und ohne Folgen, ihre Romzüge hatten eher repräsentativen Charakter.

Das Versagen der kollegialen Herrschaften in den Kommunen sowie die zunehmenden Konflikte zwischen den Kommunen ließen die Einrichtung starker kommunaler Zentralgewalten erforderlich werden, um den Frieden innerhalb und zwischen den Kommunen wiederherzustellen. Als typische Form der Alleinherrschaft bildete sich die Signoria heraus, die sich zunächst noch im Rahmen der kommunalen Verfassung und Institutionen bewegte, sich jedoch nach und nach verselbständigte. Durch Erblichwerden des Amtes des Signore (Stadtherren) wurden die ursprünglich demokratisch regierten Kommunen im Laufe des 14. Jahrhunderts de facto zu Fürstenstaaten.

Parallel zur Ausweitung ihrer politischen Herrschaft dehnten einige Signorien auf Kosten anderer Kommunen und Herrschaften auch ihre territoriale Herrschaft aus, schufen mehr oder weniger große (und mehr oder weniger langlebige) Flächenstaaten und gelangten wie etwa Mailand, das 1395 zum Herzogtum erhoben wurde, zu landesfürstlichen Würden. Zu bedeutenden Flächenstaaten entwickelten sich im 14. Jahrhundert neben der Herrschaft der Visconti in Mailand u. a. die Herrschaften der Este in Modena, Reggio und Ferrara, der Gonzaga in Mantua und der Medici in Florenz. In Venedig blieb die oligarchisch-aristokratische Herrschaft mit dem Dogen an der Spitze bestehen – was den Stadtstaat nicht davon abhielt, sein Territorium beträchtlich zu erweitern: Nach seinem Sieg über Genua (1381), seine bedeutendste Konkurrenz auf italienischem Boden, eroberte es nach und nach ein geschlossenes Gebiet zwischen Po, Adda, Alpen und Adria, die so genannte Terra ferma („festes Land”).

3.3. Der Kirchenstaat

Nachdem der Konflikt zwischen Papsttum und Kaisertum gegenstandslos geworden war, beschwor der machtbewusste Papst Bonifatius VIII. um 1295 einen schwerwiegenden Konflikt mit Frankreich herauf, der 1309 in der Übersiedelung der Päpste nach Avignon (siehe Avignonisches Exil) mündete. Während die Päpste für knapp 70 Jahre in Frankreich residierten, zerfiel der Kirchenstaat in zahlreiche, faktisch unabhängige Kleinherrschaften und Stadtrepubliken. Im Auftrag des Papstes suchte der spanische Kardinal Albornoz den Kirchenstaat zusammenzuhalten und gab ihm eine Verfassung; nach Albornoz’ Tod 1367 stagnierte die Entwicklung. Erst nach ihrer Rückkehr aus dem Exil und nach dem Ende des Abendländischen Schismas forcierten die Päpste den Wiederaufbau des Kirchenstaates.

3.4. Gleichgewicht der Kräfte

Im frühen 15. Jahrhundert hatten sich in Italien sechs bzw. fünf Staatswesen als die dominierenden Mächte herauskristallisiert: Die Königreiche Sizilien und Neapel (ab 1442 wieder vereinigt) im Süden, der Kirchenstaat in der Mitte und das Herzogtum Mailand, die Republik Venedig und Florenz in Oberitalien. Ihre gegenseitigen Rivalitäten trugen sie mit Waffengewalt aus – die Condottieri hatten ihre Blütezeit. Aber als sich 1453 mit der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen (siehe Osmanisches Reich) im östlichen Mittelmeer eine neue Macht etabliert hatte, die in Italien als potentielle Bedrohung empfunden wurde, schlossen sich die fünf großen italienischen Staaten 1454 im Frieden von Lodi zusammen. Treibende Kraft hinter dem Friedensschluss war Cosimo de’ Medici. Er war in erster Linie bestrebt, auf der Apenninenhalbinsel ein Gleichgewicht der Kräfte zu errichten und zu erhalten, d. h. zu verhindern, dass einer der fünf Staaten die Herrschaft über die anderen erringe, denn in einem Kräftegleichgewicht sah er die beste Garantie für einen dauerhaften Frieden. Dieses italienische Modell hatte Vorbildcharakter für die Pentarchie der europäischen Großmächte im 18./19. Jahrhundert.

Für fast ein halbes Jahrhundert herrschte auf der Apenninenhalbinsel nun tatsächlich Frieden. In dieser Zeit erlebten die italienischen Staaten eine außerordentliche Blüte: Kunst und Kultur der Renaissance begannen zu florieren (nicht zuletzt dank der vor den Osmanen aus Konstantinopel geflohenen griechischen Gelehrten) und auf ganz Europa zu wirken; Geld- und Bankwesen, Handel und Gewerbe standen auf ihrem Höhepunkt. Aufgrund der Tatsache, dass nun die Osmanen das östliche Mittelmeer kontrollierten, ging allerdings der Orienthandel, bisher einer der Schwerpunkte der italienischen Handelstätigkeit, sukzessive zurück, was die italienische Wirtschaft schwer schädigte.

4. Kampf um die Vorherrschaft
4.1. Italien zwischen den Habsburgern und Frankreich

Gleichgewicht und Frieden zerbrachen, als 1494 König Karl VIII. von Frankreich in Italien einmarschierte und Neapel eroberte. Die folgende Epoche war geprägt von den Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den Habsburgern um die Vorherrschaft in Italien. Die italienischen Staaten ihrerseits gingen dabei wechselnde Bündnisse mit den Habsburgern oder Frankreich sowie anderen europäischen Mächten ein, aber auch wechselnde Bündnisse untereinander. In den italienischen Staaten selbst führten diese Konflikte zu teilweise tief greifenden Umwälzungen der politischen Strukturen, so z. B. in Florenz, wo 1494 die Medici vertrieben und Savonarola eine Art theokratische Republik errichtete.

Der Italienzug Karls VIII. scheiterte an der Gegenwehr der ersten Heiligen Liga; 1495 musste sich Karl aus Italien zurückziehen. 1499 fiel Karls Nachfolger Ludwig XII. erneut in Italien ein, eroberte 1500 Mailand und setzte dort der Herrschaft der Sforza ein Ende. 1504 konnte Ferdinand II. von Aragonien die Franzosen endgültig aus Neapel vertreiben und zusammen mit Sizilien als Vizekönigreich der spanischen Krone unterstellen. 1508 verbündeten sich die ehemaligen Gegner Ludwig XII. und Ferdinand II. mit Kaiser Maximilian I. und später auch Papst Julius II. in der Liga von Cambrai gegen Venedig und eroberten 1509 die Terra ferma.

Bereits im folgenden Jahr verließ Papst Julius II. die Liga von Cambrai, verbündete sich mit Venedig und rief erneut eine Heilige Liga ins Leben, deren Ziel wieder die Verdrängung Frankreichs aus Oberitalien war. 1512 gelang es der Liga, die Franzosen aus Mailand zu vertreiben und die Sforza in Mailand zu restaurieren; aber bereits 1515 nahmen die Franzosen nach der Schlacht bei Marignano Mailand wieder in Besitz.

