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| 2. | Die großen Komödien |
Molières Theaterschaffen konzentrierte sich weitgehend auf die Komödie, war auf diesem Gebiet allerdings formal breit gefächert, von der pointierten Farce über die Prosakomödie bis zur Haute Comédie. Inhaltlich herrschten zunächst Situationskomödie und Sittenkomödie vor.
L’École des femmes (1662, Die Schule der Frauen) markierte einen Bruch mit der Tradition der Posse. Es gilt als das erste große tragikomische Werk in der französischen Literatur und befasste sich ironisch-distanziert mit der Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft und den daraus resultierenden geschlechtsspezifischen Erziehungsrichtlinien. Das Stück stellte zugleich den zeitgenössischen Materialismus bloß und löste eine heftige und widersprüchliche Publikumsreaktion aus. Seine bedeutendsten Werke schuf Molière auf dem Feld der Charakter- bzw. Typenkomödie. Mit Le Tartuffe (erste Fassung 1664, dritte und letzte Fassung 1669, Tartuffe) gelang ihm ein psychologisch differenziertes, zeitloses Bild eines Heuchlers. Da die satirischen Bezüge auf Hof und Kirche unübersehbar waren, wurde es fünf Jahre lang mit dem Verbot öffentlicher Aufführung belegt. Le Misanthrope (1666, Der Menschenfeind) demonstriert einen weiteren exemplarischen Charakter: einen Mann von Prinzipien, der beständig die Schwächen und Torheiten anderer kritisiert, in seiner Verliebtheit aber blind ist für die Fehler der Angebeteten.
Insgesamt haben sich etwa 30 Stücke von Molière erhalten. Zu den bemerkenswertesten zählen L’Avare (1668, Der Geizige) und Le Malade imaginaire (1673, Der eingebildete Kranke). Verschiedentlich wurden die Komödien durch Musikeinlagen und Ballettszenen unterbrochen, vor allem die eigens für höfische Festivitäten geschriebenen, wie Le Bourgeois Gentilhomme (1670, Der Bürger als Edelmann), ein komisches Ballett mit Musik von Jean Baptiste Lully. In der Uraufführung von Der eingebildete Kranke spielte der Verfasser selbst die Hauptrolle, erkrankte während der ersten Spielwoche und starb bald darauf.