In der Folgezeit spitzte sich der Konflikt zwischen Frankreich (seit 1515 unter Franz I.) und den Habsburgern (unter Karl V., seit 1516 König von Spanien und seit 1519 römisch-deutscher König, ab 1530 Kaiser) um Italien zu. Insgesamt vier Kriege führten Franz I. und Karl V. um die Vorherrschaft in Italien (1521-1526, 1527-1529, 1534-1536 und 1542-1544). Bereits im ersten Krieg führte Karl mit seinem Sieg über Franz und dessen Gefangennahme bei Pavia eine Entscheidung zugunsten Mailands herbei. Im zweiten Krieg sah sich Karl der Liga von Cognac gegenüber, der dritten Heiligen Liga, der neben Frankreich u. a. Mailand und der Papst angehörten. Nach dem Sacco di Roma 1527 verzichtete Franz im Frieden von Cambrai auf alle Ansprüche auf Italien. Mailand fiel nach dem Tod des letzten Sforza 1535 an Spanien. Die beiden letzten Kriege bestätigten den Status quo. Durch die Aufteilung des habsburgischen Besitzes nach der Abdankung Karls V. kamen die habsburgischen Ländereien an die spanische Linie; die spanischen Habsburger verfügten nun über Sizilien, Neapel, Mailand und Sardinien. Der Vertrag von Cateau-Cambrésis bestätigte 1559 die spanische Vorherrschaft auf der Apenninenhalbinsel.

Der Vertrag von Cateau-Cambrésis stellte auch das Herzogtum Savoyen-Piemont wieder her, das teilweise französisch besetzt gewesen war, und das sich im 15. Jahrhundert zum mächtigsten Staat in Oberitalien entwickelt hatte, wobei das eigentliche Machtzentrum des Herzogtums das Piemont war. 1560 verlegten die savoyischen Herzöge folgerichtig ihre Residenz nach Turin. Das Papsttum als politische Großmacht in Italien dagegen hatte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts schwer gelitten; die Ursachen waren zum einen die wechselnde Parteinahme im französisch-habsburgischen Konflikt, zum anderen die Reformation und nicht zuletzt der Nepotismus der Renaissancepäpste, der das Papsttum erheblich in Misskredit gebracht hatte. Erst durch das Tridentinum und die Gegenreformation konnten, besonders unter Papst Pius V., Ansehen und Macht des Papsttumes wieder hergestellt werden; territorial wurde der Kirchenstaat durch die Eingliederung der Fürstentümer Ferrara und Urbino (1598 und 1631) konsolidiert.

Auf die Phase der politisch-militärischen Konflikte folgte ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs. Hauptursache war die Verlagerung der Welthandels- und Wirtschaftszentren nach Westeuropa infolge der Entdeckung Amerikas und des neuen Seewegs nach Indien, durch die das Mittelmeer als Handelsknotenpunkt seine Bedeutung verlor. Die Rezession wurde verschärft durch Überbevölkerung, Agrarkrisen und nicht zuletzt durch den hohen Steuerdruck in den spanisch beherrschten Staaten. So kam es im 17. Jahrhundert verschiedentlich zu Volksaufständen, z. B. 1647/48 in Neapel und Palermo. Der wirtschaftliche Niedergang traf besonders Venedig sehr hart, bislang die größte Handelsmacht Italiens, die vor allem von dem Orienthandel gelebt hatte. Begleitet wurde Venedigs Niedergang als Wirtschafts- und Handelsmacht von dem Verlust des größten Teiles seiner Besitzungen im östlichen Mittelmeerraum an die Osmanen (siehe Venezianisch-Türkische Kriege).

4.2. Die spanischen Bourbonen und die Habsburger

Nach dem Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. 1700 und dem Spanischen Erbfolgekrieg erhielten die österreichischen Habsburger durch die Friedensschlüsse von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) Neapel, Mailand, Mantua und Sardinien und damit den größten Teil des italienischen Erbes der spanischen Habsburger; das Haus Savoyen als der zweite große Gewinner der Friedensschlüsse bekam das Königreich Sizilien, das Viktor Amadeus I. 1720 unter Beibehaltung des Königstitels gegen das österreichische Sardinien tauschte.

Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von der Auseinandersetzung zwischen den spanischen Bourbonen und den Habsburgern um Italien. Treibende Kraft auf spanischer Seite war dabei Elisabeth Farnese, die Gemahlin Philipps V. von Spanien, die das Erbe der spanischen Habsburger für die spanische Krone zurückzugewinnen suchte. Nach dem Aussterben der Farnese 1731 kamen die Herzogtümer Parma und Piacenza an die spanischen Bourbonen; im Rahmen des Polnischen Erbfolgekrieges (1733-1735) besetzte Spanien die Königreiche Neapel und Sizilien, im Gegenzug erhielt Österreich Parma und Piazenca, und Herzog Franz Stephan, der spätere Kaiser Franz I., bekam nach dem Aussterben der Medici 1737 das Herzogtum Toskana, das durch seine Ehe mit Maria Theresia ebenfalls an die Habsburger fiel. Nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg musste Österreich 1748 Parma und Piacenza wieder an die spanischen Bourbonen zurückgeben, wurde dafür im Besitz der Lombardei bestätigt. Neben den habsburgischen und den spanisch-bourbonischen Staaten sowie dem Königreich Sardinien bestanden auf der Apenninenhalbinsel nun noch der Kirchenstaat sowie die Republiken Venedig, Lucca und Genua. Letztere verkaufte 1768 die Insel Korsika an Frankreich.

5. Das napoleonische Zeitalter

Nach Abschluss der territorialen Neuordnung 1748 erlebte Italien eine vergleichsweise lange Friedensperiode; sie endete mit Ausbruch der Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich. Ende 1792 besetzte die Republik Frankreich Savoyen, 1796 besiegte Napoleon die Österreicher in Oberitalien und eroberte praktisch ganz Oberitalien, und 1797 gewann er die Romagna, Ferrara und Bologna vom Kirchenstaat. Im Frieden von Campo Formio 1797 überließ er das Gebiet der zusammengebrochenen Republik Venedig östlich der Etsch (Venetien) Österreich. Ebenfalls 1797 errichtete Napoleon die Zisalpinische Republik mit der Hauptstadt Mailand und die Ligurische Republik um Genua; 1798 errichtete er nach der Besetzung der Stadt Rom die Römische Republik, die allerdings ein Jahr später bereits wieder aufgelöst wurde, und 1801 schuf er das Königreich Etrurien. 1802 wandelte Napoleon die Zisalpinische Republik in die Italienische Republik um und 1805, um Venetien vergrößert, in das Königreich Italien, zu dessen König er sich selbst krönen ließ. Parma-Piacenza, Ligurien und der Kirchenstaat inklusive Rom wurden zwischen 1802 und 1809 als Departements in den französischen Staat eingegliedert. 1806 wurde das Königreich Neapel annektiert; hier setzte Napoleon zunächst seinen Bruder Joseph, 1808 seinen Schwager Joachim Murat als König ein. Ganz Italien stand nun unter französischer Herrschaft bzw. in französischer Abhängigkeit; nur auf den Inseln Sizilien und Sardinien konnten sich noch die Bourbonen bzw. das Haus Savoyen behaupten. 1814/15 brach wie überall in Europa auch in Italien die napoleonische Herrschaft zusammen.

Der Wiener Kongress 1814/15 stellte die vornapoleonische, monarchische Ordnung in Italien sowie den Kirchenstaat wieder her. 1815 nahm der Bourbone Ferdinand I. Neapel wieder in Besitz und vereinte es mit seinem Königreich Sizilien zum „Königreich beider Sizilien”; das Königreich Sardinien wurde restauriert und um die ehemalige Republik Venedig erweitert; die Lombardei und Venetien kamen als „Lombardo-Venezianisches Königreich” an Österreich; Parma-Piacenza, Modena und Lucca kamen an Napoleons Gemahlin Marie Louise und nach deren Tod an eine bourbonische Linie.

6. Risorgimento und Einigung Italiens

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten die spanischen Bourbonen und die Habsburger in ihren italienischen Ländern zahlreiche Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus durchgeführt; während der französischen Herrschaft über Italien wurden der Code Napoléon eingeführt und umfassende Reformen in Staat und Gesellschaft nach französischem Vorbild eingeleitet. Die Restauration machte zahlreiche der damit verbundenen Errungenschaften wieder zunichte. In weiten Kreisen der Bevölkerung, vor allem beim Bürgertum, machte sich Unzufriedenheit mit der Rückkehr zum alten monarchischen System breit, zudem wuchs der Widerstand gegen die andauernde Fremdherrschaft und gegen die österreichische Hegemonie. Es entstanden verschiedene Geheimgesellschaften, wie z. B. die Carboneria, die Aufstände in Neapel (1820), Piemont (1821) und in der Romagna und in Parma (1831) initiierten; die Aufstände wurden alle niedergeschlagen. 1831 gründete Giuseppe Mazzini die Giovine Italia als Nachfolgeorganisation der Carboneria; sein Ziel war die Errichtung einer geeinten, unabhängigen Republik Italien. Die Aufstände der Giovine Italia (1833 im Piemont, 1843 in Bologna, 1844 in Kalabrien und 1845 in Rimini) wurden ebenfalls niedergeschlagen, weckten aber in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für das italienische Problem und leiteten das Risorgimento ein.

Im Kirchenstaat führte der (zunächst) liberale Papst Pius IX. nach seinem Amtsantritt 1846 eine Reihe von Reformen durch. Auf Druck liberaler Kräfte bzw. im Königreich beider Sizilien eines Aufstandes im Januar 1848 (der im Übrigen die Revolutionen von 1848/49 einläutete) sahen sich auch die anderen italienischen Staaten zu liberalen Reformen gezwungen: 1848 erhielt das Königreich beider Sizilien eine konstitutionelle Verfassung (1849 wieder aufgehoben), desgleichen das Herzogtum Toskana (1852 aufgehoben) und das Königreich Sardinien (bis 1946 im Königreich Italien in Kraft). Das Königreich Sardinien unter Karl Albert übernahm nun die Führung im Kampf um die Einigung Italiens und gegen die österreichische Fremdherrschaft; ein erster Krieg gegen Österreich 1848/49 scheiterte jedoch.

Ende 1848 wurde Papst Pius IX., der inzwischen auf einen antiliberalen Kurs eingeschwenkt war, aus Rom vertrieben, und im Februar 1849 errichtete Mazzini die Römische Republik, die Giuseppe Garibaldi immerhin bis Juli 1849 gegen französische Truppen verteidigen konnte. Nach 1848/49 zog überall in Italien wieder die Reaktion ein; nur im Königreich Sardinien blieb die Repräsentativverfassung bestehen, das Land wurde tatsächlich auch parlamentarisch regiert, ab 1852 von Ministerpräsident Camillo Benso di Cavour.

Dank seiner liberalen Reformpolitik fand Cavour mit seiner Idee einer Einigung Italiens in Form einer konstitutionellen Monarchie unter der Führung des Königreiches Sardinien starken Rückhalt auch bei den republikanischen Kräften (mit Ausnahme der radikaleren um Mazzini). Die italienische Einigung hielt Cavour allerdings nur im europäischen Rahmen und gegen Österreich für erreichbar. Daher beteiligte er 1855 sein Land an der Seite Frankreichs und Großbritanniens am Krimkrieg und sicherte sich dadurch die Unterstützung Kaiser Napoleons III. gegen Österreich, die 1858 durch ein Bündnis abgesichert wurde.

1859 provozierte Österreich durch ein Ultimatum den Italienischen Krieg gegen Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich, der nach dem sardisch-französischen Sieg bei Solferino (24. Juni 1859) mit dem Vorfrieden von Villafranca vom 11. Juli 1859 endete. Begleitet wurde der Krieg von prosardischen Aufständen in der Toskana und der Emilia-Romagna. Sardinien erhielt durch den Vorfrieden von Villafranca bzw. den nachfolgenden Frieden von Zürich die Lombardei (über Frankreich); Venetien verblieb vorerst noch bei Österreich. 1860 schlossen sich nach Volksabstimmungen die Toskana, Parma-Piacenza, Modena und die Emilia-Romagna an das Königreich Sardinien an; für seine Zustimmung zu dieser Angliederung erhielt Frankreich Nizza und Savoyen von Sardinien. Im Mai 1860 landete Garibaldi mit Cavours Einverständnis auf Sizilien, eroberte die Insel und anschließend den festländischen Teil des Königreiches beider Sizilien. Im September 1860 stimmten das Königreich beider Sizilien sowie die Marken und Umbrien, bislang Bestandteile des Kirchenstaates, für ihre Angliederung an das Königreich Sardinien.

Bis auf den Restkirchenstaat, d. h. Latium, und Venetien hatte sich nun ganz Italien dem Königreich Sardinien angeschlossen. Im Januar 1861 fanden die ersten gesamtitalienischen Parlamentswahlen statt, und am 17. März 1861 wurde das Königreich Italien mit Viktor Emanuel II. als einem ersten König proklamiert. Verfassung und Verwaltungsstrukturen Sardiniens wurden nun auf das gesamte Königreich Italien übertragen, d. h. Italien bekam ein parlamentarisches System, die Regierung war dem Parlament verpflichtet, der König hatte nur begrenzte Rechte. Die politische Mitwirkung war allerdings auf einen kleinen Kreis beschränkt: Aufgrund des hohen Zensuswahlrechts waren nur etwa 2 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt. Eine neue Verfassung – wie von republikanischen und linken Kräften erhofft – erhielt das neue Staatswesen nicht. Hauptstadt des Königreiches war zunächst Turin, ab 1865 das zentraler gelegene Florenz.

Bis 1870 konnten auch die zwei noch verbliebenen territorialen Probleme – Venetien und Kirchenstaat – gelöst werden: 1866 erhielt Italien durch seine Teilnahme am Deutschen Krieg auf preußischer Seite Venetien von Österreich, obwohl die Österreicher die Italiener bei Custoza (24. Juni 1866) und Lissa (20. Juli 1866) geschlagen hatten. Die Eingliederung des Restkirchenstaates in das Königreich Italien gestaltete sich dagegen deutlich schwieriger. Zweimal, 1862 und 1866, versuchte Garibaldi, mit seinem Freikorps Rom einzunehmen, scheiterte aber beide Male an italienischen Regierungstruppen bzw. den französischen Truppen, die seit 1849 in Rom stationiert waren. Erst nach dem Abzug der französischen Truppen aus Rom nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 konnten italienische Truppen am 20. September 1870 die Stadt gefahrlos besetzen. Nach einem Volksentscheid im Oktober 1870 wurde nun also auch der Restkirchenstaat in das Königreich eingegliedert und Rom 1871 zur Hauptstadt Italiens proklamiert. Papst Pius IX. allerdings weigerte sich, Rom als weltliche Hauptstadt Italiens anzuerkennen, und betrachtete sich als „Gefangener im Vatikan”.

7. Die Konsolidierung des Königreiches Italien

Äußerlich war Italien nun zwar geeinigt, im Inneren war das Land aber zutiefst gespalten: Zum einen standen weite Kreise der Katholiken dem neuen Staatswesen äußerst distanziert gegenüber, nachdem Papst Pius IX. nach der Annexion des Kirchenstaates den Katholiken u. a. die Teilnahme an Wahlen verboten hatte. Zum anderen bestand seit der Gründung des Königreiches eine tiefe Kluft zwischen dem agrarisch-feudalistisch geprägten Süden und dem bürgerlich-industriellen Norden. Die Übertragung der sardischen Verfassung und Verwaltung auf den Süden konnte diese Kluft nicht überbrücken – sie vertiefte sie im Gegenteil noch, da sie den wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten im Süden nicht gerecht wurde.

Bis 1876 wurde Italien von der „Rechten” regiert, gemäßigten Rechten, die in der Nachfolge Cavours standen; dann übernahm die „Linke”, gemäßigt liberale Antiklerikale unter der Führung von Agostino Depretis (Ministerpräsident 1876-1879 und 1881-1887) die Regierung. Unter Depretis wurden einige Sozialreformen durchgeführt, wie z. B. die Einführung der kostenlosen Schulpflicht; außerdem wurde das Wahlrecht reformiert, so dass nun etwa 7 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren.

1882 trat Italien dem gegen Frankreich gerichteten Dreibund mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn bei; Grund war die 1881 erfolgte Besetzung von Tunis durch Frankreich. Von Österreich-Ungarn erhielt Italien die vage Zusage, dass ihm Trient und Triest, auf die Italien Anspruch erhob, übertragen würden, sofern Österreich-Ungarn Territorialgewinne auf dem Balkan zu verzeichnen hätte. Die Irredenta, die sich die Eingliederung von Trient und Triest zum Ziel gesetzt hatte, wurde daraufhin zeitweise verboten.

Ab 1885 engagierte sich Italien in der Kolonialpolitik, die besonders von Depretis’ Nachfolger Francesco Crispi (Ministerpräsident 1887-1891 und 1893-1896) vorangetrieben wurde: Eritrea (1890 italienische Kolonie) und Italienisch-Somaliland (1889) wurden besetzt; der Versuch, das Kolonialgebiet durch den Erwerb von Abessinien (Äthiopien) zu arrondieren, scheiterte jedoch 1896 mit der katastrophalen Niederlage der Italiener bei Adua gegen die Äthiopier unter Menelik II.

Die Innenpolitik der Regierung Crispi war geprägt von strikter Unterdrückung der sozialen Unruhen (von denen im Übrigen die Kolonialpolitik ablenken sollte) und der sich formierenden katholischen und sozialistischen Arbeiterbewegungen – 1892 hatte sich die erste sozialistische Partei Italiens, der Partito Socialista Italiano (PSI) konstituiert. Dieser autoritäre Kurs, der sich u. a. in massiven Einschränkungen der Presse- und der Versammlungsfreiheit manifestierte, stieß jedoch auf zunehmenden Widerstand, der sich in Generalstreiks 1898 in Mailand und 1900 in Genua entlud; 1900 wurde König Umberto I. (1878-1900), der diesen Kurs mitgetragen hatte, von einem Anarchisten ermordet.

Unter Umbertos Nachfolger Victor Emanuel III. (1900-1946) leitete der Linksliberale Giovanni Giolitti (Innenminister 1901-1903, Ministerpräsident 1903-1905, 1906-1909 und 1911-1914) umfassende Reformen ein: Er baute die Arbeits- und Sozialgesetzgebung aus, führte z. B. das Streikrecht sowie Sozialversicherungen ein und reformierte das Wahlrecht, so dass nun etwa 23 Prozent der Bevölkerung wahlberechtigt waren, d. h. fast die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung. Durch seine konsequente Reformpolitik gelang es Giolitti, den reformistischen Flügel der Arbeiterbewegung in das Staatswesen einzubinden; zugleich suchte er durch einen weniger antiklerikalen Kurs den politischen Katholizismus für den Staat zu gewinnen. Die Wirtschaft erlebte seit den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts einen ungeheueren Aufschwung, die Industrialisierung im Norden machte rapide Fortschritte, so dass nun auch – trotz sinkender Steuern und steigender Sozialausgaben – der Staatshaushalt konsolidiert werden konnte.

Trotz seiner Zugehörigkeit zum Dreibund schloss Italien Abkommen mit Frankreich (1902) und Russland (1909), d. h. mit zwei Mitgliedern der 1907 gegen den Dreibund errichteten Tripelentente, was zu Spannungen im Verhältnis zwischen Italien und seinen Bündnispartnern Österreich-Ungarn und Deutsches Reich führte. 1911 besetzte Italien Tripolis und löste damit den Italienisch-Türkischen Krieg gegen das Osmanische Reich aus, in dem es Tripolis, die Cyrenaika und den Dodekanes gewann. Eine der innenpolitischen Folgen des Italienisch-Türkischen Krieges war das Erstarken der politischen Gruppen am äußersten rechten und linken Rand, so z. B. der nationalistischen Rechten.

8. Der 1. Weltkrieg und die Folgen

Nach Giolittis Rücktritt im März 1914 – er hatte die Mehrheit im Parlament verloren – übernahm der Rechtsliberale Antonio Salandra die Regierung (1914-1916). Er setzte die Reformpolitik seines Vorgängers nicht fort, leitete vielmehr erneut einen restriktiven Kurs ein, vor allem gegenüber der Arbeiterbewegung.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges blieb Italien trotz seiner Bündnisverpflichtungen aus dem Dreibund zunächst neutral. Auf Druck linker wie nationalistischer rechter Kräfte und auf Druck der Entente kündigte Italien schließlich den Dreibund und erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn und am 28. August 1916 dem Deutschen Reich den Krieg – gegen den Einspruch der neutralistischen Parlamentsmehrheit. Den Kriegserklärungen vorausgegangen waren außerdem Verhandlungen mit den Entente-Mächten, die Italien für den Fall eines italienischen Kriegseintritts und eines Sieges der Entente im Londoner Geheimvertrag vom 26. April 1915 den Gewinn von Südtirol, Trient, Triest und Dalmatien in Aussicht stellte.

Der Krieg konnte nicht, wie von Salandra erhofft, rasch und siegreich beendet werden. In den insgesamt zwölf Isonzoschlachten (Juni 1915 bis November 1917) versuchten die italienischen Truppen vergeblich, die österreichisch-ungarische Alpenfront zu überwinden; der Durchbruch der Mittelmächte bei Caporetto im Oktober 1917 und ihr Vorstoß bis zur Piave im Juni 1918 bedeuteten beinahe die Niederlage für Italien. Erst die italienische Offensive im Oktober 1918 gegen das praktisch zusammengebrochene Österreich-Ungarn brachte den Erfolg.

Auf den Pariser Friedensverhandlungen 1919/20 konnte Italien einen Großteil seiner Forderungen durchsetzen: Im Friedensvertrag von Saint-Germain mit Österreich erhielt Italien Trient, Südtirol bis zum Brenner, Görz, Triest und Istrien, nicht jedoch Dalmatien und Fiume (siehe Rijeka), die beide dem neu errichteten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Königreich Jugoslawien) zugesprochen wurden. Der Friedensvertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich bestätigte Italien den Besitz der Insel Rhodos und des Dodekanes. Aus Protest gegen den Verlust Fiumes besetzte Gabriele d’Annunzio mit einer Freischar 1919/20 die Stadt.

Die Nachkriegsjahre waren nicht nur von einer schweren Wirtschaftskrise geprägt, sondern vor allem auch von einer tiefen Krise des politischen Systems, die das Land beinahe in einen Bürgerkrieg stürzte. Die weit verbreitete Meinung, Italien habe zwar den Krieg gewonnen, aber den Sieg verloren, führte zu einer tiefen Vertrauenskrise gegenüber der Staatsmacht. Sowohl die Sozialisten (PSI) wie auch die 1919 gegründete katholische Volkspartei Partito Popolare Italiano (PPI) lehnten jede Zusammenarbeit untereinander sowie mit der dritten starken Kraft, den Liberalen, ab und machten damit eine konstruktive Parlaments- und Regierungsarbeit unmöglich. Begleitet wurde diese Pattsituation von zahlreichen Streiks der Land- und Fabrikarbeiter, von Fabrikbesetzungen und anderen sozialen Unruhen. Die 1919 von Benito Mussolini gegründeten, zunächst noch sozialrevolutionären Fasci di Combattimento erhielten großen Zulauf, vor allem nachdem sie sich 1920 durch ihre radikale Wende nach rechts, zum Antisozialismus, Antiliberalismus und Antiparlamentarismus, als neue Ordnungskraft empfahlen und nun auch breite Unterstützung beim Bürgertum, bei Unternehmern, Großgrundbesitzern und in der Bürokratie fanden. Ministerpräsident Giolitti (1920/21) suchte in Fortsetzung seines alten Integrationskurses, Mussolini und seine Faschisten, seit 1921 im Partito Nazionale Fascista (PNF) organisiert, an den Staat zu binden und stützte seine liberale Regierung sogar auf die seit 1921 im Parlament vertretenen Faschisten, was deren Prestige enorm erhöhte. Giolitti trat 1921 zurück, weil PSI und PPI ihm die parlamentarische Unterstützung entzogen. Giolittis liberaler Nachfolger Luigi Facta (1922) fand ebenfalls keine stabile Mehrheit.

9. Italien unter Mussolini

In dieser Krisensituation erzwang Mussolini mit seinem Marsch auf Rom am 27./28. Oktober 1922 von König Viktor Emanuel III. seine Ernennung zum Ministerpräsidenten. Er bildete eine Koalitionsregierung mit den bürgerlich-konservativen Parteien einschließlich des PPI, die sich von den Faschisten eine Beruhigung der politischen und sozialen Lage im Lande versprachen. Obwohl noch in der Minderheit, besetzten die Faschisten alle Schlüsselpositionen in der Regierung.

9.1. Aufbau der Diktatur

Unterstützt, zumindest gebilligt von den alten Eliten aus Kirche, Armee, Justiz und Verwaltung baute Mussolini seine Machtstellung in Partei und Regierung sukzessive aus und errichtete schließlich eine totalitäre Einparteien- bzw. Einmann-Diktatur (siehe Faschismus). Während zunächst lediglich Sozialisten und Kommunisten dezidiert in Opposition zu Mussolini standen, formierte sich nach dem Auszug der Sozialisten, der PPI und einiger Liberaler aus dem Parlament im Juni 1924 infolge der Ermordung des sozialistischen Abgeordneten Giacomo Matteotti eine breite antifaschistische Opposition, in der sich nun alle nicht faschistischen Kräfte zusammenfanden. Die Opposition im Parlament war durch die Matteotti-Krise auf ein Minimum zusammengeschrumpft; durch das Verbot aller Parteien (mit Ausnahme des PNF) 1926 wurde sie vollkommen von der parlamentarischen Arbeit ausgeschlossen. Die Aufhebung der Pressefreiheit und des Versammlungsrechts, die Gründung der Geheimpolizei OVRA und eines Sondergerichtshofes für so genannte politische Verbrechen beraubten die Opposition aller legaler Wirkungsmöglichkeiten, verbannte sie in den Untergrund und festigten Mussolinis diktatorische Herrschaft. Per Gesetz hob Mussolini 1925/26 seine Verantwortlichkeit als Regierungschef gegenüber dem Parlament auf und ließ sich auch die legislative Gewalt übertragen, und mit der Umwandlung des Gran consiglio del fascismo (Großrat des Faschismus), 1922 als Führungsspitze des PNF gegründet, in ein Staatsorgan 1928 war der Aufbau der Diktatur und die Gleichsetzung von Partei und Staat vollendet. Seine Machtstellung manifestierte Mussolini mit den Titeln Capo del Gobierno (Haupt der Regierung) und Duce del Fascismo (Führer des Faschismus).

In bewusster Annäherung an die katholische Kirche als einer der wesentlichen Stützen seiner Diktatur war Mussolini bestrebt, einen Ausgleich mit dem Papsttum hinsichtlich der Römischen Frage zu finden. Nach langen Verhandlungen schlossen die italienische Regierung und der Heilige Stuhl im Februar 1929 die Lateranverträge, in denen der italienische Staat die Souveränität des Heiligen Stuhles über die Vatikanstadt als neutralen Staat und das Papsttum Rom als Hauptstadt Italiens anerkannte. Ein Konkordat regelte daneben die Beziehungen zwischen Kirche und Staat.

9.2. Außenpolitik

In der Außenpolitik war Mussolini zunächst, während der Aufbauphase des faschistischen Staates, um Ausgleich und Kooperation innerhalb der Nachkriegsordnung bemüht; so band er z. B. Italien als Garantiemacht in den Locarnopakt ein. Zugleich betrieb er im östlichen Mittelmeerraum eine zunächst noch sehr vorsichtige Expansionspolitik: 1923 besetzte er Korfu, und 1924 brachte er durch einen Vertrag mit Jugoslawien Fiume an Italien. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933, dem Ende der deutsch-französischen Ausgleichspolitik und dem Beginn der aggressiven deutschen Außenpolitik schloss sich Italien eng an Österreich und an Frankreich an, zu dem die Beziehungen bislang wegen ungelöster Kolonialfragen und Rivalitäten im Mittelmeerraum sehr gespannt gewesen waren. Im März 1934 unterzeichnete Italien mit Österreich und Ungarn die Römischen Protokolle, die im Grunde gegen das Deutsche Reich gerichtet waren; im Januar 1935 wurde das so genannte Mussolini-Laval-Abkommen mit Frankreich geschlossen; und im April 1935 fanden sich Italien, Frankreich und Großbritannien in der Stresafront gegen die revisionistische Außenpolitik des Deutschen Reiches zusammen. Dadurch außenpolitisch abgesichert, ging Mussolini nun zu einem offen expansionistischen Kurs über: Im Italienisch-Äthiopischen Krieg (1935/36) eroberte er Äthiopien und vereinigte es mit Eritrea und Italienisch-Somaliland zur Kolonie Italienisch-Ostafrika; König Viktor Emanuel III. nahm den Titel „Kaiser von Äthiopien” an.

Durch die Annexion Äthiopiens geriet Italien allerdings wieder in Konflikt mit den Westmächten Frankreich und Großbritannien; dies sowie die Intervention Deutschlands und Italiens im Spanischen Bürgerkrieg zugunsten Francisco Francos und der Aufständischen führten trotz aller machtpolitischer Gegensätze zu einer Annäherung des faschistischen Italien an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Im Oktober 1936 wurde die Achse Berlin–Rom errichtet, 1937 trat Italien dem deutsch-japanischen Antikominternpakt bei und aus dem Völkerbund aus. Den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, den Mussolini durch die Römischen Protokolle noch zu verhindern gesucht hatte, akzeptierte er im März 1938 widerspruchslos, und im September 1938 vermittelte er das Münchner Abkommen zwischen dem Deutschen Reich einerseits, Frankreich und Großbritannien andererseits. Im April 1939 besetzten italienische Truppen Albanien, das sich in den zwanziger Jahren eng an Italien angeschlossen hatte, nun aber versuchte, dieses Abhängigkeitsverhältnis zu lösen. Albanien wurde mit Italien vereinigt, Viktor Emanuel in Personalunion auch albanischer König. Im Mai 1939 schlossen Mussolini und Hitler den Stahlpakt, ein Militärbündnis, in dem sie u. a. auch die deutsch-italienische Grenze festlegten: Südtirol sollte bei Italien verbleiben, der Brenner sollte weiterhin die Grenze bilden. Im Oktober 1939 handelten Mussolini und Hitler zusätzlich ein Umsiedlungsabkommen für die deutschsprachige Bevölkerung in Südtirol aus.

9.3. Italien im 2. Weltkrieg

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 hielt sich Italien zunächst als „nicht Krieg führende” Macht aus dem Kriegsgeschehen heraus – vor allem weil es noch nicht ausreichend gerüstet war. Erst vor dem Hintergrund der deutschen Siege trat Italien am 10. Juni 1940 mit Kriegserklärungen an Frankreich und Großbritannien auf der Seite Deutschlands in den Krieg ein; Ziel waren dabei in erster Linie Territorialgewinne auf Kosten Frankreichs wie z. B. Tunesien und Französisch-Somaliland (siehe Dschibuti). Die italienischen Offensiven in Griechenland (von Albanien aus) und gegen die Briten in Nordafrika (von Italienisch-Ostafrika und Libyen aus) scheiterten jedoch und offenbarten die militärische Unzulänglichkeit Italiens. Im weiteren Verlauf des Krieges, in dem Italien politisch und militärisch zunehmend in deutsche Abhängigkeit geriet und sich an der deutschen Besetzung Griechenlands und Albaniens beteiligte, machten sich zudem die Schwächen der in weiten Teilen vom Import abhängigen italienischen Wirtschaft drückend bemerkbar.

9.3.1. Das Ende der Ära Mussolini

Die militärischen Misserfolge, die wirtschaftlichen Probleme und die zunehmenden inneren Krisen stärkten die antifaschistische Opposition in Italien und führten im März 1943 zu Massenstreiks. Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien am 9./10. Juli 1943 wandte sich schließlich auch der Großrat des Faschismus von Mussolini ab und forderte ihn auf, den militärischen Oberbefehl an den König abzugeben; am 25. Juli ließ Viktor Emanuel III. Mussolini verhaften und betraute Marschall Pietro Badoglio mit den Regierungsgeschäften. Der löste den PNF auf, schloss am 3. September 1943 einen Waffenstillstand mit den Alliierten und trat am 13. Oktober 1943 auf deren Seite in den Krieg gegen Deutschland ein. Nach Bekanntgabe des Waffenstillstandes am 8. September wurden die italienischen Truppen im Zugriffsbereich der deutschen Wehrmacht von den Deutschen entwaffnet und gefangen genommen, Italien wurde bis zu einer Linie etwa 100 Kilometer südlich von Rom von deutschen Truppen besetzt. König und Regierung mussten aus Rom nach Bari, in das unbesetzte Regno del Sud, fliehen. Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmtruppen Mussolini aus der Haft; wenig später gründete Mussolini in Norditalien unter deutschem Schutz die vollkommen von Deutschland abhängige Repubblica Sociale Italiana, die Republik von Salò.

9.3.2. Befreiung und demokratischer Neubeginn

In der Folgezeit versuchten alliierte Truppen von Unteritalien aus, die deutschen Linien nach Norden zu durchbrechen, zunächst mit wenig Erfolg; der entscheidende Durchbruch gelang erst im Frühjahr 1944. In Mittel- und Oberitalien unterstützten zahlreiche Partisanenverbände hinter der Front die alliierten Operationen. Am 4. Juni 1944 eroberten die Alliierten Rom; ein knappes Jahr später, am 29. April/2. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen in Italien endgültig. Die Republik von Salò löste sich auf, Mussolini wurde am 28. April 1945 von Antifaschisten erschossen.

Bereits seit etwa 1942 hatten sich im Untergrund die alten, von Mussolini verbotenen Parteien neu konstituiert (die kommunistische Partei Partito Comunista Italiano, PCI, und die sozialistische Partei Partito Socialista Italiano di Unità Proletaria, PSIUP), außerdem wurden neue Parteien gegründet (die christlich-demokratische Democrazia Cristiana, DC, die Aktionspartei Partito d’Azione, Pd’A, sowie liberale und demokratische Parteien). Sie schlossen sich im September 1943 zum Comitato di Liberazione Nazionale (CLN, Nationales Befreiungskomitee) zusammen. Nach der Eroberung Roms durch die Alliierten trat der durch seine Verbindung mit dem Faschismus diskreditierte König Viktor Emanuel III. auf Druck des CLN seine Kompetenzen an seinen Sohn Umberto II. ab, der den Titel eines Generalstatthalters annahm; die Regierung Badoglio wurde durch eine Koalition aus sechs CLN-Parteien abgelöst, Ministerpräsident dieser provisorischen Regierung wurde der ehemalige sozialistische Ministerpräsident (1921/22) und CLN-Präsident Ivanoe Bonomi.

Wie vereinbart trat Bonomi nach der deutschen Kapitulation zurück. Nach einer kurzen Zwischenphase unter dem Pd’A-Vorsitzenden Ferruccio Parri wurde im Dezember 1945 der DC-Vorsitzende Alcide de Gasperi zum Ministerpräsidenten ernannt.

10. Die Republik Italien

Am 9. Mai 1946 dankte Viktor Emanuel III. zugunsten Umbertos II. ab. In einer Volksabstimmung am 2. Juni 1946 stimmten 54,3 Prozent der Wahlberechtigten (erstmals auch Frauen) für die Abschaffung der Monarchie und die Errichtung der Republik. Am 13. Juni ging Umberto ins Exil, und am 18. Juni 1946 proklamierte der Oberste Gerichtshof Italiens offiziell die Republik.

10.1. Parteienkonstellation im Nachkriegsitalien

In der ebenfalls am 2. Juni 1946 gewählten verfassunggebenden Nationalversammlung war die DC mit 207 Sitzen die stärkste Fraktion, gefolgt von dem PSIUP mit 115 Sitzen, dem PCI mit 104 Mandaten und vier kleineren Parteien mit zusammen 117 Sitzen. Ministerpräsident blieb de Gasperi; er bildete eine große Koalition unter Einschluss der Sozialisten und der Kommunisten. Die Koalition hielt allerdings nicht lange: Im Januar 1947 trat der Sozialist Pietro Nenni als Außenminister zurück. Vorausgegangen waren innerparteiliche Auseinandersetzungen über die politische Orientierung des bislang neutralistischen PSIUP sowie eine mögliche Zusammenarbeit mit den Kommunisten, in deren Folge es zur Spaltung der Partei kam: Der prowestliche Flügel konstituierte sich als Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) unter Giuseppe Saragat neu; der kommunistisch orientierte Flügel unter Petro Nenni nahm wieder den alten Namen Partito Socialista Italiano (PSI) an. Die Spaltung schwächte die sozialistische Linke in Italien erheblich; der PSI konnte sich erst nach der Auflösung seines Aktionsbündnisses mit dem PCI und nach seinem Einschwenken auf einen reformistischen Kurs in den sechziger Jahren wieder als regierungsfähige Partei etablieren. Im Mai 1947 kündigte de Gasperi vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Kalten Krieges die Koalition mit den Kommunisten und den Sozialisten auf; Kommunisten und Sozialisten auf der anderen Seite waren bereits zunehmend in Distanz zu dem gemäßigten Reformkurs de Gasperis gegangen.

Am 22. Dezember 1947 verabschiedete die Nationalversammlung die unterdessen erarbeitete parlamentarisch-demokratische Verfassung mit großer Mehrheit; am 1. Januar 1948 trat die neue Verfassung in Kraft.

Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im April 1948, denen ein erbitterter Wahlkampf zwischen Bürgerlichen und linkssozialistisch-kommunistischer Volksfront vorausgegangen war, erhielt die DC 48,5 Prozent der Stimmen, d. h. die absolute Mehrheit der Mandate; PSI und PCI kamen zusammen nur auf 31 Prozent. Ministerpräsident wurde erneut de Gasperi. Zwar erreichte die DC bei Parlamentswahlen nie wieder die absolute Mehrheit, bis in die achtziger Jahre aber immer um die 40 Prozent, und bis 1981 stellte sie ohne Unterbrechung den Ministerpräsidenten. Während sie zunächst ausschließlich mit Parteien der Mitte und der gemäßigten Rechten koalierte, vollzog sie Anfang der sechziger Jahre die Apertura a sinistra („Öffnung nach links”) und ging nun auch Regierungsbündnisse mit der nichtkommunistischen Linken ein. Aber obwohl die DC vier Jahrzehnte lang stärkste Fraktion blieb, zeichneten sich ihre Regierungen – wie auch alle nachfolgenden, nicht DC-geführten – durch große Instabilität aus; Ursache dafür war die Flügelbildung innerhalb der DC selbst sowie die große Parteienvielfalt in Italien, die wiederum Ausdruck großer sozialer und politischer Gegensätze ist.

Im Mai 1948 wurde Luigi Einaudi als Kandidat der DC und der gemäßigten Sozialisten zum Staatspräsidenten gewählt. Zuvor hatte er als Haushaltsminister (1947/48) unter de Gasperi wesentlich zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beigetragen.

10.2. Friedensvertrag und Außenpolitik

Der Pariser Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 zwischen den Alliierten und Italien bestätigte in etwa den territorialen Bestand Italiens auf der Apenninenhalbinsel, nur das zwischen Italien und Jugoslawien umstrittene Triest wurde Freistaat unter UN-Aufsicht. Außerdem musste Italien Istrien an Jugoslawien abgeben, die Dodekanes Griechenland überlassen und auf Albanien und Äthiopien sowie alle seine Kolonien verzichten; dafür erhielt es 1950 die UN-Treuhandschaft über Italienisch-Somaliland.

Bereits am 5. September 1946 hatte de Gasperi mit dem österreichischen Außenminister Karl Gruber zur Regelung der Südtirolfrage das so genannte Gruber-De-Gasperi-Abkommen geschlossen, das der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol eine gewisse Autonomie garantierte. Das Abkommen wurde sowohl dem Friedensvertrag als auch der neuen italienischen Verfassung beigefügt. Aufgrund der unterschiedlichen Auslegung des Abkommens kam es allerdings zwischen der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol und der italienischen Regierung zu Spannungen, die sogar vereinzelt in Terroranschläge ausarteten, und zu Differenzen zwischen Österreich und Italien. 1969 handelten Österreich und Italien einen neuen Vertrag aus, das so genannte Südtirol-Paket, das die Problematik wesentlich konkreter behandelte und dessen 137 Durchführungsbestimmungen 1992 für erfüllt galten.

1954 einigten sich Italien und Jugoslawien über Triest: Stadt mit Hafen und westlichem Umland kamen an Italien zurück, der Rest der Zone ging an Jugoslawien.

Vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts wie auch der Erfahrungen aus der Zeit des Faschismus und des 2. Weltkrieges suchte Italien – gegen den erbitterten Widerstand der Kommunisten – die enge Anbindung an den Westen und engagierte sich für die politische und wirtschaftliche Integration Europas. Italien war Gründungsmitglied der NATO und des Europarates (1949), der Montanunion (1952), der Westeuropäischen Union (1955) sowie der EURATOM und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (siehe Römische Verträge, 1957). Seit 1955 ist Italien Mitglied der Vereinten Nationen.

10.3. Italien unter christlich-demokratischer Regierung

Dank der Marshallplan-Hilfe gelang der wirtschaftliche Wiederaufbau Ende der vierziger/Anfang der fünfziger Jahre in Italien relativ rasch. Der Versuch, durch eine Sozial- und Bodenreform sowie die Einrichtung einer eigenen Entwicklungsbank für den wirtschaftlich benachteiligten Süden die wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen Nord und Süd zu verringern, war dagegen weniger erfolgreich; der Mezzogiorno ist nach wie vor das Armenhaus Italiens.

Aus den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Juni 1953 gingen die Christdemokraten mit 40 Prozent erneut als stärkste Partei hervor, verloren aber ihre absolute Mehrheit. Der PCI wurde mit 22,6 Prozent zweitstärkste Fraktion. Der Christdemokrat und frühere Schatzminister Giuseppe Pella löste de Gasperi als Ministerpräsident ab und bildete ein Kabinett der rechten Mitte. Aufgrund DC-interner Differenzen wechselten im weiteren Verlauf der Legislaturperiode beinahe jährlich die Kabinette und Ministerpräsidenten. 1955 wurde Giovanni Gronchi, ein Vertreter des linken Flügels der DC, zum Staatspräsidenten gewählt.

Die Parlamentswahlen vom Mai 1958 bestätigten die Koalition der rechten Mitte und den PCI als zweitstärkste Fraktion. Amintore Fanfani wurde Ministerpräsident, aber bereits im Januar 1959 von Antonio Segni wieder abgelöst. Segni regierte mit einem rein christdemokratischen Minderheitskabinett. Seine Regierung wurde im Februar 1960 gestürzt; die Regierung übernahm erneut Fanfani, auch er an der Spitze eines ausschließlich christdemokratischen Minderheitskabinetts.

10.3.1. Öffnung nach links

Vor dem Hintergrund einer fehlenden stabilen Regierungsmehrheit im Parlament und angesichts der Tatsache, dass der PSI seine Zusammenarbeit mit dem PCI gelöst und in Dialog mit der Kirche und der DC getreten war, leitete Fanfani nun die Apertura a sinistra der DC bzw. der Regierung ein. 1962 bildete er eine Koalition mit dem PSDI und dem Partito Repubblicano Italiano (PRI), die sich auf die parlamentarische Tolerierung durch den PSI stützte.

1962 wurde Antonio Segni zum Staatspräsidenten gewählt; 1964 übernahm mit Giuseppe Saragat (PSDI) erstmals ein Sozialdemokrat das Amt des Staatspräsidenten.

Bei den Parlamentswahlen im April 1963 sank die DC auf 38,3 Prozent, der PCI erreichte 25,3 Prozent. Seinen Stimmenzuwachs verdankte der PCI nach einer Phase der Stagnation in den späten fünfziger Jahren seiner Neuorientierung im Rahmen der Entstalinisierung. Palmiro Togliatti, von 1947 bis 1964 Generalsekretär des PCI, plädierte nun für einen „eigenen Weg zum Sozialismus” und wandte sich scharf gegen die Einmischung der KPdSU in die Angelegenheiten der kommunistischen Parteien anderer Länder. Nach den Parlamentswahlen trat Fanfani zurück; Giovanni Leone, bislang Präsident des Abgeordnetenhauses, wurde Ministerpräsident und bildete eine christdemokratische Minderheitsregierung. Im Oktober signalisierte der PSI unter Pietro Nenni seine Bereitschaft, in eine Mitte-links-Regierung einzutreten; durch seine Anerkennung der Einbindung Italiens in die NATO und das westeuropäische Bündnissystem hatte sich der PSI zudem als potentieller Koalitionspartner qualifiziert. Im Dezember 1963 übernahm der Christdemokrat Aldo Moro an der Spitze einer Koalition aus DC, PSI, PSDI und PRI die Regierung; Nenni wurde stellvertretender Ministerpräsident.

10.3.2. Instabile Verhältnisse und wechselnde Koalitionen

Unter der Regierung Aldo Moro (1963-1968) erlebte Italien eine Phase relativer innenpolitischer Stabilität, obwohl sich bereits ein Ende des Wirtschaftsbooms mit all seinen Begleiterscheinungen wie Inflation und zunehmende Arbeitslosigkeit abzeichnete. Nach den Wahlen von 1968 führte – nach einer kurzen Zwischenphase einer reinen DC-Regierung unter Giovanni Leone – Mariano Rumor die Vierparteienkoalition weiter. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Stagnation und steigender Arbeitslosenzahlen, zunehmender sozialer und politischer Polarisation, die sich u. a. in Streiks der Studenten und Arbeiter manifestierte, wechselten in der Folgezeit die Regierungen rasch einander ab: 1969 bildete Rumor eine DC-Regierung, im März 1970 kehrte er zur Vierparteienkoalition zurück, die ab August 1970 von Emilio Colombo weitergeführt wurde. Nach einer weiteren DC-Regierung unter Giulio Andreotti, die gerade einmal neun Tage im Amt war, blieb Italien von Februar bis Juni 1972 ohne Regierung. Nach den Neuwahlen bildete Andreotti eine Koalition aus DC, PSDI und Partitio Liberale Italiano (PLI), die im Juli 1973 wieder von der alten Vierparteienkoalition unter Rumor abgelöst wurde. Im November 1974 übernahm wieder die DC alleine die Regierung mit Aldo Moro als Ministerpräsidenten.

Staatspräsident wurde 1971 Giovanni Leone.

Unterdessen erklärte sich der PCI, der unter seinem Generalsekretär Enrico Berlinguer (1972-1984) einen eurokommunistischen Kurs des sowohl von der Sowjetunion wie auch von der Sozialdemokratie unabhängigen „dritten Weges” eingeschlagen hatte, zu einem „historischen Kompromiss” bereit, d. h. zu einer bedingten Zustimmung zur Westintegration und NATO-Einbindung Italiens zugunsten einer Regierungsbeteiligung. Bei den Parlamentswahlen von 1976 erreichte der PCI mit 34,4 Prozent sein bestes Ergebnis; die D